Inklusive Ansätze: DBSV fordert Studiengang für Rehalehrer

Die Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen sollte man nach Meinung des DBSV studieren können. Darum fordert die selbsthilfeorganisation einen entsprechenden Studiengang.
Anlässlich des „Tags des weißen Stockes“ am 15. Oktober fordert der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) die Einführung eines Bachelor-Studiengangs „Rehabilitation bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“. Um ihn finanziell abzusichern und gemeinsam mit den Hochschulen umzusetzen, werde die Unterstützung von Bund und Ländern gebraucht. Wer sein Sehvermögen verliert oder mit einer fortschreitenden Sehbehinderung lebt, benötigt gezielte Unterstützung, um alltägliche Fertigkeiten zu erhalten oder neu zu erlernen. Dazu gehören vor allem Schulungen in Orientierung und Mobilität etwa für die sichere Fortbewegung mit dem Blindenlangstock, sowie in lebenspraktischen Fähigkeiten.
Dabei erlernt man beispielsweise, trotz der Beeinträchtigung selbständig zu kochen, einzukaufen, Geld zu verwalten oder Haushaltsgeräte sicher zu bedienen. „Ohne Reha können Betroffene ihren Alltag nicht selbstständig bewältigen, was in der Folge auch ihre gesellschaftliche Teilhabe massiv einschränkt“, stellte DBSV-Präsident Hans-Werner Lange am Mittwoch (14. Oktober) fest.
Trotz des Bedarfs gibt es jedoch einen gravierenden Mangel an den dafür benötigten Rehabilitationsfachkräften. Weil viele von ihnen in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, droht sich die Lage noch zu verschärfen. Zudem wird der demographische Wandel für einen erhöhten Bedarf sorgen, denn Sehbeeinträchtigungen und Blindheit treten insbesondere im höheren Lebensalter auf. Bereits heute warten Betroffene in einigen Regionen Deutschlands rund ein Jahr auf ihre Reha-Schulungen.
Derzeit wird die Ausbildung zur Rehabilitationsfachkraft beispielsweise bei der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) in Marburg als Weiterbildung –
aufbauend auf einem sozialen oder Gesundheitsberuf – angeboten. Sie ist mit hohen finanziellen Belastungen für die Fachschülerinnen und Fachschüler verbunden, was es erschwert, Menschen für das Berufsbild zu interessieren und ausreichend Fachkräfte zu qualifizieren. Der DBSV fordert deshalb die Einführung eines Bachelor-Studiengangs „Rehabilitation bei Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit“.
Ein solches Hochschulstudium würde einen strukturierten Zugang zum Beruf eröffnen, fachliche Entwicklungsperspektiven verbessern und eine verlässliche Grundlage für die Ausbildung des dringend benötigten Nachwuchses schaffen. „So können wir eine flächendeckende Versorgung blinder und sehbehinderter Menschen sicherstellen“, erläuterte Lange. „Das ist nicht nur ein Plus für die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der Betroffenen, sondern auch gut angelegtes Geld, um das Sozialsystem von ansonsten dauerhaften Folgekosten im Gesundheits- und Sozialbereich zu entlasten.“

* pm: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, Berlin

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