Für 24 Jahre: Langzeitprojekt zu römischer Steinarchitektur

Die Philipps-Universität arbeitet mit an einem Langzeit-Projekt zu römischer Steinarchitektur. Das Forschungsvorhaben wurde für die nächsten 24 Jahre bewilligt.
An der Philipps-Universität ist eine der Arbeitsstellen des neu bewilligten Akademie-Langzeitvorhabens „disiecta membra“ (versprengte Glieder) zu römischer Steinarchitektur und Städtewesen in Deutschland. Das Vorhaben ist auf 24 Jahre angelegt. Ausgestattet ist es mit einem jährlichen Fördervolumen von rund 395.000 Euro.
Die Arbeitsstellen haben ihren Sitz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt am Main und der Philipps-Universität in Marburg. Die Leitung des Projekts liegt bei Prof. Dr. Johannes Lipps in Mainz, Dr. Kerstin P. Hofmann in Frankfurt und Prof. Dr. Aline Deicke in Marburg.
Die römische Steinarchitektur stellt einen einmaligen Schatz des kulturellen Erbes dar, der frühe Formen des urbanen Lebens in Deutschland bezeugt. Die römischen Städte und Bauten prägten vielerorts als Ruinen bis ins Hochmittelalter die Landschaft und waren daher stärker als andere antike Hinterlassenschaften im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Die Bauten wurden kontinuierlich umgenutzt oder auch als Steinbruch für neue anstehende Bauaufgaben verwendet beispielsweise beirichtung neuer Stadtmauern.
Die neuzeitlichen Schleifungen jener hochmittelalterlichen Stadtmauern wiederum führten zu einer Wiederentdeckung der antiken Architekturglieder. Diese und andere Überreste machen den Großteil der römischen Steinarchitektur in Deutschland aus, die bisher mehrheitlich noch nicht dokumentiert und ausgewertet wurden.
Bei dem Vorhaben sollen rund 25.000 Bauglieder und 5.000 Baubefunde in einer dynamischen und vernetzten digitalen Edition erschlossen werden: Die erarbeiteten Daten werden in engem Austausch mit NFDI4Objects und NFDI4Culture modelliert, erfasst und frei zugänglich, verlink- und nachnutzbar gemacht. Unter anderem geschieht das in der iDAI.world und in .
So liefern sie einen niedrigschwelligen Zugang zu Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland, die aufgrund ihrer Bedeutung für heutige Vorstellungen von Urbanität von übergeordnetem Interesse sind. Für die Architektur- und Sozialgeschichte, für die Bau- und Stadtforschung, für die Provenienz-und Netzwerkforschung wird weit verstreutes Quellenmaterial, ganz im Sinne des Titels „disiecta membra“ digital zusammengeführt und erschlossen.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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