Die angekündigte BioNTech-Werksschließung hält Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies für falsch. Attraktivität und Stärken des Standorts bleiben dennoch.
Scharf hat Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies die angekündigte Schließung des BioNTech-Standorts in Marburg kritisiert. „Wir halten diese Entscheidung für falsch und haben kein Verständnis für den Umgang mit den Beschäftigten, die diesem Unternehmen am Standort mit der Produktion des Covid-Impfstoffs horrende Gewinne beschert haben“, erklärte Spies am Mittwoch (6. Mai). „Es gibt auch eine Verantwortung gegenüber der Region und der Öffentlichkeit insgesamt.“
Das gelte umso mehr, als das Unternehmen mit hunderten Millionen Fördermitteln aufgebaut wurde und in der Corona-Krise Milliardengewinne aus Steuermitteln gemacht hat. „Die einzige Phase, in der das Unternehmen Gewinne gemacht hat, wurde letztlich aus Steuergeldern finanziert.“ So schmerzhaft die Entscheidung sei, so klar sei auch: „Die Attraktivität und die fundamentalen Stärken des Standorts bleiben. Unsere Region bietet auch weiterhin exzellente Rahmenbedingungen für zukunftsfähige Unternehmen. Wir setzen unsere Stärken – von hochqualifizierten Fachkräften bis zur wissenschaftlichen Expertise – nun umso gezielter ein, um neue Chancen zu schaffen.“
Spies betonte auch die große Flexibilität am Standort Marburg. So habe die Stadt beim schnellen Aufbau der Impfstoffproduktion „alles an Unterstützung geboten, was möglich war“. Die BioNTech-Gründer hatten damals selbst betont: Während der Aufbau am Standort Mainz mindestens neun Monate gedauert hätte, sei in Marburg alles ganz schnell gegangen. Das Gründerehepaar erhielt unter anderem auch die Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität Marburg.
„Wir bedanken uns bei den bisherigen Standortleitungen vor Ort für die hervorragende Zusammenarbeit“, sagte Oberbürgermeister Spies. „Gemeinsam haben wir in einer globalen Krise Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die schnellstmögliche Produktion des Covid-Impfstoffs zu ermöglichen. Wir bedanken uns vor allem auch bei den Beschäftigten, die mit ihrer Leistung gerade am Standort Marburg den Erfolg des Unternehmens und die sehr hohen Gewinne ermöglicht haben.“
Die Stadt Marburg und Ihre Partner werden ihre laufenden Anstrengungen noch einmal intensivieren, um am Pharma & Life Science Standort in Marburg neue zukunftsfähige Arbeitsplätze anzusiedeln. Dazu arbeiten die Stadt Marburg, das Land Hessen, die Philipps-Universität, die WI-Bank, der Standortbetreiber Innexis, die Unternehmensleitungen und die Betriebsräte, die Arbeitsagentur und andere Akteure eng zusammen. Spies hat noch am Dienstag (5. Mai) zahlreiche persönliche Gespräche über die neue Lage am Standort geführt.
Unter anderem sprach der Oberbürgermeister mit dem hessischen Ministerpräsidenten, dem Wirtschaftsminister, dem Wissenschaftsminister sowie den Leitungen der WI-Bank und der Hessenagentur. Dabei waren sich alle einig: Der Pharma- und Life Science-Standort Marburg bietet erstklassige Bedingungen für Produktion und Forschung. Spies forderte BioNTech auf, „nunmehr umgehend auf die bestehende Reservierung für die Grundstücks-Fläche Görzhausen III verbindlich zu verzichten, um die Entwicklungsmöglichkeiten am Standort nicht zu behindern“.
* pm: Stadt Marburg