Die „Schlossbegegnungen“ stehen im November unter dem Motto „Aufbruch“. Sie behandeln neuanfänge durch das Aufbrechen alter Muster.
Die Gründung der Marburger Universität durch Philipp den Großmütigen war ein Aufbruch in eine neue Epoche. Die Philipps-Universität beleuchtet bei den „Schlossbegegnungen“ das Phänomen „Aufbruch“ etwas allgemeiner, auch in dem Sinne, dass alte Muster aufgebrochen werden, dass neue Sphären erschlossen werden oder auch Barrieren durch- und aufgebrochen werden. „Aufbruch“ bedeutet, Grenzen zu überschreiten und Übergänge zu gestalten.
Besonders herausfordernd ist das Aufbrechen von alten Mustern und der Aufbruch zu neuen Zielen, wenn Angst im Spiel ist. Angst schützt uns auf der einen Seite vor reellen Gefahren, auf der anderen Seite kann Angst auch das Vorankommen hindern, wo die Gefahren die Angst objektiv nicht mehr rechtfertigen.
Einer der weltweit führenden Forschenden in der Behandlung von Angststörungen und Depressionen durch Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie ist Prof. Dr. Stefan G. Hofmann. Der Alexander-von-Humboldt-Professor ist zugleich „LOEWE-Spitzenprofessor“ für Translationale klinische Psychologie an der Uni Marburg. In seinem Vortrag „Gefühle im Wandel: Die wundersame Welt unserer Emotionen“ am Montag (9. November) um 19 Uhr im Fürstensaal gewährt er einen allgemeinverständlichen Einblick in seine Forschungsergebnisse.
Dr. Lukas Wagner von der AG Physik der Solar-Energiekonversion hält im Rahmen des Formats „Aufgeschlossen – Wissenswertes aus der Werkstatt“ am Dienstag (24. November) um 19 Uhr im Fürstensaal einen Vortrag zum Thema „Nachhaltiges Energiesystem: Aufbruch, Umbruch, Chance“. Der Nachwuchsforscher ist Mitglied der Young Academy for Sustainability Research (YAS) des Freiburg Institute for Advanced Studies an der Universität Freiburg. Die YAS fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen herausragenden Postdoktorand*innen im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung. Im Dezember 2025 erhielt er zudem in Würdigung seiner herausragenden Beiträge zur Photovoltaikforschung das Wilhelm und Else Heraeus Research Fellowship. Zugleich ist Wagner ein hervorragender Wissenschaftskommunikator.
Ein ganz besonderes und integratives Erlebnis erwartet das Publikum am Sonntag (29. November) um 18 Uhr im Fürstensaal. Musikkenner*innen und -genießer*innen wie auch Menschen mit Hörschädigung kommen ganz auf ihre Kosten, wenn das A-Cappella-Ensemble „Bolongaro Sextett“ und die Gebärdenmusikerin Julia Schulenburg gemeinsam den Advent einläuten.
Auf dem Programm stehen frühbarocke Werke von Andreas Hammerschmidt, Heinrich Schütz sowie kunstvolle Sätze beliebter Advents- und Weihnachtslieder. Die Kunst des „Musikgebärdens“ von Julia Schulenburg ist mehr als Gebärdensprachdolmetschen: Die Atmosphäre und Struktur der Komposition werden ebenfalls zum Ausdruck gebracht und ermöglichen eine breite Teilhabe. Das vom Ensemble moderierte Konzert wird außerdem in DGS gedolmetscht. Für blinde Besucher*innen stehen barrierefreie Programmhefte zur Verfügung. Pay as you wish an der Abendkasse.
Eine weitere Veranstaltung ist am Dienstag (10. November) um 19 Uhr „Schlossgeflüster – Wenn Worte leuchten“. In Kooperation mit der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) liest ein blinder Mensch im dunklen Fürstensaal aus Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ vor. Der satirische Kultroman handelt vom Besuch des Teufels im stalinistischen Moskau und einer leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Am Dienstag (24. November) um 18.30 Uhr gibt es „Schlossgarn –
Erzählgespräche“. 30 Minuten vor Beginn des Vortrags „Nachhaltiges Energiesystem: Aufbruch, Umbruch, Chance“ wird ein phantasievoller Kontrapunkt mit (beinahe) improvisierten Geschichten gesetzt. Dies geschieht gemeinsam durch den professionellen Erzähler und Autor Florian Schwebel und das Publikum.
Mit der Reihe „Schlossbegegnungen“ öffnet Philipps-Universität das Landgrafenschloss gezielt als Ort des Austauschs und lädt Stadtgesellschaft und Gäste dazu ein, Wissenschaft und Kultur in neuen Formaten zu erleben. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Universität organisiert das Programm und spannt damit den Bogen zwischen Wissenschaft, Kunst und gesellschaftlichem Dialog. Das Marburger Wahrzeichen wird damit zu einem attraktiven, zeitgemäßen und zukunftsoffenen Museums-, Erlebnis-,
Veranstaltungs- und Bildungsort. Jeder Monat steht unter einem anderen thematischen Schwerpunkt. Die Veranstaltungen laden dazu ein, sich für Neues zu öffnen, mit anderen in Kontakt zu treten, voneinander zu lernen und vieles gemeinsam zu erleben.
* pm: Philipps-Universität Marburg