Aufzeichnung für Innovation: Heinz Maier-Leibnitz-Preis für Julia Schulte-Cloos

Prof. Dr. Julia Schulte-Cloos hat den Heinz Maier-Leibnitz-Preis erhalten. Damit würdigt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ihre innovative Forschung zu Demokratie, politischem Verhalten und digitalen Daten.
Die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Julia Schulte-Cloos von der Philipps-Universität Marburg wurde mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet, der mit einem Preisgeld von 200.000 Euro verbunden ist. Gewürdigt wird ihre herausragende Forschung zur Stabilität und Resilienz moderner Demokratien. Darin zeigt sie mit Hilfe neuartiger digitaler Datensätze und Studiendesigns, wie sich politische Identitäten und das Wahlverhalten angesichts aktueller Krisen in Europa verändern.
Im Zentrum der Forschung von Schulte-Cloos steht der tiefgreifende Wandel politischer Konflikte und deren Auswirkungen auf die demokratische Stabilität moderner Gesellschaften. Sie untersucht, wie sich politische Identitäten formieren und warum antidemokratische Akteure sowie populistische Bewegungen zunehmend an Boden gewinnen. Dabei verbindet sie klassische politikwissenschaftliche Fragestellungen mit neuartigen Methoden der Computational Social Science: Durch innovative Studiendesigns und die KI-gestützte Analyse digitaler Verhaltensdaten macht sie Dynamiken von politischer Unzufriedenheit und Radikalisierung messbar. Ihre Arbeit liefert damit entscheidende Erkenntnisse über die Resilienz demokratischer Institutionen und deren Fähigkeit, wachsende gesellschaftliche Polarisierung im digitalen Zeitalter aufzufangen.
Schulte-Cloos ist als Qualifikationsprofessorin für Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg tätig. Ihr Forschungsprofil verbindet vergleichende Politikwissenschaft, Demokratie- und Parteienforschung und politische Verhaltensforschung mit modernen computergestützten Methoden. Ihre wissenschaftliche Arbeit wurde international vielfach ausgezeichnet und in renommierten Fachzeitschriften wie dem „European Journal of Political Research, Political Behavior,Political Communication“ und „Perspectives on Politics“ veröffentlicht. Frühere Auszeichnungen wie der ECPR Rising Star Award unterstreichen ihre früh etablierte internationale Sichtbarkeit.
„Julia Schulte-Cloos steht exemplarisch für eine neue Generation politikwissenschaftlicher Spitzenforschung“, kommentierte Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Gert Bange. „Ihre Arbeiten verbinden methodische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz und leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis moderner Demokratien. Dabei bringt sie sich auch in aktuelle gesellschaftliche Debatten ein, etwa zur Frage eines Wahlalters ab 16.“
Die Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung datengetriebener sozialwissenschaftlicher Forschung für das Verständnis aktueller demokratischer Herausforderungen. Die Arbeiten von Schulte-Cloos liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie politische Partizipation, Polarisierung und der Erfolg antidemokratischer Akteure in digitalen Gesellschaften entstehen. Sie schaffen damit eine wissenschaftliche Grundlage für den Umgang mit zentralen Zukunftsfragen demokratischer Systeme in Europa.
Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis wird seit 1977 jährlich an herausragende Forscher*innen verliehen, die sich in einem frühen Stadium ihrer wissenschaftlichen Laufbahn befinden. Die Auszeichnung soll die Preisträger*innen, die noch keine unbefristete Professur innehaben, darin unterstützen und anspornen, ihre wissenschaftliche Laufbahn weiterzuverfolgen. Gewürdigt wird dabei nicht allein ihre Dissertation, sondern insbesondere, dass sie im Anschluss bereits ein eigenständiges wissenschaftliches Profil entwickelt haben und mit ihren Forschungsergebnissen die Fachcommunity bereichern, sodass auch in Zukunft wissenschaftliche Spitzenleistungen von ihnen erwartet werden können. Die Verleihung des Heinz Maier-Leibnitz-Preises 2026 findet am 11. Juni 2026 in Berlin statt.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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