In KFZ: Kulturzentrum feiert 50-jähriges Bestehen

Das älteste soziokulturelle Zentrum in Hessen wird 50 Jahre alt. Am 9. Dezember 1976 wurde das „Kommunikatons- und Freizeitzentrum (KFZ) Marburg“ gegründet.
Im Dezember 2026 feiert das heutige „Kultur- und Freizeitzentrum Marburg“als ältestes soziokulturelles Zentrum in Hessen sein 50-jähriges Jubiläum. Die erste KFZ-Veranstaltung war die Silvesterparty 1976/77. Dieses Jubiläum möchte das KFZ mit der Silvesterparty am 31. Dezember 2026 begehen.
Sein Sommerfest feiert das KFZ seit 1978. Seit 1987 firmiert es unter dem Namen „Summer in the City“. Gefeiert wird es „als Dank an unser Publikum umsonst drinnen und draußen“. Am 21. August 27 wird es als „50 Jahre KFZ Spezial“ stattfinden. Der Eintritt ist kostenlos.
Im Juli 1977 fand der erste „Marburger Abend“ statt. Dabei handelt es sich um die älteste – ohne Unterbrechung stattfindende – offene Bühne Deutschlands. Zu diesem Jubiläum läädt das KFZ am 26. September 2027 ein. Der Eintritt ist kostenlos.
Der Startschuss für das KFZ fiel am 9. Dezember 1976. Die erste Veranstaltung am damaligen Standort in der Schulstraße 6 war die Silvesterparty 1976/77. Eigentlich ist ab Juni 1976 der Aufbau eines größeren Kommunikationszentrums beabsichtigt. Besichtigt wurden unter anderem die leerstehende Gerberei Reinemund im Stadtteil Weidenhausen und das leerstehende Gaswerk am Afföller.
Da die Initiative weder Räume noch Förderung für ihr Vorhaben bekam, mietete sie mit eigenen Mitteln bezahlbare Räumlichkeiten in der Schulstraße 6.
„Unser Ziel war es, ein Kommunikationszentrum in Marburg zu schaffen, in dem man sich treffen und austauschen, aber auch Spaß haben und ins Handeln kommen kann, in dem man diskutieren, Konzerte besuchen und töpfern kann und sich dabei kennenlernt“, berichtete KFZ-Gründerin Renate Reddemann. In anderen Bundesländern entstanden gerade erste soziokulturelle Zentren wie Die „Börse“ in Wuppertal, die „Fabrik“ in Hamburg oder das „Komm“ in Nürnberg.
1976 verfügte das KFZ über eine Gesamtfläche von gerade einmal 98 Quadratmetern mit einer Veranstaltungsfläche von 56 Quadratmetern. Durch Raumteiler abgetrennt waren ein Büro und ein Theken- beziehungsweise Foyerraum. Es gab lediglich ein ziemlich unappetitliches WC.
Inhaltlich setzte sich das Team zu Anfang kritisch mit den politischen Entwicklungen in der Bundesrepublik auseinander, ordnete sich aber keiner Partei zu und betrieb das KFZ als Autonomen Kulturladen. Der Kulturladen bot Raum für alternative und unabhängige Kultur in Marburg. Veranstaltet wurden vor allem kleine Kabarett- und Musikveranstaltungen, Filmvorführungen sowie Workshops.
Das KFZ diente zahlreichen Initiativen und Gruppen aus dem Umwelt- und Sozialbereich als Heimstatt. In den ersten Jahren boten einige der Gründerinnen im KFZ Schwangerenberatungen an und gaben Frauenthemen eine Bühne, was ihnen den Impuls zur Gründung der „pro familia“ in Marburg gab. Außerdem schuf das KFZ einen Treffpunkt für Schwule zu einer Zeit, als Homosexualität noch unter Strafe gestellt war.
Zudem wurde das KFZ Treffpunkt der freien Theaterszene, die endlich über eine Bühne verfügte und wenige Jahre später das TNT gründete. Einige gaben den „Weidenhäuser Rundschlag“ heraus und anschließend die „Marburger Zeitung“, die schließlich im „Express“ aufging. Sie gründeten den „Marbuch Verlag“ und initiierten das Marburger Stadtfest mit.
Andere waren aktiv in der Video AG, aus der Pionier*innen des queeren Films hervorgingen. Die ersten Öko-Kisten wurden im KFZ verteilt, lange bevor es in Marburg einen Bioladen gab. „Wir sind den Gründerinnen und Gründern unglaublich dankbar dafür, dass sie mit großem ehrenamtlichem Engagement, Überzeugung und Durchhaltevermögen vor 50 Jahren das KFZ gegründet und den Grundstein gelegt haben für alles, was seither im KFZ stattgefunden hat“, erklärte KFZ-Geschäftsführerin Anna Lena Rothenpieler. „Dank ihnen hatten viele Ideen, gesellschaftliche Themen, Besucherinnen und Besucher, Künstlerinnen und Künstler, Initiativen und Vereine eine Bühne und einen Ort, um sich zu treffen. Vieles, das wir heute als selbstverständlich wahrnehmen, war erst möglich, weil es einen Ort gab, an dem Menschen zusammen und ins Gespräch kommen konnten, an dem Menschen sich geschützt und in Gemeinschaft fühlen, an dem Kreativität gelebt und erprobt werden konnte.“
Im Juli 1977 fand der erste „Marburger Abend“ in Kooperation mit dem Folk Club statt. 1978 folgte das erste KFZ-Sommerfest. Seit 1987 firmiert es unter dem Namen „Summer in the City“.
1980 veranstaltete das KFZ erstmals ein Konzert auf der Schlossparkbühne. Das Programm wurde 1988/89 durch den Umbau und die Vergrößerung der Räumlichkeiten an der Schulstraße auf 387 Quadratmeter und der Veranstaltungsfläche auf 133 Quadratmeter deutlich erweitert. 1988 startet die neue Konzertreihe „The Sound Of Independence“. Sie legte den Grundstein für alle Konzerte, die folgten und heute den programmatischen Schwerpunkt bilden.
1990 startete die Reihe „Ladies in Culture“, die von der Universitätsstadt Marburg mit dem Historischen Stadtsiegel ausgezeichnet wurde. 1993 folgte die „Nacht der Stimmen“, 1999 der „Marburger Kabarettherbst“ und 2010 der „Tag der kulturellen Vielfalt“. Auch (gesellschafts-)politische Veranstaltungen gehören von Beginn an zum Programm des KFZ.
Das KFZ etablierte sich als bedeutender Veranstaltungsort in Hessen. Schon bald stieß es räumlich wieder an seine Grenzen. Immer wieder wurden auch größere Räume wie Stadthalle, Alte Aula, Audimax, Lutherische Pfarrkirche und Schlossparkbühne mit ausverkauften Veranstaltungen bespielt.
Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation entstand im KFZ die Überlegung, die „Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und Soziokulturellen Zentren) Hessen“ (LAKS), die lediglich noch in der Rechtsform existierte, wieder mit Leben zu füllen und neu aufzubauen. 1992 gelang es erstmals, eine Förderung im Landeshaushalt zu etablieren. Die Geschäftsstelle der LAKS Hessen wurde bis 1999 vom KFZ aus geführt und befindet sich heute in Kassel.
Mit der Etablierung dieses Haushalts erstarkte auch die gesamte soziokulturelle Szene in Hessen.
Ein weiterer Landesverband wurde vom damaligen KFZ-Geschäftsführer Gero Braach maßgeblich forciert und mit aufgebaut: Die „Landesvereinigung kulturelle Bildung Hessen“ (LKB) wurde im Jahr 2009 gegründet. Braach erhielt 2011 den Hessischen Verdienstorden am Bande.
„Die Gründung erfolgte als Reaktion darauf, dass durch den Pisa-Schock meist die naturwissenschaftlichen Fächer und Sprachen in den Vordergrund gerückt wurden, während gut 50 % des Musikunterrichts ausfiel“, erinnerte er sich. „Es war damit klar, dass auf der außerschulischen Ebene wenigstens ein Neuanfang betrieben werden musste, der Kultur für Kinder und Jugendliche auf Landesebene in den Mittelpunkt rückte.“
2016 folgte schließlich der Umzug in die Biegenstraße. Er gab dem KFZ mit einer Gesamtfläche von 1334,30 Quadratmetern , einem Saal mit 263,9 Quadratmetern und einem Club mit 110 Quadratmetern einen erneuten Schub und neue Möglichkeiten. Ob Debbie Harry, Laurel Aitken, Helge Schneider, Esther Bejarano, Eva-Maria Hagen, Blumfeld, Moe Tucker, Roy Ayers, Taj Mahal, Desmomd Dekker, Anne Clark, Gerburg Jahnke, Lotti Huber, Richie Havens, Mark Forster, The Boss Hoss, Mari Boine, Benjamin von Stuckrad-Barre, Judith Hermann oder Sportfreunde Stiller – sie alle traten im KFZ auf.
Der Standort im Erwin-Piscator-Haus (EPH) ermöglichte dann Acts wie Faber, The Baboon Show, Das Lumpenpack, Bukahara, Leoniden, Sepultura, Filiz Tasdan, Fjort, Fatoni, Hazel Brugger, Pauli Pocket, Heavysaurus, Il Civetto, Elif, Raum 27, Sarah Bosetti, Luisa Neubauer, The Magic Mumble Jumble, Pussy Riot, Querbeat, Jinjer und viele mehr. Viele Künstlerinnen und Künstler zogen mit um. Darunter waren Hagen Rether, Turbostaat, Dota, Nessi Tausendschön, Les Yeux D’La Tête, Mine, die Antilopengang oder Jaya the Cat.
Heute führt das KFZ mit seinen über 30 Mitarbeitenden – alle in Teilzeit oder auf Minijob-Basis – sowie Azubis, Bundesfreiwilligendienstleistenden und über 140 Ehrenamtlichen jährlich weit über 300 Veranstaltungen mit rund 60.000 Besuchenden durch. Neben einem breiten soziokulturellen Programm mit Kindertheater, Lesungen, Debatten, Partys und einem Schwerpunkt auf Konzerte und Kabarett, engagierte sich das KFZ in den vergangenen Jahren stark im Bereich der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit und hat dafür zahlreiche Auszeichnungen erhalten wie 2025 den APPLAUS-Award in der Kategorie Nachhaltigkeit durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).
„Das KFZ ist vor allem eines: ein Ort, an dem sich Menschen begegnen, den Menschen mitgestalten und mitprägen“, erklärte KFZ-Pressesprecher Matthias Wussow. „Deshalb feiern wir 50 Jahre KFZ gemeinsam mit vielen Menschen. Zahlreiche Ehrenamtliche, Künstlerinnen und Künstlern, Initiativen und Kooperationspartnerinnen und -partner sind an unserem Jubiläum beteiligt; und natürlich freuen wir uns am meisten darauf, 50 Jahre KFZ mit den Besucherinnen und Besuchern zu feiern.“
Neben den großen Jubiläumsveranstaltungen, die im Dezember starten, können sie sich auf ein Jubiläumsbuch und auf viele Highlights aus 50 Jahren KFZ freuen. UIhr Wissen können sie dann bei einem „50-Jahre-KFZ Quiz“ testen. „50 Jahre KFZ“ wird unterstützt durch die Universitätsstadt Marburg, die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, die Volksbank Mittelhessen, die GeWoBau, die Hessische Staatskanzlei, die Brauereien Bosch und Veltins sowie den Landkreis Marburg-Biedenkopf.

* pm: Kultur- und Freizeitzentrum Marburg

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