Geistig überbrücken: 300 Demonstrierende beim Weltfrauentag

Über 300 Menschen haben anlässlich des Weltfrauentages demonstriert. Vom Hauptbahnhof zogen sie am Mittwoch (8. März) zum Erwin-Piscator-Haus (EPH).

Aufgerufen hatten das Frauenbüro des Landkreis Marburg-Biedenkopf, das Gleichberechtigungsreferat der Stadt und die Frauenbeauftragte der Philipps-Universität mit einem breiten Bündnis von Initiativen. Zahlreiche Frauen und Männer trafen sich auf dem Bahnhofsvorplatz, bevor der Frauen-Kammerchor Marburg die Teilnehmenden mit dem Lied „The March of the Women“ auf die Kundgebung einstimmte.
Die Leiterin des Frauenbüros vom Kreis Claudia Schäfer freute sich zusammen mit der Moderatorin Marianne Wölk von ver.di Bezirk Mittelhessen über die Größe und Vielfalt des Bündnisses. Dr. Nina Schumacher, Frauenbeauftrage der Philipps-Universität und Dr. Christine Armend-Wegmann, Leiterin des Gleichstellungsreferates der Stadt, lobten die gelungene organisatorische Fortführung der Zusammenarbeit zum Internationalen Frauentag.
Schäfer, Amend-Wegmann und Schumacher verlasen zu Beginn die gemeinsame Erklärung, die die Forderungen der Teilnehmenden zusammenfasste. „Auf dem Papier sind alle Menschen in Deutschland gleichberechtigt, gleichgültig welchen Geschlechtes“, erklärte Schäfer.
Die Wirklichkeit sähe aber auch „nach hundert Jahren Frauenwahlrecht in Deutschland für sehr viele Frauen ganz anders aus“. Zahlreiche Formen der Diskriminierung und Ausschlüsse seien Alltag. „Auch Institutionen und die Sprache unserer Gesellschaft sind davon betroffen“, erläuterte Schäfer.
„Frauen haben immer noch erhebliche Nachteile“, führte Amend-Wegmann aus. „Mit einem Blick in ihren Geldbeutel merken sie es. Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich immer noch über 21 Prozent weniger als Männer.“
Wer weniger verdient, erhält auch weniger Rente. „Altersarmut ist oft weiblich“, kritisierte Amend-Wegmann.
Ebenfalls kritisiert wurde die immer noch unzureichende Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Vor allem alleinerziehende Frauen spüren das besonders deutlich und leben mit ihren Kindern in unserem reichen Land sehr oft an der Armutsgrenze“, so Dr. Amend-Wegmann.
„Frauen wollen von ihrer Arbeit gut leben können und eigenständig abgesichert sein“, ergänzte Schäfer. Das gilt auch wenn sie beispielsweise in der Pflege, im Einzelhandel oder als Hebamme arbeiten. „Sie wollen gleichberechtigt in Führungspositionen, Vorstandsetagen und politischen Ämtern vertreten sein.“
Auch gegen „Gewalt gegen Frauen“ wurde demonstriert. Jede dritte Frau habe bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt, erklärt Schumacher. Frauen wollen sich zu Hause und im öffentlichen Raum angstfrei bewegen und ein selbstbestimmtes Leben ohne jegliche Diskriminierung und Gewalt führen.
„Gewalt gegen Frauen darf nicht geduldet werden. Nicht gegen die eigene Ehefrau, nicht gegen Kolleginnen, nicht gegen geflüchtete Frauen und auch nicht gegen Frauen in der Prostitution. Es darf keine Ausnahmen geben“, so die Organisatorinnen. Gender Studies seien weder Ideologie noch Steuerverschwendung, „sondern angesichts fortbestehender Ungleichheiten und Probleme im Geschlechterverhältnis bitter nötig“, erklärte Schumacher.
Auf die besondere Situation von geflüchteten Frauen ging die Vorsitzende des Marburger Ausländerbeirats Goharik Gareyan ein. Insbesondere das Schicksal von Frauen, die nur mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen sind, müsse Beachtung finden. „Es erfordert großen Mut, sein Land zu verlassen“, betonte sie, insbesondere, wenn die Sprache in der neuen Heimat unbekannt sei.
Umso wichtiger sei die Unterstützung hier. Marburg und seine Bürgerinnen und Bürger lebten eine besondere Willkommenskultur.
Nach der Abschlusskundgebung vor dem Erwin-Piscator-Haus fand im Anschluss das Internationale Frauenfest im Kulturladen KFZ statt.
„Es freut uns sehr, dass sowohl die Demo als auch das Fest so gut angenommen worden sind“, so Schäfer.

* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf

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