Digitale Diagnose: Symposium zu Lungengesundheit dank KI-Analyse

Neue Wege zur besseren Lungengesundheit zeigte ein Symposium der Philipps-Universität am 3. und 4. Juli auf. Im Mittelpunkt standen dabei personalisierte Medizin und KI-gestützte Therapien für COPD und anderen Lungenkrankheiten.
Können Lungenkrankheiten mittels künstlicher Intelligenz früh erkannt werden? Welche Rolle spielen die Gene? Und sind Darmbakterien von Bedeutung für die Lunge? Diese und andere aktuelle Forschungsfragen wurden am Donnerstag (3. Juli) und Freitag (4. Juli) auf einem wissenschaftlichen Symposium in Marburg von Nachwuchswissenschaftler*innen aus ganz Deutschland diskutiert. Das Treffen wurde von den Marburger Lungenforschern Prof. Dr. Claus Vogelmeier und Prof. Dr. Bernd Schmeck als Leiter der Forschungsplattform „Personalisierte Medizin der COPD“ (PerMed-COPD) organisiert und sollte Chancen auf Heilung oder mildere Krankheitsverläufe durch bessere Behandlungsmethoden von Lungenkrankheiten aufzeigen.
„PerMed-COPD“ ist eine von vier – vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), dem früheren BMBF – finanzierten integrierten Forschungsplattformen zur Implementierung personalisierter –
auf die einzelnen Erkrankten individuell zugeschnittene – Behandlungsansätze in der klinischen Praxis. Für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die dritthäufigste Todesursache der Welt, gibt es bisher keine Chancen auf Heilung. Sie entwickelt sich schleichend und wird gekennzeichnet durch eine dauerhafte Schädigung der Lunge, Verengung und Entzündung der Atemwege, wodurch insbesondere die Ausatmung deutlich erschwert wird und sich chronische Bronchitis mit Husten und starkem Auswurf entwickelt. Hauptursache ist das langjährige Einatmen schädlicher Partikel etwa durch Rauchen. Somit stellt sie sowohl für die Betroffenen und ihre Angehörigen als auch für die Gesellschaft eine hohe Belastung dar.
Ziel von „PerMed-COPD“ ist, die Wirksamkeit eines durch künstliche Intelligenz unterstützten klinischen Entscheidungshilfesystems (CDSS) zu untersuchen. Dieses CDSS soll die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowohl bei der Diagnose dieser oft von anderen Erkrankungen begleiteten und maskierten Krankheit als auch bei der Wahl der jeweils passenden Behandlungsmethode unterstützen. Dafür arbeitet ein wissenschaftliches Team aus Kliniken, molekularer Grundlagenforschung, der Gesundheitsökonomie mit Unterstützung von Patientenvertretungen und einem mittelständischen Unternehmen zusammen.
Die Studie wird nun in Marburg, München und anderen Standorten durchgeführt. Die Vorträge des Symposiums zeigten auf, wie vielfältig die Forschungsthemen sind, mit denen sich im Zusammenhang mit Lungenerkrankungen beschäftigt wird. Molekulare Forschungsansätze zeigen auf vielfältige Weise die Bedeutung des Mikrobioms der Lunge für die Gesunderhaltung und somit auch für die Schwere der Krankheitsverläufe.
Insbesondere Rauchen hat, wie eine Vielzahl der Vorträge zeigte, einen großen Einfluss auf das Mikrobiom. Die positive Wirkung der Entwöhnung wurde mehr als deutlich. Aber die Anfälligkeit für Lungenerkrankungen manifestiert sich schon sehr früh. eine genetische Veranlagung für COPD lässt sich durch Untersuchungen des Genoms vorhersagen. Bereits während der Schwangerschaft und im frühkindlichen Stadium beeinflusst das Verhalten der Mutter – wie zum Beispiel Rauchen, Drogenkonsum, Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel –
und auch Erkrankungen des Kleinkinds, wie schnell seine Lunge altert und somit wie empfindlich wir für Lungenerkrankungen sind. Die Bedeutung von Wetter- und Umweltveränderungen auf die Lungengesundheit zeigte sich in Daten, die im Rahmen des Marburg-Fuldaer LOEWE-Forschungsschwerpunkts „Habitat“ zu Klima und Gesundheit und dem Forschungsverbunds CALM-QE gewonnen wurden.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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