Die DFG-Forschungsgruppe „MeDiMi“ wird für weitere vier Jahre gefördert. Das interdisziplinäre Projekt der Universitäten Gießen und Marburg sowie der Freien Universität Amsterdam erforscht die Rolle der Menschenrechte in Konflikten über Migration.
In Konflikten über Migrationsfragen berufen sich die Beteiligten vielfach auf Menschenrechte, um ihre Interessen und Selbstverständnisse zu formulieren. Das geschieht im Recht ebenso wie in politischen Konflikten und alltäglichen Situationen. Die Forschungsgruppe „Menschenrechtsdiskurse in der Migrationsgesellschaft“ (MeDiMi) bezeichnet das als „Vermenschenrechtlichung“ der Diskurse einer Migrationsgesellschaft und widmet sich der empirischen Erforschung und theoretischen Vertiefung dieses Konzepts. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) MeDiMi für eine zweite Förderphase von 2027 bis 2031 ausgewählt. Die erfolgreiche Forschung zur Rolle der Menschenrechte in Konflikten über Migration wird mit sieben neuen Einzelprojekten an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), der Philipps-Universität Marburg sowie der Freien Universität Amsterdam in den Niederlanden fortgesetzt.
Von 2022 bis 2026 hat die Forschungsgruppe das Phänomen der „Vermenschenrechtlichung“ aus rechts-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive untersucht. In der zweiten Forschungsphase will die Gruppe auf tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen reagieren, die sich in den letzten Jahren vollzogen haben: „Wir beobachten, dass die Menschenrechte von Migrantinnen und Migranten zunehmend und systematisch in Frage gestellt werden“, berichtete der Sprecher Prof. Dr. Jürgen Bast vom Fachbereich Rechtswissenschaft der JLU. „Wir fragen uns: Wie reagieren Akteure, die sich für die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten einsetzen, auf diese Situation? Berufen sie sich weiterhin auf Menschenrechte, und haben sie damit noch Erfolg? Hat die Konstellation der ,Vermenschenrechtlichung‘ gesamtgesellschaftlich Bestand?“+
Die DFG fördert MeDiMi mit einer Gesamtsumme von bis zu 4,4 Millionen Euro, davon entfallen rund 3,6 Millionen auf die federführende JLU. Rund drei Viertel der bewilligten Mittel sind für Stellen von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorgesehen. Zu den beteiligten Disziplinen gehören Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Cultural Studies und Erziehungswissenschaft.
„Wir arbeiten zu einer der drängendsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit, die sich nur interdisziplinär angemessen erforschen lässt“, erläuterte Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel vom Zentrum für Konfliktforschung (ZfK) in Marburg. „Nur so können wir verstehen, wie Zugehörigkeit in Migrationsgesellschaften ausgehandelt wird.“ Buckley-Zistel ist stellvertretende Sprecherin der Gruppe.
„Die Verlängerung von MeDiMi ist eine Bestätigung für die exzellente Forschung unserer Geistes- und Sozialwissenschaften sowie die erfolgreiche Kooperation in Mittelhessen und darüber hinaus“, erklärte JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz. „Gerade angesichts der aufgeheizten gesellschaftlichen Debatte um Migrationsfragen freuen wir uns sehr, dass diese wichtige Arbeit fortgeführt wird.“
* pm: Philipps-Universität Marburg