Ausgezeichnete Auszeichnung: Erste Bruno Eckhardt Lecture von SYNMIKRO

Die erste „Bruno Eckhardt Lecture“ würdigt die Mikrobiologin Regine Hengge. SYNMIKRO zeichnet die Berliner Wissenschaftlerin für ihre wegweisenden Forschungsarbeiten und ihr Engagement für junge Forschende aus.
Mit der – erstmals vergebenen – „Bruno Eckhardt Lecture“ hat das Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) der Philipps-Universität Marburg die international renommierte Mikrobiologin und Leibniz-Preisträgerin Prof. Dr. Regine Hengge ausgezeichnet. Die Wissenschaftlerin hielt den Festvortrag am Mittwoch (21. Oktober) im Rahmen der jährlichen SYNMIKRO-Tagung in Marburg. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Erhard Bremer. Der emeritierte Professor der Philipps-Universität ist Mitglied von SYNMIKRO.
Mit der neuen Auszeichnung erinnert das Forschungszentrum an den 2019 verstorbenen Physiker Prof. Dr. Bruno Eckhardt, der die Entwicklung von SYNMIKRO maßgeblich mitgestaltet und sich in besonderer Weise für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingesetzt hat. „Mit der Bruno Eckhardt Lecture möchten wir zwei Anliegen miteinander verbinden, die Bruno Eckhardt besonders am Herzen lagen: wissenschaftliche Neugier und Exzellenz sowie die Förderung der nächsten Generation von Forschenden“, erklärte die geschäftsführende SYNMIKRO-Direktorin Prof. Dr. Anke Becker. „Regine Hengge verkörpert diese Verbindung in herausragender Weise. Sie hat unser Verständnis bakterieller Regulationsprozesse grundlegend erweitert und zugleich über Jahrzehnte ein wissenschaftliches Umfeld geschaffen, in dem junge Menschen eigene Ideen entwickeln und erfolgreich ihren Weg in der Forschung gehen konnten. Wir freuen uns sehr, sie als erste Preisträgerin auszuzeichnen.“
Hengge zählt zu den international führenden Mikrobiologinnen. Die langjährige Professorin der Humboldt-Universität zu Berlin hat mit ihren Arbeiten maßgeblich zum Verständnis beigetragen, wie Bakterien auf Umweltveränderungen reagieren, Stress bewältigen und ihr Zusammenleben in Gemeinschaften steuern. Besonders ihre wegweisenden Forschungen zur Anpassung an die komplexen genetischen und physiologischen Bedingungen in der stationären Phase mikrobieller Kulturen, die Entdeckung und Charakterisierung des global-agierenden Transkriptions-Faktors RpoS und die Studien zum bakteriellen Signalmolekül c-di-GMP, das unter anderem die Bildung von Biofilmen reguliert, haben die moderne Mikrobiologie nachhaltig geprägt. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde sie unter anderem mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und einem ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der Leopoldina, der European Molecular Biology Organization (EMBO) und wurde in die europäische und die amerikanische Akademie der Mikrobiologie gewählt.
Ebenso prägend ist ihr Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zahlreiche ehemalige Mitarbeitende ihrer Arbeitsgruppe haben heute führende Positionen in der internationalen Forschung inne. Als Initiatorin und langjährige Sprecherin des DFG-Schwerpunktprogramms „Nucleotide Second Messenger Signaling in Bacteria“ (SPP 1879) schuf sie zudem ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk, das insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Raum für eigenständige Forschung und wissenschaftliche Zusammenarbeit eröffnete.
„Regine Hengge hat nicht nur zentrale Fragen der modernen Mikrobiologie beantwortet, sondern auch neue Forschungsrichtungen eröffnet“, betonte Prof. Dr. Erhard Bremer, der die Laudatio auf die Preisträgerin hielt. „Mindestens ebenso beeindruckend ist, wie nachhaltig sie junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert und ihnen den Weg zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Karriere geebnet hat. Diese Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und außergewöhnlichem Engagement für den Nachwuchs macht sie zur idealen ersten Trägerin der Bruno Eckhardt Lecture.“
Namensgeber der Auszeichnung ist der Physiker Prof. Dr. Bruno Eckhardt (1960-2019), der seit 1996 an der Philipps-Universität Marburg forschte und lehrte. Er beschäftigte sich insbesondere mit nichtlinearer Dynamik, Turbulenzübergängen und der Bewegung von Atomen in äußeren Feldern. Darüber hinaus übertrug er theoretische und mathematische Methoden auf Fragestellungen biologischer Systeme und trug damit zur interdisziplinären Forschung bei.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde Eckhardt 2002 mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Er gehörte zu den Gründern von SYNMIKRO und war von 2010 bis 2016 geschäftsführender Direktor des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie. Neben seinen Forschungsleistungen war Eckhardt ein engagierter Hochschullehrer und Förderer des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Von 2007 bis 2009 setzte er sich als Studiendekan für die Belange der Studierenden ein. Für seine Lehre erhielt er den Patricia-Pahamy-Preis. Seine Doktorandinnen, Doktoranden und Postdocs schätzten insbesondere seine außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, seine Offenheit und die Freiheit, die er ihnen bei der Entwicklung eigener wissenschaftlicher Ideen gewährte.
„Bruno Eckhardt war ein Wissenschaftler, der über Fachgrenzen hinausdachte und jungen Talenten den Freiraum gab, eigene Ideen zu verfolgen“, erinnerte sich Prof. Dr. Gert Bange. Der Vizepräsident für Forschung der Philipps-Universität Marburg ist ebenfalls Mitglied von SYNMIKRO. „Mit Regine Hengge ehren wir eine Forscherin, die genau diese Haltung verkörpert: wissenschaftliche Exzellenz, Offenheit und die besondere Fähigkeit, junge Menschen für die Forschung zu begeistern und auf ihrem eigenen Weg zu unterstützen. Sie ist eine wunderbare erste Preisträgerin.“Neue Auszeichnung mit besonderem Anspruch
Mit der „Bruno Eckhardt Lecture“ schafft SYNMIKRO ein neues Format, das herausragende wissenschaftliche Beiträge zur synthetischen Biologie und Mikrobiologie mit nachhaltigem Engagement für die Förderung junger Forschender verbindet. Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch ein vom SYNMIKRO-Direktorium berufenes wissenschaftliches Gremium. Die Auszeichnung soll künftig im Rahmen wissenschaftlicher Veranstaltungen von SYNMIKRO vergeben werden. Die Geehrten stellen in einem Festvortrag ihre Forschung und ihren Beitrag zur Entwicklung der wissenschaftlichen Gemeinschaft vor. Mit der ersten „Bruno Eckhardt Lecture“ setzt SYNMIKRO ein Zeichen für eine Wissenschaftskultur, in der exzellente Forschung und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses untrennbar miteinander verbunden sind.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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