Flüchtlinge in Äthiopien: Mulugeta Haiybano referierte im Weltladen

Im zweitärmsten Land Afrikas leben rund 900.000 Flüchtlinge. Über seine Arbeit als Flüchtlingskoordinator der Jesuiten für Äthiopien sprach Mulugeta Haiybano am Mittwoch (26. September) im Weltladen.
Schon der Prophet Mohammed habe 80 Gefolgsleute nach Äthiopien geschickt, wo sie Schutz vor Verfolgung erhielten. „Auf diese jahrhundertealte Tradition sind wir stolz“, erklärte der Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdiensts in Äthiopien (JRS). Geflüchtete als Gäste willkommen zu heißen, sei für Äthiopien aber auch eine folgerichtige Antwort auf das Exil vieler Äthiopier nach der Absetzung des Kaisers Haile Selassie im Jahr 1974.
Die meisten Flüchtlinge in Äthiopien kommen aus Nachbarländern wie Eritrea, dem Sudan, Südsudan und Somalia, aber auch aus dem Jemen und sogar aus Afghanistan. Einige leben bereits seit 20 Jahren im Land. Bislang dürfen nur wenige die großen Flüchtlingslager verlassen.
Haiybano zeigte Fotos aus solchen Lagern, wo seine Organisation sich vor allem um Bildungsprogramme kümmert. Zwischen 30.000 und bis zu 47.000 Menschen leben in solchen Lagern in der Wüste unweit der Grenze zu ihrem Herkunftsland. Untergebracht sind sie in Bambushütten mit Wellblechdach.
Jede dieser Hütten wird von einer Familie bewohnt. Hat ein Paar geheiratet, kann es nach der Eheschließung bei der Regierung eine eigene Hütte beantragen. Tagsüber wird es in den zwei Räumen der Hütten unerträglich heiß, während sie nachts kaum Schutz vor Kälte bieten.
Schlimmer als die klimatischen Bedingungen sei aber die Perspektivlosigkeit vieler Flüchtlinge in den Lagern. Vor allem junge Männer zögen es angesichts fehlender Chancen auf Arbeit und Bildung vor, sich entweder den islamistischen Terrorgruppen im benachbarten Somalia anzuschließen oder sich auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen. Sie seien aber nur der allerkleinste Teil derjenigen, die den Weg über das Mittelmeer wirklich schaffen und in Europa ankommen.
„Es ist schon ein gutes Zeichen, wenn jemand zu uns in die Schule kommt“, erklärte Haiybano. Neben klassischer Schulbildung und Alphabetisierungskursen bietet der JRS auch Berufsausbildungen beispielsweise zum Klempner, Computerkurse, Mal-, Musik- und Theaterworkshops sowie Sport an. „Das betrachten wir als therapeutische Hilfe“, begründete Haiybano diese Angebote.
Wichtig sei aber vor allem persönliche Zuwendung. „Die meisten Menschen brauchen nicht in erster Linie mein Geld, sondern mich“, betonte der katholische Flüchtlingshelfer. Ohnehin seien die Möglichkeiten des Jesuitenordens leider sehr begrenzt.

* pm: Polizei Marburg

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