Mach´s gut, Tegut: Fuldaer Supermarktkette macht dicht

Migros hat gut 150 der knapp 350 Tegut-Filialen an Edeka verkauft. Weitere Supermarktfilialen sollen an Rewe gehen.
Der „Deal“ muss noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden, bevor er umgesetzt werden darf. Bis zum Jahresende möchte Migros alle Filialen in Deutschland verkauft haben oder schließen. Der Name „Tegut“ soll dann der Vergangenheit angehören.
Migros hatte die Fuldaer Supermarktkette 2013 übernommen. Zuletzt betrieb Tegut in Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Thüringen sowie Rheinland-Pfalz knapp 350 Lebensmittelmärkte. Hinzu kamen 39 „Theos“-Automatenläden, die allerdings inzwischen aus dem Tegut-Verbund ausgegliedert wurden.
Gegründet hatte der körperbehinderte Theodor Gutberlet das Unternehmen im Jahr 1947 in Fulda. Vor Allem sein Sohn Wolfgang Gutberlet hat Tegut groß gemacht. Als erste Supermarktkette in Deutschland akzeptierte er Kartenzahlung. Als erste Supermarktkette in Deutschland nahm er Bioprodukte ins Sortiment auf.
Andere Handelsketten machten es ihm nach, sodass Tegut sich seiner Vorreiterrolle nie lange erfreuen konnte. Im Wettbewerb mit Discountern wie Aldi und Lidl sowie großen Filialisten wie Edeka und Rewe sah sich die Familie Gutberlet 2011 gezwungen, die schweizerische Handelskette Migros mit ins Boot zu holen. 2013 übernahm Migros die Fuldaer Supermarktkette schließlich komplett.
In Marburg betreibt Tegut derzeit Lebensmittelmärkte in Cappel und Wehrda sowie in der „Marburg Mall“ an der Universitätsstraße und in der Ketzerbach. Insbesondere das Geschäft in der Ketzerbach ist für das dortige „Biotop“ von herausragender Bedeutung. Zahlreiche blinde und sehbehinderte Kundinnen und Kunden haben hier seit Jahrzehnten die – in Marburg inzwischen weit verbreitete – Praxis der „Einkaufshilfe“ etabliertund dem Laden zu einer Spitzenposition bei Quadratmeterumsätzen verholfen.
Nun zittern nun nicht nur die Beschäftigten der Tegut-Supermärkte um ihre Zukunft, sondern auch deren Kundschaft. Eine Ausdünnung der sozialen Infrastruktur ist neueren Studien zufolge eine der größten Gefahren für die Demokratie. Darum ist die Politik gefordert, sich für einen Erhalt der Filialstruktur vor Ort einzusetzen.

* Franz-Josef Hanke

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