Momente für Ornamente: Elisaveta Braslavskaja stellt bei Sotheby’s Frankfurt aus

Kunstwerk

Kunstwerk von Elizaveta

Natur ist ein wichtiger Bestandteil der Kunst von Elisaveta Braslavskaja. Ihre Werke stellt die gebürtige Marburgerin seit Anfang Oktober in den Räumlichkeiten von Sotheby’s Frankfurt aus.
„Ich bin eingeladen worden“, berichtet die Studentin der Städelschule. In der Ausstellung mit Immanuel Birkert unter dem Titel „Braided Water“ präsentiert sie bis Freitag (11. Dezember) ihre Siebdrucke auf handgeschöpftem Papier, auf die Ornamente aufgestickt sind. Sie zeigen sowohl selbstgeschaffene Abbildungen der Akanthuspflanze, als auch altpersische Details aus Miniaturmalereien.
Zwei großformatige Siebdrucke sind schwarz gedruckt, die anderen vierfarbig. In ihren Werken spielt Braslavskaja mit der tropischen bis subtropischen Pflanze, die Kunstschaffenden häufig als Grundlage für Ornamente dient. „Eine Dynamik entsteht indem die Abbildung der echten Pflanze mit dem idealisierten Ornament, der Stickerei, kollidieren.“
Ihre Werke sollen vor allem die Betrachtenden fragen, was der Wert und die Bedeutung von Schmuck und Zierde für einen persönlich ist. „Ornamente ordnen sich in ihrem Sein den Gegenständen (Fassaden, Textilien.), welche sie schmücken, unter“, erläutert die Künstlerin. „In meinen Arbeiten stehen sie allerdings eigenständig dar und sprechen für sich selbst.“
Dank eines Stipendiums der Studienstiftung des Deutschen Volkes kann sie sich noch relativ stressfrei ausprobieren. „Was später wird, weiß ich jetzt noch nicht“, erklärt sie.
Geboren wurde Braslavskaja 1997 in Marburg. Am Gymnasium Philippinum hat sie ihr Abitur abgelegt. Bei einem Praktikum beim Marburger Kunstverein gewann sie bereits als Schülerin erste Einblicke in den Kulturbetrieb.
„Zu Marburg fallen mir als erstes die vielen Felder ein und die Spaziergänge“, erinnert sich Braslavskaja. „Meinen Kunstlehrer möchte ich an dieser Stelle noch gerne erwähnen“, sagt sie. Er und Ursula Strozynski haben sie „in Marburg herzlich und konstant in meinem künstlerischen Schaffen unterstützt“.
Strozynski lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin. Immanuel Birkert wurde 1989 in Frankfurt geboren. Seine und Braslavskajas Arbeiten stehen im Mittelpunkt der zweiten Ausgabe der Ausstellungsreihe „Sotheby’s Artist Quarterly“ im Frankfurter Westend.
Unter dem Titel „Braided Water“ verbinden sich beide künstlerische Positionen erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung. In ihren Arbeiten steht die Natur im Fokus sowie insbesondere das flussmorphologische Phänomen des verflochtenen Wassers. „Elisaveta Braslavskajas Siebdruckarbeiten und die Keramiken von Immanuel Birkert eröffnen einen spannenden Dialog über Natur und Mensch, der den Besucher zum Nachdenken einlädt“, erklärte Senior Director Nina Buhne von Sotheby’s Frankfurt.
Als künstlerisches Vorbild nennt Braslavskaja die französische Bildhauerin Louise Bourgeois. „Ihre Werke haben etwas Intimes“, erläutert sie. „So etwas schaffen längst nicht alle.“
Wichtig ist ihr, sich auszudrücken und dabei immer neue Erfahrungen zu sammeln. „Das Leben ist eine ständige Auseinandersetzung mit neuen Erfahrungen“, erläutert sie. „Diese Eindrücke möchte ich mit anderen Menschen teilen.“
Ihr nächstes Projekt ist der Rundgang durch die Ateliers an der Hochschule zum Semesterende. Geplant ist er für Februar.
Die Besichtigung der Ateliers ist für alle eine große Chance. Dabei können sie sich untereinander austauschen sowie auch Anregungen und Kritik einholen. Zudem nehmen auch Galeristen und Kuratoren an dieser Veranstaltung teil.
Die Corona-Pandemie hat Braslavskaja im Frühjahr durchaus aus dem Konzept gebracht. „Ich musste mich darauf einstellen und zuhause arbeiten“, berichtet sie. „Das war eine wichtige Erfahrung, aber mein Atelier an der Hochschule habe ich schon sehr vermisst.“
Auch wenn Braslavskaja seit Jahren schon in Frankfurt lebt hat sie nach wie vor enge Bindungen zu Marburg. „In Marburg habe ich noch einige Freunde“, erklärt sie. Außerdem mag sie ihre Geburtsstadt mit ihrem besonderen Flair.
„Ein Besuch in Marburg versetzt mich immer in meine Zeit dort zurück, weshalb ich zwar gerne Marburg besuche jedoch nicht oft“, erklärt sie. „manchmal bringt es mich sogar aus dem Konzept, doch meistens freue ich mich auf all die Ecken mit all den schönen Erinnerungen.“

* Franz-Josef Hanke

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