Digitale Ansätze: Zukunftspreis Nephrologie für Philipp Russ

Den „Zukunftspreis Nephrologie 2026“ hat Dr. Philipp Russ erhalten. Er untersucht digitale Ansätze für Ausbildung, klinische Entscheidungen und patientenzentrierte Versorgung in der Nephrologie.
Dr. Philipp Russ arbeitet ärztlich und wissenschaftlich an der Schnittstelle von Nephrologie, digitaler Medizin und medizinischer Ausbildung. Jetzt hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) auf ihrer Jahrestagung in Leipzig für seine Arbeiten mit dem „Zukunftspreis Nephrologie 2026“ ausgezeichnet. Mit dem Preis würdigt die Fachgesellschaft innovative Forschungsarbeiten aus interdisziplinären Zukunftsfeldern der Nierenheilkunde (Nephrologie).
„Besonders dankbar bin ich den Kolleginnen und Kollegen für die gemeinsame Arbeit an diesen Projekten“, erklärte Russ zur Preisverleihung am Freitag (9. Oktober). In mehreren Erstautorarbeiten entwickelte und evaluierte er ein immersives Virtual-Reality (VR)-Szenario für einen nephrologischen Notfall, ein gamifiziertes Lehrformat zur Vermittlung von Point-of-Care-Ultraschall sowie personalisierte VR-Anwendungen für Patientinnen und Patienten während der Hämodialyse. Darüber hinaus untersuchte er den Einsatz großer KI-Sprachmodelle bei akuter Nierenschädigung.
In einer Studie mit 201 Medizinstudierenden führte beispielsweise das Training eines komplexen nephrologischen Notfalls in Virtual Reality zu einem deutlichen Wissenszuwachs und unterstützte zugleich das klinische Denken. „Was Philipp Russ auszeichnet, ist die Fähigkeit, klinische Bedürfnisse präzise zu analysieren und daraus eigenständige Forschungsansätze zu entwickeln“, sagte sein wissenschaftlicher Mentor Prof. Dr. Ivica Grgic in der Laudatio. Grgic arbeitet im Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin an der Philipps-Universität Marburg.
Grgic lobte ihn sogar noch weiter:“Seine Arbeiten zeigen, wie digitale Technologien neue Möglichkeiten für die medizinische Ausbildung und Patientenversorgung eröffnen. Er ist ein herausragender Nachwuchswissenschaftler, von dem die Nephrologie künftig wichtige Beiträge erwarten darf.“
Bemerkenswert ist laut Grgic auch der Standort: Der renommierte, im gesamten deutschsprachigen Raum ausgeschriebene Preis geht innerhalb von zwei Jahren bereits zum zweiten Mal nach Marburg. Das hat es in der bisherigen Geschichte der Auszeichnung noch nicht gegeben.
Der 34-jährige Russ ist Facharzt für Innere Medizin, Notarzt und Hypertensiologe. Er arbeitet als Oberarzt am Zentrum für Notfallmedizin des Universitätsklinikums Marburg sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin der Philipps-Universität Marburg. Seine Forschung verbindet medizinische Ausbildung mit digitalen und datenbasierten Methoden. Schwerpunkte sind nephrologische und notfallmedizinische Fragestellungen sowie die klinische Entscheidungsunterstützung.
Diese Themen möchte Russ noch enger zusammenführen und untersuchen, welche Bedeutung akute Nierenschädigungen und andere renale Risikokonstellationen in der Notfallversorgung haben, welche Merkmale mit ungünstigen Verläufen verbunden sind und wie sich klinische Routinedaten für solche Analysen nutzen lassen. Seine Arbeiten verbinden technische Umsetzbarkeit mit konkreten klinischen und edukativen Fragestellungen und verfolgen das Ziel, Nephrologie zugänglicher, praxisnäher und patientenzentrierter zu machen.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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