„Taking Pictures“ nennt Rainer Wohlfahrt sein fotografisches LangzeitpProjekt. Ebenso heißt auch die Ausstellung seiner Schwarz-Weiß-Bilder in der Galerie JPG.
Gut 80 Interessierte waren am Samstag (28. März) zur Vernissage in die Galerie JPG an der Weidenhäuser Straße gekommen. Bis Mai sind dort 52 Bilder des studierten Fotodesigners zu sehen, der in der Nähe von Aschaffenburg lebt. Sie repräsentieren 40 Jahre seines künstlerischen Schaffens, das er neben seiner Tätigkeit als Fotojournalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) betrieben hat.
„Was ist der Unterschied zwischen Malerei und Fotografie“, wollte die Galeristin Jessica Petraccaro-Goertsches von Wohlfahrt wissen. Maler hätten viel Zeit , ihre Werke immer wieder zu verfeinern und nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten, antwortete Wohlfahrt. Seine Fotos hingegen seien „Schnappschüsse“, die er so oft schon wenige Sekunden vorher oder nachher nicht mehr hätt aufnehmen können.
Auf einem Bild ist zum Beispiel ein Mädchen zu sehen, das zum ersten Mal im Leben Schnee erlebt. Die Kleine steht da und lässt die Schneeflocken auf ihr Gesicht un in den weit geöffneten Mund hineinrieseln. Kennengelernt hat Wohlfahrt das Mädchen in einer Einrichtung im Saarland, wo er seinen Zivildienst abgeleistet hat.
Am Rande der Pressepräsentation eines kleinen Wanderzirkus im Ruhrgebiet beobachtete Wohlfahrt, wie ein kleines Mädchen von gut zwei Jahren von einem Elefanten auf dem Rüssel hin und her geschaukelt wurde. Prompt ließ er die Clowns in ihren bunten Kostümen stehen, um das Motiv abzulichten. „Man merkt den beiden ihren Spaß an und wie liebevoll sie miteinander umgehen“, erklärte er seine Aufnahme.
Auf einem anderen Bild läuft gerade ein Hund an einem Schild „Hunde verboten!“ vorbei. Wohlfahrts eigener Hund buddelt sich tief in Schlamm ein, sodass er kaum mehr erkennbar ist. Während ein Paar auf einem Foto zärtlich miteinander knutscht, sind zwei Hunde daneben schon einen Schritt weiter.
Witzig sind Wohlfahrts Bilder oft und mitunter auch poetisch. Sie zeigen skuril gestaltete Gärten ebenso wie Tiere und Menschen. Dabei zeugen sie immer vom Blick des Fotografen für das Alltägliche und das Besondere darin.
Ein einziges der 52 gezeigten Fotos hat Wohlfahrt nicht selber aufgenommen. Die Aufnahme, die den Fotografen abbildet, hat kein Geringerer als Friedrich Merz gemacht. „Vor Jahren habe ich ihn aufgenommen; und er hat sich für meine Kamera interessiert“, berichtte Wohlfahrt. „Ich habe sie ihm gegeben; und er hat damit dieses Foto gemacht.“
Viele der Anwesenden bei der Vernissage waren Fotografen, die Wohlfahrt zu seinen Kameras und seiner Arbeit in der Dunkelkammer befragten. Durchweg gelobt wurde die Schwarz-Weiß-Ästhetik, die den Aussagen der Bilder Nachdruck verleihe, indem sie das Motiv besonders betone. „Digitale Farbfotografie habe ich immer nur beruflich betrieben, um damit Geld zu verdienen“, erklärte Wohlfahrt. „Wenn ich meine eigenen Bilder in der Dunkelkammer abziehe und es dabei nach Essig riecht, dann fühle ich mich richtig wohl.“