Erneuerungsurkunden: Landkreis erneuerte Partnerschaften

Der Landkreis hat seine Partnerschaften erneuert. Ein Festakt im Landratsamt würdigte am Donnerstag (11. Juni) Zusammenarbeit mit dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und dem polnischen Landkreis Koscierzyna.
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat seine langjährigen Partnerschaften mit dem polnischen Landkreis Koscierzyna und dem Berliner Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf erneuert. Die entsprechenden Urkunden haben Landrat Jens Womelsdorf, Landrat Grzegorz Zabrocki und Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz bei einer Feierstunde am Donnerstag (11. Juni) im Marburger Landratsamt unterschrieben. Mit Koscierzyna verbindet der Kreis seit 25 Jahren eine Partnerschaft, mit Charlottenburg-Wilmersdorf bereits seit 35 Jahren.
Bei der Feierstunde wurde erneut deutlich: Die Partnerschaften sind mehr als formale Verbindungen: Sie bilden Brücken zwischen den Menschen, Kulturen sowie Ideen und machen es möglich, voneinander zu lernen. „Heute feiern wir nicht nur Jubiläen. Wir feiern Beziehungen, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Beziehungen zwischen Kommunen, zwischen Institutionen – vor allem aber zwischen den Menschen“, betonte Landrat Jens Womelsdorf.
Die Verbindung zwischen Marburg-Biedenkopf und Charlottenburg-Wilmersdorf reicht sogar weiter zurück als die eigentliche Partnerschaft. Nach dem Bau der Berliner Mauer übernahm der damalige Landkreis Marburg bereits 1962 die Patenschaft für Berlin-Charlottenburg – als Zeichen der Verbundenheit und der Anerkennung für unerschütterliche Haltung der Berliner Bevölkerung in einer schwierigen Zeit. Mit der deutschen Wiedervereinigung endete diese Patenschaft – doch die Verbindung sollte bleiben; und aus einer Patenschaft wurde eine Partnerschaft, die am 18. April 1991 offiziell besiegelt wurde.
Die Idee dahinter war ebenso einfach wie wichtig: In einem wiedervereinigten Deutschland und einem zusammenwachsenden Europa sollten Demokratie, Freiheit und Zusammenhalt nicht nur große Begriffe bleiben, sondern ganz konkret gelebt werden. „Zentrale Ziele der Partnerschaft waren und sind der Ausbau des kulturellen Austauschs, des Jugendaustauschs, der Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Verbänden sowie des Erfahrungsaustauschs zwischen den Verwaltungen“, sagte der Landrat. Besonders hervorzuheben sei hier die bereits seit den Anfängen der Partnerschaft stattfindenden Austauschfahrten für die Auszubildenden der Verwaltungen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Dieser Austausch ermögliche den zukünftigen Verwaltungskräften voneinander zu lernen und die unterschiedlichen Perspektiven einer Großstadt- beziehungsweise Landkreisverwaltung kennenzulernen.
„Dabei geht es nicht nur um Verwaltung“, betonte Womelsdorf. „Es geht um Verständnis, um neue Blickwinkel und manchmal auch um die Erkenntnis, dass die Herausforderungen gar nicht so unterschiedlich sind, wie man zunächst vielleicht denkt.“
Auch Stadträtin Schmitt-Schmelz hob die Bedeutung der Menschen hervor, die eine solche Partnerschaft mit Leben füllen. Man erlebe gemeinsam Erfolge, den Wert von Zusammenarbeit und schließe Freundschaften. Der regelmäßige Austausch von Auszubildenden sei dabei eines der bedeutendsten Projekte: „Junge Menschen können dabei lernen, dass Verwaltungen nicht nur Akten und Gesetze bedeuten, sondern Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern“, sagte sie.
Die Partnerschaft mit dem Landkreis Koscierzyna besteht seit dem 22. Oktober 2000. Bereits im vergangenen Jahr hat eine Delegation des Landkreises Marburg-Biedenkopf das 25-jährige Jubiläum in Koscierzyna vor Ort mitgefeiert. Eine große Rolle am Aufbau dieser Partnerschaft spielten die damaligen Landräte Robert Fischbach und Sbischek Stenzel. Sie waren auch bei der Feier zur Erneuerung der Partnerschaft mit dabei.
Die Liste der Zusammenarbeit zwischen beiden Landkreisen – ob Klimaschutzprojekte, Schüleraustausch und Praktika, Konzerte und Folkloreveranstaltungen, Austausch der Jugendfeuerwehren sowie die Zusammenarbeit der Feuerwehren, Bürgerbegegnungen, Konferenzen, Messen und Gedenkveranstaltungen – ist lang. „Wir sind stolz auf diese deutsch-polnische Partnerschaft, dankbar für das gemeinsam Erreichte und zuversichtlich, was die Zukunft betrifft“, betonte Landrat Womelsdorf. „Und ich wünsche mir und ich hoffe, dass gerade die Projekte mit jungen Menschen dabei weiterhin eine entscheidende Rolle spielen werden. Denn Partnerschaften wie diese sind heute wichtiger denn je. Gerade jetzt – in den herausfordernden Zeiten – schaffen sie echte Begegnungen, fördern das gegenseitige Verständnis und stärken den Zusammenhalt in Europa.“
Landrat Grzegorz Zabrocki erklärte: „Die Unterzeichnung der Urkunde zur Erneuerung unserer Partnerschaft ist Ausdruck unseres gemeinsamen Willens, diesen erfolgreichen Weg auch in Zukunft fortzusetzen. Sie steht für das Bekenntnis, weiterhin Erfahrungen auszutauschen, einander zu unterstützen und gemeinsame Initiativen zu verwirklichen, die unsere Regionen und ihre Menschen einander näherbringen.“
Die Übersetzung ins Deutsche übernahm die gebürtige Polin Aga Sauerwald, die in Marburg-Biedenkopf lebt und sich ebenfalls seit Jahrzehnten für die Partnerschaft einsetzt. Sie ist als auch als Partnerschaftsbeauftragte für den Landkreis Marburg-Biedenkopf tätig. „In dieser Funktion trägt sie mit ihrem außerordentlichen Engagement seit Jahren maßgeblich dazu bei, dass die Partnerschaft mit dem Landkreis Koscierzyna als die aktivste und vielseitigste Partnerschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf angesehen werden kann“, lobte Landrat Womelsdorf ihr Engagement.
Ein besonderer Dank gelte auch dem Partnerschaftsverein Cölbe-Koscierzyna: Er halte die Verbindung durch seine Arbeit seit mehr als 25 Jahren auf allen Ebenen lebendig. Auch das Engagement von Hartmut Reiße hob Womelsdorf hervor, der sich ebenfalls große Verdienste um die Partnerschaft erworben habe. Als Leiter der damaligen Stabsstelle Regionalentwicklung und späterer Geschäftsführer der Tourismus GmbH Marburg-Biedenkopf war er federführend für die Organisation der Partnerschaftsaustausche zuständig und hat die Partnerschaft mit viel Engagement begleitet.
Zabrocki und Schmitt-Schmelz überreichte Landrat Womelsdorf zum feierlichen Abschluss dann noch die Ehrenmedaille des Landkreises Marburg-Biedenkopf –
das erste Mal überhaupt wurde diese hohe Auszeichnung damit über die Kreisgrenzen hinaus verliehen. Die Ehrenmedaille verleiht der Kreisausschuss an Kommunen, die ein besonderes Jubiläum feiern, aber auch an Kommunen, die sich durch herausragende Leistungen dargestellt haben. Der polnische Akkordeon-Spieler Pawel Nowak begleitete die Veranstaltung musikalisch und trug damit ebenfalls zu einem würdigen Rahmen der Feier bei.

* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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