Gleiche Geburtschancen: Neugeborenen-Lotsendienst am Klinikum eingerichtet

Ein „Neugeborenen-Lotsendienst“ hat am Marburger Universitätsklinikum seine Arbeit aufgenommen. Die Lotsinnen bieten Unterstützung für junge Familien.
Ein neuartiges Angebot der frühen Hilfen zur Unterstützung junger Familien am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) hat in Marburg-Biedenkopf die Arbeit aufgenommen. Das ist der „Neugeborenen-Lotsendienst“ (NeLoDi). Das Ziel dieses Projekts ist, werdende Eltern und Familien mit Neugeborenen frühzeitig zu erreichen und ihnen in der neuen Lebenssituationen passgenaue Hilfe anzubieten.
Projektpartner sind der Landkreis Marburg-Biedenkopf, die Universitätsstadt Marburg, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) in Marburg sowie das hessische Familienministerium. Durch die enge Zusammenarbeit von Gesundheitswesen sowie Kinder- und Jugendhilfe soll der Übergang zu weiteren vorbeugenden Hilfsangeboten erleichtert und so frühzeitiger Kinderschutz gewährleistet werden. Die zunehmenden Belastungen junger Familien – wie etwa fehlende Sozial- oder Familienstrukturen, finanzielle Notlagen, besondere Schwierigkeiten in der Alleinerziehung, Zuwanderungserfahrungen und andere Herausforderungen – sind wahrnehmbar.
Nicht alle Familien verfügen über ausreichende Ressourcen, diese Belastungen zu kompensieren und somit am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Hilfen in Form von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, die möglichst frühzeitig –
zum Beispiel schon während einer Schwangerschaft – greifen, können hier gegensteuern. Jedoch finden nicht alle Familien eigenständig den Weg zu den entlastenden Hilfsangeboten. Das gilt insbesondere für Familien, die sich in ausgeprägten Belastungssituationen befinden.
„Genau hier möchten wir eine Schnittstelle etablieren“, erklärte Landrat Jens Womelsdorf am Donnerstag (19. Februar) bei der Vorstellung des Projekts am Marburger Klinikum. „Der NeLoDi ist ein wegweisendes Projekt, das sehr früh ansetzt, um junge Familien in ihrer ersten Lebensphase zu begleiten und zu entlasten.“ Durch die Anbindung an das UKGM könne eine Lücke in der Präventionskette geschlossen und viele Familien mit Babys erreicht werden.
„Wir möchten den Familien nicht nur medizinische Versorgung bieten, sondern auch psychosoziale Unterstützung und Hilfsangebote aufzeigen, damit sie gut in das Familienleben starten können“, ergänzte Bürgermeistern Nadine Bernshausen. „Der Neugeborenen-Lotsendienst dient also der Prävention und der Gesundheitsförderung von jungen Familien und neugeborenen Kindern im Sinne eines vorbeugenden Kinderschutzes.“
Auch der leitende Arzt Dr. Siegmund Köhler von der Geburtshilfe am UKGM in Marburg betonte die Bedeutung des Projekts: „Der Neugeborenen-Lotsen Dienst schafft eine notwendige Brücke zwischen der medizinischen Betreuung unter der Geburt in der Klinik und den sozialen Angeboten und familiären Strukturen im Alltag danach. Man möchte glauben, dass in unserer multimedialen Welt der Übergang von einer Partnerschaft in eine Familie gut organisierbar ist. Aber das Gegenteil ist der Fall. Viele Mütter, Väter, Eltern sind nach der Geburt, in der neuen Situation alleingelassen und überfordert.“
Der Neugeborenen Lotsen Dienst könne durch seine Vermittlerrolle zwischen Bedürfnissen der Eltern und Angebote aus Stadt und Landkreis Sicherheit schaffen. „Er trägt wesentlich zur Verbesserung der Frauen- und Neugeborenen-Gesundheit bei“, machte Köhler deutlich. „Wir freuen uns sehr am UKGM Marburg diesen Dienst jetzt anbieten zu können.“
auch Katherine Grabolle vom hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege erklärte: „Wir tun gemeinsam etwas Gutes – für Eltern, für Kinder, für Familien. Und wir tun es sichtbar.“
Der Neugeborenen-Lotsendienst wird von den beiden Lotsinnen Monika Ellenberger und Claudia Plociennik umgesetzt. Die pädagogischen Fachkräfte werden entweder schon vor der Geburt des Kindes oder direkt danach noch in der Klinik mit den Eltern Kontakt aufnehmen, um deren psychosoziale Bedürfnisse zu erkennen und sie an die passenden Unterstützungsangebote weiterzuvermitteln. Diese Angebote umfassen unter anderem Beratungsstellen, Projekte wie „Steps“ und „Menschenskind“, Austausch- und Vernetzungsangebote für die Familien sowie Frühförderstellen und weitere Netzwerkpartner aus den Bereichen Frühe Hilfen und Kinderschutz.
Diese Angebote sind niedrigschwellig und reichen von Gruppentreffen bis zu langfristiger Unterstützung. Die Lotsinnen freuen sich, mit ihrer Arbeit einen Beitrag zum präventiven Kinderschutz und zur Stärkung der Familien zu leisten: „Es ist uns ein Anliegen, Familien in einer besonders sensiblen Phase ihres Lebens nicht allein zu lassen.“
Das Projekt, das von der Universitätsstadt Marburg, vom Landkreis Marburg-Biedenkopf und vom Land Hessen gefördert wird, stellt ein niedrigschwelliges, freiwilliges und kostenfreies Angebot dar. Die Lotsinnen arbeiten dabei eng mit den bestehenden Netzwerken der Frühen Hilfen zusammen und können auf ein breites Spektrum an lokalen Unterstützungsangeboten zurückgreifen.
Die Lotsinnen stehen in engem Austausch mit den Netzwerkkoordinierenden der Frühen Hilfen und sind aktive Mitglieder im Netzwerk Frühe Hilfen. „Dadurch wird die Zusammenarbeit in diesem Netzwerk weiter gestärkt und ausgebaut“, betonten Bürgermeisterin Bernshausen und Landrat Womelsdorf. „So können wir sicherstellen, dass Familien eine möglichst individuelle und passgenaue Unterstützung erhalten.“

* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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