Gut 600 Menschen haben am Dienstag (5. Mai) in Marburg gegen geplante Kürzungen im Sozialsystem demonstriert. Vom Hauptbahnhof aus zogen sie am Nachmittag zum Erwin-Piscator-Haus (EPH).
Anlass der Demonstration unter dem Motto „Sparpolitik behindert – Radikal sozial für Inklusion und gute Arbeit“ war der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Aufgerufen hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“. Angeschlossen haben sich dann die Lebenshilfe und der Verein zur Förderung der Inklusion behinderter Menschen (fib) sowie zahlreiche weitere Sozialträger und Vereine.
„Wieder hören wir, wir seien zu teuer“, beklagte Naxina Wienstroer vom FIB. Doch Teilhabeassistenz oder Schulbegleitung seien kein Luxus – ohne diese Hilfe könne sie selbst nicht an der Demonstration teilnehmen. „Weg mit den Fingern von Kürzungen in der Eingliederungshilfe“, forderte die Rollstuhlfahrerin.
Jessica Becker-Boffo vom Werkstattrat beim Lebenshilfewerk sprach auf der Zwischenkundgebung auf dem Firmaneiplatz. „Kein Rabatt auf meine Rechte“, forderte sie. Statt Geld an Behinderten einzusparen, solle der Staat die Steuerkriminalität konsequent verfolgen und das Geld dort holen, wo es nicht dringend für soziale Zwecke benötigt wird.
Bei der Abschlusskundgebung vor dem Erwin-Piscator-Haus forderten Wienstroer und Bernd Gökeler vom Marburger Netzwerk für Teilhabe und Beratung die Parteien auf, ihre Parteizentralen barrierefrei zu gestalten. An vielen dieser Häuser bemängelten sie die fehlende Zugänglichkeit für Rollstühle sowie fehlende Beschriftung in der tastbaren Brailleschrift.
„Demokratie funktioniert nur unbehindert“, erklärte Gökeler. Er wie auch weitere Rednerinnen und Redner verwiesen auf den Grundgesetzartikel 3, der in seinem Absatz 3 die Benachteiligung behinderter Menschen verbietet. „Teilhabe ist ein Menschenrecht“, resümiert dazu eine aktuelle Petition der Lebenshilfe gegen Einsparungen an Behinderten.