Die Stadt Marburg saniert Straßen nach einer Prioritätenliste. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.
Doch die Stadt hat ihre verkehrswichtigen Straßen dafür untersuchen lassen und in einem Kataster den Zustand zusammengetragen. Insgesamt sollen nun im Schnitt 15 Millionen Euro pro Jahr investiert werden, um rund 40 Kilometer Straßen in zehn Jahren grundhaft zu sanieren. Los geht es in diesem Jahr etwa mit den Planungen für den Sonnenweg in Michelbach, An der Zahlbach am Ortenberg, die Königstraße in Elnhausen oder die Wehrshäuser Straße.
Nicht alle Straßen sind in optimalem Zustand – das gilt für nahezu jede Kommune. Dennoch ist der Anspruch klar: Straßen müssen in einem ordentlichen Zustand sein, damit die Verkehrsteilnehmenden sicher unterwegs sein können.
Bevor eine Straße grundhaft saniert wird, geht dem jedoch einiges an Planungen voraus – auch gemeinsam mit anderen Partnern, wie den Wasser- und Energieversorgern. Und: Es kostet viel Geld und nicht alles kann auf einmal angepackt werden.
Die Stadt Marburg hat daher nun die verkehrswichtigen Straßen systematisch erfasst und einen Zehn-Jahres-Plan erstellt. Ziel ist ein transparentes –
fachlich begründetes – Vorgehen mit klaren Prioritäten im ausgewogenen Verhältnis zu anderen investiven Aufgaben wie Schulen, Kitas, Bädern und sozialer Infrastruktur. „Investitionen stehen immer in Konkurrenz“, erklärte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Die Mittel sind begrenzt. Wir wollen 15 Millionen Euro im Jahr in unsere Straßen investieren und das mit System und einer transparenten Reihenfolge.“
Mit dem Bildungsbauprogramm BiBaP – einem transparenten Investitionsplan für die Marburger Schulen – habe die Stadt gute Erfahrungen gemacht und weitet das nun auf die Straßen aus. Saniert wird in Marburg seit 2019 ohne Anliegergebühren.
Die Basis des Straßenbauprogramms war eine fachliche Analyse von rund 120 Kilometern verkehrswichtigen Straßen von insgesamt 300 Kilometern Straßennetz in Marburg. Geschaut wurde, welche Schäden es gibt, wieviel Verkehr auf den jeweiligen Strecken fließt, ob eine Straße für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von Bedeutung ist und wo nach dem Radverkehrsplan Radwege entstehen sollen. Außerdem hat die Stadt Marburg beispielsweise mit den Stadtwerken Marburg (SWM) abgestimmt, wo diese in den nächsten Jahren Leitungsarbeiten machen und die Straßen dafür öffnen müssen.
Geschaut wurde auch, wo in nächster Zeit Bushaltestellen barrierefrei ausgebaut werden – damit auch diese Straßenabschnitte direkt grundhaft erneuert werden können. „Dazu haben wir dann erfasst, was eine grundhafte Erneuerung der jeweiligen Straße grob kosten wird – und ob es Fördergeld oder Partner gibt, um Synergien zu schaffen“, berichtete Fachbereichsleiter Karsten Dittmar vom städtischen Fachbereich Planen und Bauen. Zusätzlich achtet die Stadt darauf, dass nicht zwei wichtige Straßen zugleich saniert werden, wenn die eine Straße als Umleitung für die andere benötigt wird. Das ist Eine komplexe Zusammenstellung mit vielen Faktoren.
Das Ergebnis ist eine Karte der Stadt Marburg, mit Straßen, die in zehn unterschiedlichen Farben markiert sind. Dabei steht jede Farbe für ein Jahr, in dem saniert werden soll. Eine Verschiebung der Planungen kann es aber grundsätzlich geben, etwa wenn es Fördermittel für eine bestimmte Straße gibt oder wenn neue Schäden auftreten.
„Rund 40 Kilometer des Straßennetzes sollen in den nächsten zehn Jahren grundhaft erneuert werden für insgesamt rund 150 Millionen Euro“, kündigte Stadtrat Dr. Michael Kopatz an. „Das ist nur realistisch zu finanzieren, wenn wir Fördermittel bekommen.“
Die Stadt Marburg wird für viele Straßen Zuschüsse für den kommunalen Straßenbau beim Land Hessen beantragen – Dort gibt es bis zu 60 Prozent Förderung. Für 2026 sind beispielsweise Arbeiten in der Liebigstraße und im Bereich Lutherischer Kirchhof geplant und die Planungen für den Sonnenweg in Michelbach, An der Zahlbach am Ortenberg, die Wehrshäuser Straße in Wehrshausen und die Königsberger Straße in Elnhausen werden beginnen.
Neben der grundhaften Sanierung wird auch weiterhin laufend repariert. Dabei gilt aber: „Baustellen machen immer Staub und Lärm und beeinträchtigen Anwohner*innen und den Verkehr“, erläuterte Dittmar. „Das wollen wir so kompakt wie möglich gestalten, damit Beeinträchtigungen möglichst gering sind. Aber ohne wird es nicht gehen.“
Beschlossen wurde das Straßenkataster durch die Stadtverordnetenversammlung. Zuvor wurde der Plan mit den Ortsvorsteher*innen und anderen Partnern abgestimmt und Hinweise eingearbeitet. Nun hat die Stadt Marburg einen verlässlichen Plan, der auch für die Bevölkerung verfügbar und nachvollziehbar sein soll. Wie bereits bei den Schulen möchte die Stadt solche priorisierten Planungen Stück für Stück auch für andere Bereiche in der Infrastruktur erstellen – etwa für Brücken. Zu finden ist das Straßenbauprogramm auf der Internetseite der Stadt Marburg im Bereich der Beschlussvorlagen unter www.marburg.sitzung-online.de/public/tr010?SUCHWORT=VO/2911/2025.
* pm: Stadt Marburg