Abgetaucht: 16 Täuflinge bei Tauffest an und in der Lahn

16 Taufen am Fluss, strahlenden Sonnenschein und ganz viel Segen hatte das Tauffest der Marburger Stadtgemeinden am Sonntag (29. Juni) zu bieten. Ort war das Ufercafé Gischler an der Lahn.
„Gott sagt Ja zu Dir, noch lange bevor Du etwas können oder machen oder leisten müsstest.“ Das ist eine zentrale Botschaft der Taufe. Dabei ist egal, ob jemand zwei Monate alt oder schon erwachsen ist.
Am letzten Wochenende im Juni konnten sich Menschen an einem ganz besonderen Ort taufen lassen. Getauft wurde an der Lahn. auf der Lahn und in der Lahn. Die Marburger Stadtgemeinden hatten zum Tauffest eingeladen. 16 Täuflinge und ihre Familien kamen und erlebten einen wunderbaren Sonntag mit ganz viel Segen.
Kurz vor 10 Uhr am Sonntagmorgen saßen Familien zusammen im Ufercafé. Auf dem Steg in der Lahn fand ein Soundcheck statt und die Band am Ufer probt „Fix you“ von Coldplay. Das war wohl nicht gerade die klassische Vorbereitung auf einen Gottesdienst? Aber genau der fand in diesem besonderen Ambiente statt.
Doch das war nicht irgendein Gottesdienst, sondern ein Tauffest. Die Marburger Innenstadtgemeinden hatten zum dritten Mal eingeladen. 16 Täuflingen konnten sie den Segen Gottes mit auf ihren Weg geben.
Während die acht Monate alte Ylvie kurz vor Beginn des Gottesdienstes tiefenentspannt in ihrem Kinderwagen schlief, war der große Bruder Bruno mit seinen drei Jahren schon ein bisschen aufgeregt. Für die beiden ging es in die „Elisabeth II“ zur Taufe direkt auf dem Wasser. Auch die zehnjährige Henriette hatte sich die Zeremonie auf dem Boot gewünscht.
Parallel dazu fanden auch Taufen auf dem Steg statt. Gleich der erste Täufling war auch der Jüngste: Linus war gerade einmal zwei Monate alt.
Dass die Taufe ein Aufbruch ist und jeder Täufling willkommen mit all seinen Hoffnungen und auch mit all seinen Brüchen, hatten Prädikant Christian Graß von UND Marburg und Pfarrerin Elke Kirchhoff-Müller aus Ockershausen zur Eröffnung des Gottesdienstes erklärt. Insgesamt sechs Pfarrerinnen und Pfarrer waren an diesem Morgen im Einsatz. Ralf Hartmann von der Elisabethkirche und Katja Simon machten sich mit Hilfe der beiden Handpuppen „Malte“ und „Luzie“ Gedanken kindgerecht Gedanken zum Thema. Taufwasser für fünf Euro? Das geht doch nicht – die Taufe ist schließlich ein Geschenk.
Ein Gottesdienst wie dieser ist aber auch ein Geschenk an die Gemeinde sowie die Pfarrerinnen und Pfarrer. “ „Momente wie diese mit den Familien zu erleben, ist immer etwas ganz Besonderes“, sagte Joachim Simon von der Universitätskirche. „Wenn dann noch so ein toller Rahmen hinzukommt, gibt es dem ganzen eine zusätzliche Dimension.“
Simon und Hartmann sind sich einig: „Das Ufercafé mit Blick auf die Weidenhäuser Brücke ist in Marburg der schönste Ort für ein Tauffest.“ Mit diesem „Fest nicht hinter Kirchenmauern, sondern im öffentlichen Raum ist Kirche dann auch noch einmal ganz anders sichtbarmitten in der Stadt“, ergänzte Oliver Henke von der Kirchengemeinde am Richtsberg.
16 Täuflinge zwischen zwei Monaten und 43 Jahren, ein Dutzend Zeremonien, eingebettet in einen Gottesdienst. Und eine Taufe an der Lahn wäre keine echte Taufe an der Lahn, wenn es nicht auch eine Taufe IN der Lahn gegeben hätte: Theo und Jannik, sieben und 30 Jahre alt, ließen sich ganz archaisch untertauchen – unter dem Jubel der Familien und der Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes. Jannik hat lange überlegt, ob er sich taufen lassen soll. Das Angebot des Tauffestes hat dann den Ausschlag gegeben, erzählt er im Gespräch mit Christian Graß.
16 Taufen am Fluss, zwei davon überaus archaisch IM Fluss, strahlender Sonnenschein und ganz viel Segen – das hatte das Tauffest der Marburger Stadtgemeinden am vergangenen Wochenende zu bieten.
„Ähnlich wie beim Konzept der „Pop-Up-Trauung“ sollen mit den Tauffesten Menschen möglichst niedrigschwellig angesprochen werden – und damit eben auch Menschen erreicht werden, die über einen eher „klassischen“ Rahmen vielleicht nicht so einfach in Kontakt mit der Kirche kommen“, sagten die Organisatoren. „Das haben wir auch als Rückmeldung von vielen bekommen, dass sie es genossen haben, wie unkompliziert und unverkrampft das Tauffest war“, berichtete Christian Graß.
Der Gottesdienst wurde musikalisch gestaltet von der ESG-Band um Mike Bodenstein und vom Küsterteam der Universitätskirche mit organisiert. Roman Gischler vom Ufercafé unterstützte das Fest mit seinem Team. Verzehrgutscheine für die Familien gehören mit zum Paket.
Martin Luther hat einmal versucht, das Geheimnis der Taufe in einem einzigen Satz zu beschreiben: „Wenn ich die Taufe halte im Namen des Vater, des Sohnes und des Heiligen Geistes, dann ist´s plötzlich kein gewöhnliches Wasser mehr, mit dem ich taufe, sondern der ganze Himmel ist dabei.“ Das darf dann auch mal an einem ungewöhnlichen Ort gefeiert werden.

* pm: Evangelischer Kirchenkreis Marburg

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