Desaströse Doppelmoral: Jens Spahn tritt zurück

Jens Spahn tritt zurück. Sein Amt als Fraktionsvorsitzender der Union im Deutschen Bundestag übernimmt vorerst sein Stellvertreter Alexander Hoffmann von der CSU.
Auslöser seines Rücktritts am Samstag (18. Juli) war die Doppelmoral des CDU-Fraktionsvorsitzenden: In der Vergangenheilt hatte sich Jens Spahn gegen die Möglichkeit einer Leihmutterschaft ausgesprochen. Doch hat er selbst gemeinsam mit seinem Ehemann ein Kind bekommen mit Hilfe einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), weil dieses Vorgehen in Deutschland verboten ist.
Damit hatte die CDU ein Glaubwürdigkeitsproblem: Anderen hatte Spahn eine Leihmutterschaft verwehrt, sich selbst jedoch über die rechtlichen Regelungen in Deutschland hinweggesetzt. Das war für Bundeskanzler Friedrich Merz wie auch ein Großteil der CDU doch zuviel. Die Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen wurden zunehmend lauter.
Traurig ist indes, dass nicht seine dubiosen Immobiliengeschäfte oder nicht weniger fragwürdige Maskendeals seinen Rücktritt ausgelöst haben und auch nicht seine Nähe zum rechtsreaktionären US-Multimilliardär Peter Thiel, sondern ausgerechnet die Kluft zwischen seinem privaten Verhalten und der öffentlichen Positionierung von Spahn und seiner Partei zur Leihmutterschaft. Politische Moral scheint bei der Union erst dort relevant zu werden, wo sie Sexualmoral oder Reproduktionsfragen berührt. Der Union wäre zu wünschen, dass Moral auch in wirtschaftlichen Fragen höher im Kurs stünde bei ihr.

* Franz-josef Hanke

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