Deutschlands Anwaltschaft wandelt sich: Im Vergleich zum Vorjahr gibt es 2026 mehr weibliche Anwälte.
Im Vergaberecht sowie im Insolvenz- und Sanierungsrecht steigt die Anzahl an Fachanwälten deutlich an und auch je nach Stadt hat sich die Zahl der Juristinnen und Juristen teils deutlich verändert. Das zeigt eine Analyse des Lernportals „Jurafuchs“, bei der über 189.300 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer im Hinblick auf die 200 größten deutschen Städte, Namen und Titel analysiert und mit den Vorjahreszahlen verglichen wurden.
Demnach fallen in Marburg durchschnittlich 3,3 Anwälte auf 1.000 Einwohner. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 3,2 Prozent zurückgegangen. Insgesamt stieg der Frauenanteil unter Deutschlands Anwälten leicht an. Zudem hat sich die Zahl der Juristinnen und Juristen je nach Standort und Fachbereich teils deutlich verändert.
Frankfurt am Main führt mit durchschnittlich 17,07 Anwälten pro 1.000 Einwohner zwar erneut das Ranking der Anwalts-Hochburg an, gefolgt von Düsseldorf (14,89) und München (11,88). Das größte Plus an Anwälten verzeichnet hingegen das im Schwarzwald gelegene Lahr: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl an Anwälten in der Stadt um 14,5 Prozent an.
Es gibt aber auch Städte, in denen die Zahlen zurückgehen. Besonders deutlich ist der Rückgang im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße, wo die Anzahl an Anwälten seit dem Vorjahr um 15,5 Prozent zurückgegangen ist. Insgesamt ist die Anzahl an Anwälten in 102 der 200 untersuchten Städte zurückgegangen.
Im Hinblick auf die Geschlechterverteilung sind 39,1 Prozent aller Anwälte weiblich. Vor einem Jahr lag die Frauenquote laut Jurafuchs-Analyse noch bei 38,7 Prozent. Besonders in Dorsten mit einem Plus von 12,7 Prozent, Wilhelmshaven und Dormagen mit je 12,2 Prozent Zuwachs ist der Anteil an weiblichen Anwälten angestiegen. Deutlich gesunken ist die Frauenquote hingegen in Ludwigshafen mit 26,9 Prozent und Cuxhaven mit 11,7 Prozent.
Je nach Fachbereich, in dem sich Deutschlands Anwälte spezialisiert haben, gibt es im Vorjahresvergleich teilweise deutliche Veränderungen. Deutlich im Plus liegt das Vergaberecht mit 6,6 Prozent. Einen großen Sprung macht auch das Insolvenz- und Sanierungsrecht, das Unternehmen in wirtschaftlichen Krisen rechtlich zur Seite steht: Die Zahl der darauf spezialisierten Fachanwälte wuchs um 5,2 Prozent.
Ein möglicher Auslöser ist auch erkennbar: Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnen besonders die Fachbereiche der lukrativen Wirtschaftsrechtsgebiete einen Zuwachs. Doch auch gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich wider: Die Zahl der Fachanwälte für Migrationsrecht nahm um 4,5 Prozent zu.
Einen leichten Rückgang gibt es hingegen im Familienrecht und im Sozialrecht: Verglichen mit den Zahlen von 2025 ist die Anzahl an Fachanwälten für Familien- und Sozialrecht um jeweils 1,9 Prozent gesunken. Beide Bereiche gehören in der Regel zu weniger lukrativen Feldern der privaten Lebens- und staatlichen Fürsorge. Ein Minus von 0,6 Prozent verzeichnet der Fachbereich Steuerrecht.
„Unsere Analyse zeigt, dass der Frauenanteil unter Deutschlands Anwältinnen und Anwälten zuletzt leicht angestiegen ist“, kommentierte Dr. Carl-Wendelin Neubert. „Angesichts dessen, dass mittlerweile rund 60 Prozent der Studienanfänger im Fach Jura weiblich sind und eine überwiegend männlich geprägte Juristengeneration in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht, dürfte sich dieser Wandel künftig zudem noch verstärken. Das bringt frische Impulse und Perspektiven in die Kanzleien, was ein gutes Zeichen ist.“
Der Mitgründer von „Jurafuchs“ ergänzte: „Der Vergleich zeigt aber auch, wie eng wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen mit dem Rechtswesen verknüpft sind. Besonders sichtbar wird das bei den Fachgebieten: Während insbesondere das Insolvenz- und Sanierungsrecht sowie das Migrationsrecht wachsen, verzeichnen das Familien- und Sozialrecht zuletzt rückläufige Zahlen. Umso wichtiger wird eine zeitgemäße juristische Ausbildung, damit dem Nachwuchs die passenden Werkzeuge für die Praxis von morgen an die Hand gegeben werden. Mit unserem innovativen digitalen Lernansatz bei Jurafuchs, KI-gestützten Lerntools und praxisnahen Fallbeispielen wollen wir genau hier ansetzen und den Nachwuchs optimal auf diese Zukunft vorbereiten.“
Für den Vergleich wurden insgesamt 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer berücksichtigt und im Hinblick auf den Standort, Namen und Titel ausgewertet. Für den Städtevergleich wurden die 200 größten deutschen Städte herangezogen (Stand der Untersuchung: 15. Juli 2026). Darüber hinaus wurden die Zahlen mit den Ergebnissen 2025 verglichen.
* pm: Jurafuchs, Berlin