Drei Premieren hat das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) für November angekündigt. Kinder und Erwachsene kommen dabei auf ihre Kosten.
Die Premiere von Bernard-Marie Koltès „In der Einsamkeit der Baumwollfelder“ feiert das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) am Samstag (14. November um 19.30 Uhr im Großen TaSch im Theater am Schwanhof. Die Einführung beginnt um 19 Uhr. Im Anschluss findet eine öffentliche Premierenfreier statt.
Wer ist von wem abhängig? Ein Kunde und ein Dealer treffen inmitten der Baumwollfelder aufeinander. Beide umkreisen sich, tasten sich ab. Es soll ein Handel getätigt werden, jedoch weiß keiner der Beiden, was gekauft oder verkauft werden soll.
Das einsame Verhandeln beider Seiten ist ein Balanceakt, von Doppelbödigkeiten durchdrungen, und pendelt beständig zwischen Gewalttätigkeit und Sanftmut, Brüderlichkeit und Wettbewerb, Verführung und Drohung. Das Verhandeln rückt in den Hintergrund, und stattdessen entsteht ein verbales Machtausloten. Im Zentrum stehen die Begehren und Ängste der Kontrahenten, und wer von beiden eigentlich die Kontrolle hat.
Bernard-Marie Koltès nutzt das geheimnisvolle Treffen der Fremden als eine Metapher für das menschliche Miteinander: es ist ein ständiges Abwägen zwischen der Angst vor dem Unbekannten und der Sehnsucht nach Nähe. Das Stück bedient sich der Metapher des Marktes und des verbotenen Geschäfts, um zu zeigen, wie Menschen miteinander umgehen.
Nach dem großen Erfolg von „Zwei Herren von Real Madrid“ und ENGEL IN AMERIKA kehrt Joachim Gottfried Goller ein drittes Mal zurück nach Marburg, und nimmt sich für das HLTM dieses literarischen Meisterwerkes an. Ihre Inszenierung ist ein tiefgründiger Theaterabend für alle Menschen ab 15 Jahre, die die Art des Umgangs der Menschen miteinander – unabhängig von Gesellschaftsformen und staatlichen Systemen – erleben möchten und Liebhaber*innen poetisch-rhetorischer Fähigkeiten sind. Aus dem Französischen übersetzt wurde der Text von Simon Werle. Regie führt Joachim Gottfried Goller.
Am Sonntag (22. November) verwandelt das HLTM um 15 Uhr das Erwin-Piscator-Haus (EPH) in das zauberhafte Land Oz. Dann feiert das HLTM die Premiere des diesjährigen Familienstücks „Der Zauberer von Oz“ nach Lyman Frank Baum. Im Anschluss findet eine öffentliche Premierenfeier statt.
Dorothy lebt bei Tante Em und Onkel Henry in Kansas, wo das Land karg und grau und die Tage langweilig sind. Ihr Wunsch nach einem bunten und abwechslungsreichen Leben erfüllt sich schnell, als ein gewaltiger Wirbelsturm das Haus mitsamt Dorothy in das magische und farbenfrohe Land Oz trägt. Dort beginnt eine abenteuerliche Reise.
Dorothy trifft die gute Hexe des Südens, Glinda, die ihr rät, den Zauberer von Oz in der Smaragdstadt um Hilfe für den Heimweg nach Kansas zu bitten, während sie sich vor der bösen Hexe des Westens in Acht nehmen muss, die es auf ihre roten Schuhe abgesehen hat. Auf ihrem Weg begegnet Dorothy drei besonderen Freunden: Das sind ein Strohmann, der glaubt, er brauche mehr Verstand, ein Blechmann, der sich nach einem Herzen sehnt, und ein Löwen, der sich für feige hält und Mut sucht. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zum Zauberer und merken dabei, dass sie das, was sie suchen, längst in sich tragen.
Für alle Menschen ab 6 Jahre, die an die Kraft von Freundschaft, Mut und Märchen glauben, inszeniert Intendantin und Regisseurin Carola Unser-Leichtweiß – basierend auf dem weltberühmten Kinderbuch-Klassiker von Lyman Frank Baum aus dem Jahr 1900 – diese zeitlose Geschichte über Mut und Zusammenhalt mit viel Humor und Fantasie. Auch die wunderbare Musik von Kathrin Ost und Gregor Sonnenberg, die mit ihren Klängen schon in „Der kleine Lord“ verzauberten, sind wieder dabei.Schließlich feiert das HLTM am Samstag (28. November) um 19.30 Uhr im Mini TaSch die Premiere des Monologs „Die Katze Eleonore“ von Caren Jeß. Die Einführung beginnt um 19 Uhr, und im Anschluss findet eine öffentliche Premierenfreier statt.
Saskia Boden-Dilling schlüpft in die Rolle der Immobilienmaklerin Eleonore Garazzo, die eines Tages feststellt, dass sie eigentlich eine Katze ist. Dieser Gedanke – nein, dieses tiefe Gefühl – der Gewissheit überkommt sie, als sie ein solches tierisches Exemplar eines Tages durch ihr Fenster beobachtet. Finanziell abgesichert und alleinstehend entschließt sie, ihrem bisherigen Leben den Rücken zu kehren und von nun an Katze zu sein. Sie lässt sich ein Katzenfell schneidern und beginnt, ihr menschliches Verhalten sukzessive abzulegen.
Die Außenwelt reagiert irritiert, der Psychologe Dr. Wildbruch, mit dem Eleonore immer wieder Gespräche über ihre selbstgewählte Transformation führt, ist fasziniert. Während Eleonores Sinne und ihr Denken immer katzenhafter werden, ihr Leben sich zwischen Fellpflege, Milch schlecken und andere Kleintiere jagen entfaltet, verändert sich auch zunehmend ihre Wahrnehmung der Welt. Eleonore ist Katze – Katze ist Eleonore.
Eleonores Abkehr und Verwandlung in ein Tier ist ein radikaler Rückzugsakt aus dem gesellschaftlichen Zusammenleben, eine Absage an Regeln und Normen und ein individueller Befreiungsschlag. Aber was bedeutet es, wenn der Mensch sich der gesellschaftlichen Teilnahme entzieht, was wird dadurch aufgegeben, was gewonnen? Und ist ein solcher Schritt überhaupt denkbar?
Das Stück richtet sich an alle Menschen ab 14 Jahre, die sich mit Eleonore gemeinsam auf die Suche danach begeben wollen, was es heißt, Katze zu sein und die sich darüber den drängenden Fragen gesellschaftlichen Zusammenlebens stellen wollen.
Seit August 2024 ist Regisseurin Tjana Thiessenhusen als freiberufliche Regisseurin an diversen Theatern und Bühnen tätig. Unter anderem war sie beim Landestheater Coburg, am Theater Ulm, beim Berliner Ensemble und weiteren. DIE „Katze Eleonore“ ist ihre erste Arbeit in Marburg.
* pm: Hessisches Landestheater Marburg