Sichtbar machen: Hilfe für Kinder kranker Eltern

Den Bedarf von Kindern psychisch erkrankter Eltern möchte die Stadt Marburg sichtbar machen. Dazu gibt es am 25. Februar und 5. März eine Themenfläche in der Stadtbücherei.
Mit der Unterstützung von Kindern psychisch erkrankter Eltern nimmt sich die Stadt Marburg einer wichtigen – aber oft übersehenen – Herausforderung an. Mit der Veröffentlichung eines umfassenden Berichts zur Bedarfserhebung rückt sie das Thema in den Fokus und lädt zum Austausch in die Stadtbücherei ein. „Als Universitätsstadt ist unser Anspruch klar: Jedes betroffene Kind soll gesehen und gehört werden“, erklärte Bürgermeisterin Nadine Bernshausen. „Hilfe muss früh, verständlich und erreichbar sein.“
Schätzungen zufolge sind in Marburg zwischen 2.700 und 3.600 minderjährige Kinder von psychischen Erkrankungen ihrer Eltern betroffen. Diese Kinder gehören zu einer besonders verwundbaren Gruppe, die ein erhöhtes Risiko für eigene psychische Belastungen und Entwicklungsrisiken trägt. Zugleich mangelt es oft an der notwendigen Transparenz und Zugänglichkeit von Hilfsangeboten.
„In Marburg gibt es viele Angebote – aber nicht alle Familien finden sie“, führte Bernshausen aus. „Betroffene Familien sollen wissen: Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Es gibt Hilfe und sie ist greifbar.“
An dieser Stelle setzt der Bericht „Bedarfsanalyse zur Erreichbarkeit von Hilfsangeboten für Kinder psychisch erkrankter Eltern in Marburg“ an. Um der Situation entgegenzuwirken, hat die Stadt Marburg diese systematische, kommunale Bedarfserhebung vorgenommen. Der – nun vorliegende – Bericht analysiert die tatsächliche Erreichbarkeit bestehender Angebote, identifiziert Informationswege und zeigt bestehende Lücken auf.
Das Ziel ist, die kommunale Steuerung zu unterstützen und die Hilfslandschaft bedarfsgerechter zu gestalten. „Im Bericht werden alltagsnahe, niedrigschwellige Angebote aufgezeigt, „so dass Hilfe auf dem kürzesten Weg bei den Betroffenen ankommt“, betonte die Bürgermeisterin. Die Stadt Marburg veröffentlicht den Bericht und stellt die zentralen Ergebnisse allen Interessierten kompakt, verständlich und praxisnah vor. Eine entsprechende Themenfläche wird
am Mittwoch (25. Februar) zwischen 10 und 14 Uhr sowie am Donnerstag (5. März) zwischen 16 und 18 Uhr in der Stadtbücherei aufgebaut.
Der Zeitpunkt orientiert sich an der bundesweiten „COA-Aktionswoche“. Diese Abkürzung steht für „Children of Alcoholics/Addicts“. Übersetzt heißt das „Kinder von Alkohol-Erkrankten und Süchtigen). Diese Aktionswoche macht jedes Jahr im Februar auf Kinder aus suchtbelasteten Familien aufmerksam.
Suchterkrankungen sind eine Form psychischer Erkrankungen und unter dem Motto „Wirwerdensichtbar“ soll der Blick auf konkrete Unterstützungsmöglichkeiten gelenkt werden. Dabei gibt es die Möglichkeit zum Austausch und für Gespräche mit Silvia Kemmerling von der Fachstelle Kinder psychisch erkrankter Eltern, die im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Universitätsstadt Marburg angesiedelt ist.
Die Netzwerkkoordinatorin arbeitet an der Schnittstelle von Kinderschutz, Frühen Hilfen, Kinder- und Jugendhilfe sowie Gesundheitswesen und nimmt eine koordinierende und spezialisierte Funktion für die Zielgruppe ein. Neben Materialien und Hinweisen für schnellere Orientierung und Zugang zu Hilfen wird eine Neuanschaffung der Stadtbücherei vorgestellt: Ab dem 25. Februar steht eine neue Reihe psychologischer Kinderbücher zur Ansicht und zum Ausleihen bereit. Mehr als 40 Neuanschaffungen sind es, die sich nicht nur mit dem Thema psychisch erkrankte Eltern auseinandersetzen. Auch Themen wie Kindeswohl und Gewalterfahrungen, streitende Eltern, Mobbing, Verlust, Traumata, Introvertiertheit, Neurodiversität, Adipositas, ADHS und spezielle Erkrankungen werden aufgegriffen.
Der überwiegende Teil der Bücher ist in Zusammenarbeit mit Expert*innen und Psycholog*innen entstanden und beinhaltet kindgerechte Bilderbuchgeschichten zum jeweiligen Thema, die im Alltagserleben betroffener Kinder ab sechs beziehungsweise acht Jahren verankert ist. Daneben gibt es noch einen Infoteil für Erwachsene. Es sind aber auch reine Bilderbücher dabei, die ein Thema anhand einer Geschichte beleuchten. Nach dem 6. März werden die Bücher in den normalen Bestand integriert.
„Die Themenfläche in der Stadtbücherei Marburg lädt Familien, Fachkräfte und alle weiteren Interessierten zum Hinschauen, Verstehen und Weiterdenken ein“, sagte Stadträtin Kirsten Dinnebier. „Wir freuen uns, in der Stadtbücherei über dieses wichtige Thema zu informieren.“

* pm: Stadt Marburg

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