Ungewöhnlich: ZDF-Fernsehgottesdienst kommt aus Marburg

Der ZDF-Fernsehgottesdienst an Ostern kommt aus Marburg. Am Karfreitag geht es los mit den Aufbauten, Einweisungen und Proben vor Ort.
Seit Monaten laufen die Vorbereitungen, damit am Ostersonntag ganz Fernseh-Deutschland an einem Gottesdienst in Marburg teilnehmen kann: Der ZDF-Fernsehgottesdienst wird dann nämlich live aus der Pauluskirche übertragen. Kilometerweise Kabel, ganz viel schweres Gerät und ordentlich Manpower ist nötig, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen. Ein Projektchor hat sich gegründet, ein Seifenblasenkünstler ist mit dabei und am Ende muss das ganze bei 44 Minuten und 30 Sekunden landen.
„Ostern ist mein Lieblingsfest, denn es erzählt von Hoffnung“, sagte der evangelische Dekan Dr. Burkhard von Dörnberg. Er wird den ZDF-Fernsehgottesdienst am Sonntag halten und „von Seifenblasen und Auferstehung“ erzählen – das ist das Thema. „Gastgeber eines Fernsehgottesdienstes zu sein ist eine große Ehre“, erklärte von Dörnberg. Es sei „eine Chance, mit vielen Menschen in der großen Fernsehgemeinde zusammen Gottesdienst zu feiern und in diesem Jahr ein besonderes Ostern zu erleben.“
Den Gottesdienst, den er da gemeinsam mit vielen anderen Beteiligten vorbereitet hat, ist im Grunde ein ganz normaler: mit der Ankunft der Osterkerze, mit einer Predigt, Fürbitten und ordentlich Halleluja. Das ganze „Drumherum“ ist dann aber alles andere als normal: Der Gottesdienst findet im Scheinwerferlicht statt, begleitet von einer kompletten Fernsehproduktion. Rund 750.000 Menschen werden zuschauen. Es gibt ein 33-seitiges Drehbuch und jedes Wort, jeder Ablauf muss koordiniert und geprobt werden.
Dass eine solche Produktion mit Laien umgesetzt wird, findet die EKD-Senderbeauftragte Simone Hahn „einfach herausragend“. Die Pfarrerin berichtete, dass mehr als 30 Menschen aus den Reihen des ZDF und zusätzlicher Firmen vor Ort sein werden: Es gibt einen Veranstaltungsmeister und einen Sicherheitsberater, Kameraleute, Tontechnik, Redaktion, Security und einiges mehr. Alle würden sich riesig darauf freuen, weil die Fernsehgottesdienste zu den wenigen Live-Übertragungen gehören, die das ZDF noch umsetzt.
Die Pauluskirche bot sich gleich aus mehreren Gründen an. Zum Einen erfüllt sie die umfangreichen Voraussetzungen an Technik und Logistik, die an eine solche Übertragung geknüpft sind. Zum Anderen hat die Gemeinde bereits die Erfahrung eines Fernsehgottesdienstes direkt vor Beginn der Coronapandemie. Er sei sehr dankbar, dass viele Menschen aus der lebendigen Gemeinde bereit gewesen sind, das Vorhaben mit umzusetzen, erklärte von Dörnberg. Und für die bedeutet dieses Vorhaben: schon ein bisschen Herzklopfen und Adrenalin.
Das geht auch Anita Kaminski so, die am Sonntag die Orgel spielen wird wie schon beim Fernsehgottesdienst 2020. „Ich liebe die Herausforderung“, erklärte die Musikerin. „Und ich freue mich auf das gemeinsame Musizieren und das Feiern des Gottesdienstes.“
Ein Projektchor unter der Leitung von Johanna Wagner hat sich extra für dieses Event gegründet und schon vor Wochen mit den Proben begonnen. Die Lieder „True Colors“ und „Here comes the sun“ gibt es zu hören – passend zu Ostern und dem Thema der Auferstehung. Die Seifenblasen, auf die Dekan von Dörnberg Bezug nimmt, werden auch optisch zu sehen sein: Daniela Schmidt und David Friedrich von „Bubble-Zauber“ haben jede Menge Seifenlauge vorbereitet.
Nach dem Gottesdienst gibt es bis 18 Uhr ein telefonisches Gesprächsangebot. „Rund 20 Gemeindemitglieder stehen jeweils für ein bis zwei Stunden zur Verfügung“, kündigte Pfarrer Dr. Markus Rahn vom Bezirk Lukas und Paulus der Immanuel-Gemeinde an. „Beim Fernsehgottesdienst vor sechs Jahren haben uns fast tausend Anrufe erreicht.“
Viele Menschen haben sich einfach bedanken wollen oder zum Beispiel die Predigt zugeschickt bekommen. Er wird am Sonntag die Lesung mitgestalten und einer der Menschen sein, die von einem ganz persönlichen Auferstehungsmoment erzählen. Ansonsten sei er vor allem der Hausmeister, berichtete er schmunzelnd.
Ein ganz besonderes Anliegen der Gemeinde ist indes die Kollekte. Sie kommt einem guten Zweck namens „Our children and our future“ zugute – einem deutschen Verein, der in Uganda seit Jahren ein Ausbildungsprojekt betreibt. Das Projekt ermöglicht Kindern den Besuch der Grundschule und qualifiziert Jugendliche und Erwachsene beruflich. Seit kurzem gibt es auch eine Schneiderinnenwerkstatt für alleinerziehende junge Mütter, die es in Uganda ganz besonders schwer haben. Damit gedenkt die Gemeinde auch ihrem jüngst verstorbenen Prädikanten Dr. Jörg Schwab, dem dieses Projekt besonders am Herzen lag.
Der Gottesdienst wird sowohl im analogen Fernsehen live übertragen, als auch digital gestreamt. Alle Informationen gibt es auf der Homepage www.zdf.fernsehgottesdienst.de.
Eine Teilnahme am Gottesdienst ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Ob es noch freie Plätze gibt, erfahren Interessierte im Gemeindebüro unter der Telefonnummer 06421/24771. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage der Gemeinde unter www.lukas-pauluskirche.ekmr.de.

* pm: Evangelischer Kirchenkreis Marburg

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