Zwei Premieren feiert das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) im Januar 2026. Die erste Premiere im neuen Jahr findet am Samstag (17. Januar) um 20 Uhr im Café Vetter in der Oberstadt statt.
Dabei handelt es sich um die Uraufführung von „Care-Oke – Melodien der Zuwendung“. Musik kann alles. Sie kann „uns aufbauen, verängstigen, die Stimmung retten oder in den Abgrund stürzen. Über Musik können wir uns zerstreiten, aber auch zusammenfinden.“
Was die Eine in jeder Faser des Körpers spürt, würde der Nächste direkt aus der Playlist schmeißen. Eines ist aber immer klar: Sie ist ein Teil von uns. Doch wie steht es um die, die nur der Musik des eigenen Herzens lauschen und sich in ihrer Einsamkeit eingegroovt haben?
Fünf einsame Gestalten landen in einem Café. Eine Mutter, verstoßen von der Familie, ihr verbitterter Sohn, dessen Welt in Internetforen stattfindet, eine Prinzessin, die alles verloren hat, eine Dragqueen, die nach dem Scheinwerferlicht sucht und ein Geist, der nicht mehr weiß, wer er zu Lebzeiten gewesen ist. Sie alle singen ihre Lieder des Herz- und Weltschmerzes. Die Stimmen nehmen in Songs wie ,Conny Kramer‘ und ,Allein Allein‘ durch die Texte von Herbert Grönemeyer, Moby bis K.I.Z. unterschiedlichste Formen an.
So beschreibt das HLTM seinen neuen Liederabend „für alle Menschen ab 14 Jahren, die durch Musik große Emotionen fühlen oder sich von ihnen berühren lassen wollen“. Regie führt dabei Nathalie (Nudel) Glasow. Sie wurde im südhessischen Bensheim geboren und ist seit der Spielzeit 2019/2020 am HLTM als Regieassistenz, Inspizienz und seit 2023 auch als Regie tätig.
Sie interessiert sich für alternative Erzählformen, und nimmt ihre Inspiration unter anderem aus Videospielen, Animes und Cartoons. Auf ihr Gesellenstück „Let´s Play Monkey Island“ am HLTM folgten ein Liederabend in Kooperation mit Studierenden der HFMDK im Café Vetter und WELCHE FRARBE HAT EIN KUSS?, sowie die Inszenierung von „Die Biene im Kopf“ am Theater Überzwerg in Saarbrücken. Für den Liederabend CARE-OKE entwickelte sie auf Grundlage musikalischer und popkultureller Einflüsse sowohl Konzept als auch Text des Stückes.
„Fischer Fritz“ ist die zweite Premiere im Januar 2026. Sie findet am Samstag (24. Januar) um 19.30 Uhr im Großen Tasch des Theaters am Schwanhof statt. Bereits um 19 Uhr beginnt die Einführung.
Sein Leben lang fischte Fritz Fische. Dann aber erleidet Fischer Fritz einen Schlaganfall. Sein Sohn Franz wohnt entfernt in der Großstadt, hat der ländlichen, abgeschiedenen Gegend seiner Jugend den Rücken gekehrt und betreibt zwei Friseurläden. Sich dabei noch um den Vater zu kümmern, erscheint unmöglich.
Und so reist Piotra an, eine Live-in-Pflegekraft aus Polen. In Fischer Fritz‘ Haus im Nirgendwo leben die beiden von nun an miteinander. Es entsteht eine erzwungene Gemeinschaft, geprägt von vorsichtiger Annäherung und dem tiefsitzenden Gefühl, trotz Zusammensein allein zu sein. Piotra findet Halt in einem Chat mit Borys, dem Busfahrer, der sie aus Polen nach Deutschland gebracht hat, während Fritz immer mehr von Erinnerungen an ein Leben, in dem ihm noch alles möglich war, eingenommen wird.
Autorin Raphaela Bardutzky wirft mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Stück einen sprachlich virtuosen und spielerischen Blick auf das Thema Pflege und Care-Arbeit und befragt dabei den gesellschaftlichen Umgang mit Alter und den oft schwierigen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, denen Pflegekräfte aus dem Ausland unterworfen sind. „Fischer Fritz“ wird in Marburg in einer ukrainisch-deutschen Version gezeigt, die gemeinsam mit einer Gruppe hessisch sprechender Menschen am HLTM so übersetzt wurde. Das Stück richtet sich an alle Menschen ab 14 Jahren, die Worte finden wollen, um gesellschaftliche Missstände zu benennen. Nachdem Regisseurin Angelika Zacek am HLTM mit großem Erfolg bereits die beliebten Stücke DIE GUTEN und PRIMA FACIE inszenierte, kehrt sie in der Spielzeit 2025/2026 mit „Fische r Fritzan das Hessische Landestheater in Marburg zurück.
* pm: Hessisches Landestheater Marburg