Selbsthilfegruppe Depression: Leben wieder in die richtige Bahn gelenkt

Gegen seine psychische Erkrankung kämpft Peter Schulze seit 40 Jahren. Vor etwa einem Jahr ist er in einer schweren Krise zur Selbsthilfegruppe Depression gestoßen.

Seine Eltern waren beide arbeitslos. Der Vater war gewalttätig, während die Mutter eine frustrierte Hausfrau war. Das Geld war stets knapp und die Stimmung zuhause immer angespannt.
Schulze und seine vier Geschwister litten unter dem Druck. Sie hatten Angst vor Bestrafungen. Was das mit den Kindern gemacht hat, sei ihm erst Jahre später wie Schuppen von den Augen gefallen, erzählte er.  „Jeder von uns hatte Anzeichen einer starken psychischen Belastung, aber niemand ging der Sache auf den Grund.“
Als er älter wurde ging er seinen Symptomen selbst auf den Grund. Er litt unter Sehstörungen, wunden Hautstellen, schmerzhaften Gelenken und Schweißausbrüchen bei geringster Belastung. Doch seine Ärzte konnten keine körperlichen Ursachen für seine Beschwerden finden.
Schulze besuchte mehrere Einzel- und Gruppentherapien und hielt sich zwei Mal stationär im Uniklinikum auf. Eine Besserung seines gesundheitlichen Zustandes brachte ihm das nicht, sehr wohl aber die Erkenntnis, dass es andere Menschen wie ihn gibt, die ähnliches erlebt haben. „Das war für mich ein Aha-Erlebnis mit großer Bedeutung“, erklärte er.
2012 hatte Schulze seinen ersten Zusammenbruch. Sein Körper streikte und er dachte an Selbstmord. Eine gute Therapeutin empfahl im sein Hausartz.
„Ich hatte zum ersten Mal seit sehr langer Zeit das Gefühl, dass mir jemand wirklich helfen will. Das war überwältigend, ich habe geheult vor Erleichterung“, erzählte Schulze. Die Therapeutin konnte ihm Mut machen. „Ich habe mir gesagt, ich versuche das jetzt. Wenn es nicht funktioniert, kann ich immer noch den letzten Schritt machen“, sagte er.
Er wurde krankgeschrieben und besuchte neun Wochen lang eine Tagesklinik und besiegte seine Angst. „Das war ein irres Gefühlserlebnis. Ich fühlte mich zum ersten Mal in meinem Leben befreit, nicht eingeschüchtert, von niemandem“, erzählt Schulze noch jetzt voller Bewunderung.
Die Rückkehr ins Berufsleben verlief allerdings nicht wie erhofft. Schulze erkannte, dass der nächste Zusammenbruch nicht weit ist, wenn er so weitermacht. Er zog Erwerbsminderungsrente in Betracht, doch seine Ehefrau war damit überhaupt nicht einverstanden.
Als Schulze erneut körperliche Beschwerden bekam und operiert werden musste, verließ ihn seine Frau. Schulze verlor den letzten festen Punkt in seinem Leben, was zur Folge hatte, dass Depression und Suizidgedanken zurück kamen. „Ich hatte das Gefühl, dass mir gerade mein gesamtes Leben um die Ohren fliegt“, sagte Schulze.
Trotzdem hat Schulze auch dann noch weitergekämpft. „Man darf nicht im Stillstand verharren, man muss aktiv bleiben, Schritt für Schritt kleine Ziele erreichen, mit anderen Menschen in Kontakt kommen und bleiben, sich nicht zurückziehen in die Einsamkeit“, erklärte Schulze. Deshalb ist er einer Selbsthilfegruppe für an Depression Erkrankte beigetreten, wo er regelmäßig Treffen besucht.
Die Selbsthilfegruppe Depression gibt es seit dem Jahr 2000. Ihre Mitglieder treffen sich wöchentlich im Selbsthilfehaus am Krummbogen.
„Selbst von zwei lebensbedrohlichen Depressionen habe ich mich nicht klein kriegen lassen“, sagte Schulze. „Ich habe mein Leben wieder in die richtige Bahn gelenkt und die Selbsthilfegruppe hatte einen wesentlichen Anteil daran.“

* pm: Saskia Rößner

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