Mitschwingen: Schlossbegegnungen im Juni zu Resonanzen

Die Veranstaltungsreihe „Schlossbegegnungen“ widmet sich im Juni dem Thema „Resonanzen“. Sie beleuchtet das Phänomen „Mitschwingen“ im konkreten wie übertragenen Sinn.
Wo etwas in Bewegung gerät, kann anderes mitschwingen: Das verstärkt, vertieft, verwandelt. In der Physik reagiert ein System auf die passende Frequenz: Brücken, die schwanken, Glas, das zerspringt, oder Atome in der Quantenphysik, die auf bestimmte Frequenzen resonant reagieren. Resonanz zeigt: Systeme reagieren aufeinander.
In der Musik wird Resonanz hörbar: Bei Saiteninstrumenten bringt eine schwingende Saite den Resonanzkörper zum Klingen. Obertöne bereichern den Klang.
Auch zwischen Menschen entsteht Resonanz. Worte, Blicke, Ideen können Echo erzeugen, Gemeinschaft stiften oder verhallen. Die Veranstaltungen der Reihe „Schlossbegegnungen“ erkunden Resonanzen in Physik, Musik und Gesellschaft; sie laden dazu ein, hinzuhören: Wo geraten wir ins Mitschwingen? Was verstärken wir – und was bringen wir selbst zum Klingen?
Bei einer Podiumsdiskussion im Fürstensaal geht es am Dienstag (2. Juni) im neuen Format „Entschlossen für Demokratie – Wo Geschichte auf Zukunft trifft“ um die Resonanz in unserer Gesellschaft. Nach einem Input-Vortrag der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Isabelle Borucki, zu deren Schwerpunkten Parteienforschung und politische Kommunikation gehören, diskutieren Mitglieder der DFG-Forschungsgruppe „Kontroverse Diskurse“ über die Schnittstelle Sprache und Politik und deren Entwicklung in der deutschen Sprachgeschichte als Diskursgeschichte seit 1990. Die Mitdiskutand*innen –
Swantje Köhler von der Universität Trier, Lesley-Ann Kern von der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Marcus Müller von der TU Darmstadt und Prof. Dr. Constanze Spieß von der Philipps-Universität Marburg – forschen zu verschiedenen Themenfeldern.
Dadurch ergibt sich eine vollständige – empirisch abgesicherte –
Gesamtdarstellung. Moderiert wird das Gespräch von der Marburger Sprechwissenschaftlerin Prof. Dr. Kati Hannken-Illjes. Der Eintritt ist frei.
Um „Resonanzen“ aus dem Pflanzenreich – ein bisschen wie im Film „Silent Friend“ – geht es beim Workshop des Düsseldorfer Komponisten Christian Banasik: Natur, Technologie und Kunst werden kreativ miteinander verbunden. Ein einleitender Kurzvortrag gewährt Einblicke in die Geschichte dieser Kompositionstechnik und beleuchtet kulturelle sowie technologische Voraussetzungen. Eigene Topfpflanzen können mitgebracht werden.
Diese Pflanzen verwandeln die Teilnehmenden mit Hilfe spezieller Interfaces, einer Digital Audio Workstation und virtuellen Synthesizern in kleine Klanglandschaften. Der Workshop „Resonances of Leaves“ findet am Sonntag (7. Juni) um 18 Uhr im Format „Resonanzräume – Besondere Orte, besondere Klänge“ statt. Der Eintritt folgt dem Prinzip „Pay what you want“.
Speziell um Resonanzen von Saiten geht es beim 1. Musikfestival im Landgrafenschloss: „Saiten und Sphären“ heißt das dreitägige Event von Freitag (12. Juni) bis Sonntag (14. Juni) mit drei Konzerten und Rahmenprogramm. Es wird von den „Marburger Schlosskonzerten“ organisiert.
Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Michael Braun von der Universität Kiel hält einen Vortrag über den Komponisten Béla Bartók und dessen Bezüge zu J. S. Bach. Im nachfolgenden Konzert spielt der Ausnahmemusiker Sergey Malov Werke von Bach und Bartók auf der Violine und auf dem Violoncello da Spalla, einem Instrument, das aus der Barockzeit stammt und für das Bach wohl seine berühmten Cellosuiten ursprünglich komponiert hatte. Die fünf Saiten der Viola pomposa, wie sie auch genannt wird, erzeugen einen besonders weichen, warmen, schlanken, aber dennoch cellotypischen Ton.
Das international zusammengesetzte Oberon Trio feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einem Programm, das Shakespeare verpflichtet ist: Charlotte Brays Komposition „Those Secret Eyes“ ist von den weiblichen Charakteren von „Macbeth“ inspiriert, „That Crazed Smile“ von „Ein Sommernachtstraum“. Weitere Werke auf dem Programm stammen aus der Feder von Mendelssohn und Franz Schubert. Als Einstimmung findet eine Lesung der Schauspielerin Mechthild Grabner aus „Ein Sommernachtstraum“ eine Stunde vor Konzertbeginn statt.
Den krönenden Abschluss des Festivals bildet das Konzert der weltberühmten Bratschistin Tabea Zimmermann, die von Thomas Hoppe am Klavier begleitet wird. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Johann Nepomuk Hummel, Johannes Brahms und Max Reger. Weitere Infos dazu finden Interessierte unter marburger-schlosskonzerte.de/konzerte/2026-06-12-14.
ei einer Schlossführung am Samstag (20. Juni) mit dem Schwerpunkt „Resonanzen“ klärt der Marburg-Kenner Wilhelm Stehling im Landgrafenschloss über Zusammenhänge zwischen Geschichte, Schlossarchitektur und Musik im Schloss auf. Die Anmeldung ist möglich unter schlossbegegnungen@uni-marburg.de. Der Eintritt kostet 8 oder ermäßigt 5 Euro.
Weitere kostenfreie Veranstaltungen im Juni sind das Kinderprogramm „Schlosszauber: Glasmusik – mit Wasser und Glas Schwingungen und Stimmungen erzeugen“ am Sonntag (7. Juni) und am Samstag (30. Juni) „Aufgetischt – Auf einen Kaffee mit. Prof. Dr. Nadine Leisgang“. Die PhysikProfessorin spricht zum Thema „Resonanz in der Quantenphysik“ und zu vielem mehr – eine Gesprächsrunde.
Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Vorträgen mit und ohne Filmanteil, einem Workshop für ganz verschiedene Zielgruppen sowie einem Simultanspiel gegen 16 Kandidat*innen, die sich schon jetzt über schlossbegegnungen@uni-marburg.de anmelden können, kommt die Uni mit der Stadtgesellschaft über das wohl internationalste und inklusivste Spiel der Welt ins Gespräch: das Schach.
Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet die Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben. Das geschieht anschaulich, dialogisch und überraschend vielseitig. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog.
Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-, Veranstaltungs- und Bildungsort. Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben. Eine Programmvorschau ist abrufbar unter www.uni-marburg.de/schlossbegegnungen.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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