Daniela Comani präsentiert „Orlando’s Library“. Die Installation der Künstlerin ist ab Montag (27. April) in der Universitätsbibliothek zu sehen.
Mit „Orlando’s Library“ verwandelt die Künstlerin Daniela Comani einen Gruppenarbeitsraum in der Zentralbibliothek der Philipps-Universität Marburg in ein begehbares Bücherregal, das den Kanon der Weltliteratur aus ungewohnter Perspektive sichtbar macht. Auf raumgreifenden Tapeten, die Bücherregale zeigen, versammeln sich vertraute Klassiker – etwa von Fedor Dostojewski, Miguel de Cervantes und Gustave Flaubert bis zu Ernest Hemingway, Antoine de Saint-Exupéry oder Robert Musil. Doch wer kann für sich behaupten, „Die Schwestern Karamasow“, „Doña Quixote“ oder „La petite princesse“ wirklich schon gelesen zu haben?
Ausstellungsstart ist am Montag (27. April) um 16 Uhr mit einem Vortrag von Daniela Comani und einer Einführung von Dr. Kathrin Heinz. Für ihre Installation werden die Titel kanonischer Werke von der Künstlerin minimal, dennoch entscheidend verändert. Erstmalig in einer tatsächlichen Bibliothek, formen Tapetenbahnen eine Art Trompe-l’oil-Bibliothek und erwecken den Eindruck, frau/man bewege sich zwischen echten, dicht bestückten Regalen. Besucher*innen der Bibliothek werden damit zugleich zu Besuchenden und Nutzenden eines Raums.
Die Installation lädt dazu ein, gewohnte Lektüren und die scheinbare Selbstverständlichkeit des literarischen Kanons zu hinterfragen: Wer kommt als Protagonist*in vor, wessen Geschichten werden erzählt, und welche Stimmen fehlen bis heute in den Regalen?
Vor dem Hintergrund eines noch immer von männlichen Autoren dominierten Kanons rückt die in Anspielung auf Virginia Woolfs berühmten Roman genannte „Orlando’s Library“ Geschlechterverhältnisse in der Literaturgeschichte ins Zentrum. Dass diese Auseinandersetzung ausgerechnet in einer Universitätsbibliothek stattfindet, ist kein Zufall. Die Zentralbibliothek als Ort des Lernens, des Forschens und des öffentlichen Austauschs wird mit Comanis Installation selbst zum Schauplatz einer kritischen Lektüre von Geschlecht, Kanon und Wissensordnung. Zwischen Lernplätzen, Gruppenraum und Bücherreihen öffnet sich ein Raum, in dem Studierende, Lehrende und Besucher*innen buchstäblich mitten in den Bildern einer anderen Literaturgeschichte stehen.
Die Ausstellung „Orlando’s Library“ ist eine ortsspezifische Installation von Daniela Comani in der Universitätsbibliothek Marburg als Kooperation des Kunstgeschichtlichen Instituts mit der Universitätsbibliothek und dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender der Universität Bremen. Gezeigt wird die Ausstellung von Montag (27. April) bis Freitag (17. Juli) in der Universitätsbibliothek der Philipps-Universität in Marburg an der Deutschhausstraße. Zu besuchen ist sie täglich zwischen 8 und 24 Uhr.
* pm: Philipps-Universität Marburg