Der Fachbereich Medizin vergibt erstmals die sogenannte „ASCENT“-Förderung. Dr. Fanni Geibl-Henrich und Dr. Niklas Gremke wurden damit ausgezeichnet.
Mit dem Programm „Accelerating Success for Clinician Scientists“ (ASCENT) stärkt der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg exzellente Ärztinnen und Ärzte beim Übergang in die wissenschaftliche Unabhängigkeit. Das Ziel der neu geschaffenen Förderung ist, herausragende „Clinician Scientists“ und „Clinician Trialists“ beim Aufbau einer eigenen, unabhängigen Nachwuchsgruppe zu unterstützen. Finanziell ermöglicht wird dieser wichtige Baustein der Nachwuchsförderung durch die P. E. Kempkes-Stiftung. Im Rahmen der Erstausschreibung des Förderprogramms im Jahr 2026 wurden nun zwei herausragende Forschungsprojekte aus den Neurowissenschaften und der gynäkologischen Onkologie für die Förderung ausgewählt.
Dr. Fanni Geibl-Henrich widmet sich in ihrem mit 189.928 Euro geförderten Projekt einer zentralen klinischen Beobachtung: Warum führen schwere Lungeninfektionen bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson-Krankheit häufig zu einer plötzlichen und teils irreversiblen Verschlechterung der motorischen Symptome? Mit Hilfe eines neu entwickelten präklinischen Modells, das eine Parkinson-typische Pathologie mit einer schweren, ARDS-ähnlichen Lungenentzündung kombiniert, untersucht ihre Arbeitsgruppe die Entzündungsprozesse in Lunge, Blut und Gehirn, die den neurodegenerativen Prozess beschleunigen. Langfristiges Ziel der Forschung ist die Identifikation neuer Biomarker und therapeutischer Ansatzpunkte, um Parkinson-Erkrankte künftig besser vor infektionsbedingten Schüben zu schützen.
Dr. Niklas Gremke, der als Clinician Trialist im Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) Frankfurt-Marburg aktiv war, erhält für sein Forschungsvorhaben eine Förderung von 70.000 Euro. Sein Projekt adressiert das Problem der Resistenzbildung bei hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs – dem häufigsten Subtyp des Mammakarzinoms.
Auf Basis eines genomweiten CRISPR-Screens konnte Gremke eine mögliche „Achillesferse“ resistenter Tumorzellen identifizieren: Während der Resistenzentwicklung entsteht offenbar eine neue therapeutische Schwachstelle gegenüber der Ferroptose, einer speziellen Form des zellulären Tods durch oxidativen Stress. Im geförderten Projekt wird dieser Mechanismus in dreidimensionalen Tumormodellen genauer analysiert, um präzisionsonkologische Strategien zur Überwindung von Behandlungsresistenzen bei Brustkrebs zu entwickeln.
Die „ASCENT“-Förderung richtet sich an Ärztinnen und Ärzte aller klinischen Einrichtungen des Universitätsklinikums Marburg und des Campus Fulda, die ein Clinician-Scientist-Programm, ein Clinician-Trialist-Programm oder eine vergleichbare Qualifikation erfolgreich abgeschlossen haben. Die finanzielle Unterstützung soll den Forscherinnen und Forschern die nötigen Freiräume bieten, um eine eigenständige Nachwuchsgruppe zu etablieren und wegweisende medizinische Erkenntnisse aus der Forschung in die klinische Anwendung zu bringen.
* pm: Philipps-Universität Marburg