Streitstudium: Diskursive Veranstaltungsreihe zum Jubiläumsjahr

Das „Studium Generale“ widmet sich im Jubiläumsjahr der Geschichte und Gegenwart des wissenschaftlichen Streits. Auftakt ist am Mittwoch (4. November).
Im Jahr ihres 500-jährigen Bestehens widmet die Philipps-Universität Marburg ihr „Studium Generale“ einem Thema, das ihre Geschichte seit der Gründung im Jahr 1527 prägt: das ist die Streitkultur. Die älteste – noch heute bestehende – protestantische Universität der Welt entstand in einer Zeit tiefgreifender religiöser, politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Von Beginn an war sie ein Ort, an dem unterschiedliche Überzeugungen, neue Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse aufeinandertrafen. Streit und Widerspruch gehören deshalb seit jeher zum Selbstverständnis der Universität und bilden bis heute eine wesentliche Grundlage wissenschaftlichen Fortschritts.
Auch heute sieht sich die Wissenschaft mit grundlegenden Fragen konfrontiert: Wie frei ist Forschung? Welche Verantwortung trägt Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft? Wie können kontroverse Debatten gelingen, ohne den wissenschaftlichen Dialog zu gefährden? Und wie kann die Universität ein Ort bleiben, an dem unterschiedliche Positionen offen und respektvoll miteinander diskutiert werden?
Das „Studium Generale“ im Wintersemester 2026/2027 greift diese Fragen aus historischer und gegenwartsbezogener Perspektive auf. Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen beleuchten die Geschichte der Universität, die Freiheit von Forschung und Lehre, ethische Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis sowie aktuelle Herausforderungen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Vorträge, moderierte Gespräche, Podiumsdiskussionen und weitere dialogische Formate ermöglichen einen interdisziplinären Austausch über die Rolle der Universität als Ort wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzung.
„Eine Universität lebt vom offenen Austausch und auch vom Widerspruch gerade dann, wenn Positionen weit auseinanderliegen“, sagte Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Yvonne Zimmermann. „Eine lebendige Streitkultur ist deshalb ein wichtiger Bestandteil wissenschaftlicher Freiheit und zugleich eine Ressource für die Gesellschaft. Mit dem Studium Generale wollen wir dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und darüber zu diskutieren, welche Rolle Universitäten in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft übernehmen können.“
Das „Studium Generale“ findet ab dem 4. November 2026 jeweils mittwochs von 18.15 bis 19.45 Uhr im Vortragsraum der Universitätsbibliothek statt. Es richtet sich an alle Mitglieder der Philipps-Universität Marburg sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Den Auftakt macht ein Vortrag von Prof. Dr. Christoph Kampmann über „Akademische Streitkultur, konfessionelle Konfrontation und die Gründung einer Universität – Zur Marburger Universitätsgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert“.
Eine Woche später spricht Prof. Dr. Stephan Lessenich vom Institut für Sozialforschung der Goethe Universität Frankfurt über „Worum streiten wir? Zum gesellschaftlichen Strukturkonflikt der Gegenwart“. Am Mittwoch (18. November) behandeln Dr. Kai Kortus vom Autonomen Referat für Menschen mit Behinderung an der Philipps-Universität Marburg und Dr. Michael Richter sowie Dr. Birgit Rothenberg aus Dortmund die Frage „Wer darf mitstreiten? –
Aktuelle Konflikte und Probleme des Zugangs von behinderten Menschen zur Universität“. Prof. Dr. Marian Füssel von der Georg-August-Universität Göttingen wendet sich am 25. November dem Thema „Von den akademischen Freiheiten zur Wissenschaftsfreiheit? Über universitäre Freiheitsemantiken vom 18.-19. Jahrhundert“ zu.
Nach weiteren Vorträgen steht am 27. Januar 2027 das Thema „Digital Hate: Wissenschaftlerinnen im Fokus von (extrem rechten) Angriffen und Bedrohungen“ auf dem Programm. Vortragende ist Prof. Dr. Clarissa Rudolph von der Ostbayerischen Technische Hochschule Regensburg. Über den „Streitgegenstand Antisemitismus“ diskutieren am 3. Februar 2027 Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und Prof. Dr. Peter Ullrich von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin / Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin.
Den Abschluss bildet am 10. Februar 2027 eine Podiumsdiskussion zur „Rolle der Universität für die Demokratie in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung“ unter der Moderation von Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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