Die neue Publikation „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“ wurde am Freitag (13. Februar) im Landgrafenschloss präsentiert. Die Philipps-Universität berichtete darüber am Mittwoch (18. Februar).
Im prachtvollen historischen Fürstensaal des Landgrafenschlosses präsentierte die hessenARCHÄOLOGIE in Kooperation mit der Philipps-Universität Marburg, dem Hessischen Institut für Landesgeschichte und dem Marburger Geschichtsverein am Freitag (13. Februar) ihre neue Publikation. Zur erstmaligen Präsentation der frühen Geschichte der ehemaligen Burganlage waren 200 interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammengekommen. Der Hessischen Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur musste kurzfristig seine Teilnahme absagen. Timon Gremmels übermittelte aber seine guten Wünsche und seinen Dank.
„Kaum ein Schloss ist so eng mit der hessischen Landesgeschichte verbunden, wie das Marburger Landgrafenschloss“, ließ Gremmels mitteilen. „Es ist ein Ort, an dem sich mehr als tausend Jahre hessische Geschichte verdichten. Die archäologischen Forschungen der vergangenen Jahrzehnte haben unser Bild dieses einzigartigen Ensembles grundlegend erweitert und reichen bis in das 9. Jahrhundert zurück.“
Mit der Publikation „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“ werden diese Ergebnisse erstmals umfassend vorgestellt und in einen größeren historischen Zusammenhang eingeordnet. „Das Werk setzt neue Maßstäbe für die Erforschung und Vermittlung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte Hessens“, erklärte Gremmels. „Mein Dank gilt den Autorinnen und Autoren dieser Publikation, insbesondere der federführenden Autorin und damaligen Grabungsleiterin – Frau Dr. Christa Meiborg – sowie allen beteiligten Institutionen.“
Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss stellten in seinem Grußwort die Bedeutung der Anlage für die Universität heraus, während der Historiker Prof. Dr. Ulrich Ritzerfeld die Kooperation der hessenARCHÄOLOGIE mit dem Institut für Landesgeschichte und dem Marburger Geschichtsverein betonte. Der hessische Landesarchäologe Prof. Dr. Udo Recker unterstrich im Anschluss, wie wichtig die technisch aufwändige Ausgrabung für die Forschungsgeschichte war. Eine umfassende Fachpublikation im Anschluss sei dabei keine Selbstverständlichkeit, bemerkte Recker. Wachsende Arbeitsbelastungen der Bodendenkmalpflege und sinkende Zahlen materialbezogener Abschlussarbeiten führten zu weniger wissenschaftlichen Aufarbeitungen archäologischer Grabungen. Dabei gebe es noch viel durch archäologische Forschungen zu entdecken.
„Ausgrabungen wie hier im Landgrafenschloss unter dem nur wenige Meter entfernten Westsaal zeigen uns eindrucksvoll, wie viel Potenzial selbst in scheinbar bekannten Denkmälern steckt“, erklärte Recker. Eine umfassende wissenschaftliche Auswertung und fachliche Publikation wie in Marburg, basierend auf der vorbildlichen Arbeit eines interdisziplinären Teams, sei dabei enorm wichtig, um dieses Wissen der Forschung und der Bevölkerung zugänglich machen zu können.
Die Ergebnisse dieses Teams und die Herausforderungen der Ausgrabung stellte Dr. Christa Meiborg vor. Die damalige Ausgrabungsleiterin und heutige Außenstellenkoordinatorin der hessenARCHÄOLOGIE in Marburg hatte bereits zu Beginn der Veranstaltung in zwei Führungen Gästen die Möglichkeit geboten, direkte Einblicke in das einstige Grabungsgelände zu gewinnen, während Ritzerfeld die Geschichte des heutigen Schlosses präsentierte. In ihrem Beitrag nahm Meiborg die Zuhörerschaft mit auf die Reise zu den Ursprüngen der Burganlage um 900 nach Christi GEburt In 15 Monaten legte das Grabungsteam im Inneren des Gebäudes die Überreste einer gut erhaltenen Burganlage bis in acht Meter Tiefe frei. Sowohl die Ausgrabungen als auch die nun vorliegende vollständige wissenschaftliche Auswertung der Ausgrabungsergebnisse konnte nur als interdisziplinäres Gemeinschaftswerk gelingen, wie Meiborg betonte.
Zum Abschluss der Veranstaltung ordnete der renommierte Burgenforscher Dr. Joachim Zeune die entdeckten Burgstrukturen in das spannende Forschungsfeld salierzeitlicher Burgen ein, das sich im Vorfeld der großen Salier-Ausstellung 1991 in Speyer etablierte. Genau in diese Phase der burgenkundlichen Neuorientierung fiel die Entdeckung der beiden frühen Turmbauten unter dem Marburger Schloss, berichtete Zeune. Als burgenkundliche Leuchttürme erhellten sie damals nicht nur das wissenschaftliche Dunkel, sondern halfen, die großen gemörtelten Steintürme als bauliches Leitmotiv des Königtums und der Dynasten zu erkennen.
Für die musikalische Untermalung des Abends sorgten der renommierte Countertenor Franz Vitzthum im Duo mit dem namhaften Musikprofessor und Lautenisten Julian Behr. Der Doppelband „Das Marburger Schloss – von der Höhenburg zur Residenz“ aus der Reihe der „Materialien zur Vor- und Frühgeschichte in Hessen“ ist im Buchhandel erhältlich.
* pm: Philipps-Universität Marburg