Die Grünen kritisieren Kürzungen an Integrierten Gesamtschulen. „Schwarz-Rot sägt an der inklusiven Bildung.“
Die geplanten Kürzungen der Landesregierung bei der Lehrerzuweisung an Integrierten Gesamtschulen stoßen auf scharfe Kritik. Der Grünen-Kreisvorsitzende Andreas May wirft CDU und SPD vor, mit ihrer Entscheidung die Inklusion strukturell zu schwächen und Bildungsgerechtigkeit zu gefährden. Ab dem Schuljahr 2026/27 soll der Zuschlag für zusätzliche Lehrkräfte gestrichen werden, der bisher in Jahrgängen gezahlt wurde, in denen Schülerinnen und Schüler mit sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus gemeinsam unterrichtet werden.
Was das Kultusministerium als „notwendige Anpassung“ bezeichnet, bedeutet in der Praxis den Wegfall vieler Lehrerwochenstunden – Stunden, die bislang für individuelle Förderung, zusätzliche Lernzeiten, flexible Gruppeneinteilungen und gezielte Unterstützung sowohl schwächerer als auch leistungsstarker Kinder eingesetzt wurden. Integrierte Gesamtschulen stehen für gemeinsames Lernen statt früher Selektion. Sie arbeiten bewusst mit binnendifferenzierenden Konzepten, um Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam zu unterrichten und individuell zu begleiten. Genau dieses Modell wird durch die Kürzungen massiv unter Druck gesetzt.
„Wer Inklusion politisch fordert, darf sie nicht kaputtsparen“, erklärte May. „Mit diesen Kürzungen fällt das, was über Jahre hinweg aufgebaut wurde, der Kürzungspolitik zum Opfer. Besonders betroffen sind die Kinder, die auf Unterstützung angewiesen sind.“
Mit deutlicher Kritik wendet sich May auch an die SPD: „Wer diese Kürzungen stillschweigend mitträgt, verrät den Kern seiner eigenen Bildungspolitik.“ Die SPD habe sich lange für Gesamtschulen als Modell gemeinsamen Lernens und gegen frühe Selektion positioniert; nun setze sie diese Werte stillschweigend aufs Spiel. Die Kürzungen widersprechen damit zentralen sozialdemokratischen Grundwerten wie Chancengleichheit und Aufstieg durch Bildung. Statt sich hinter Koalitionsräson zu verstecken, müsse die SPD jetzt Verantwortung übernehmen und die Kürzungspläne stoppen.
Für Marburg-Biedenkopf bleibt die Entscheidung nicht abstrakt. Auch hier vor Ort werden die Folgen spürbar sein. Betroffen sind alle drei Integrierten Gesamtschulen. Das sind die
die Wollenbergschule in Wetter, die Martin-von-Tours-Schule in Neustadt und die Richtsberg-Gesamtschule (RGS) in Marburg.
An der Richtsberg-Gesamtschule werden nach derzeitiger Planung aller Voraussicht nach rund 1,5 Lehrerstellen wegfallen. Das ist ein gravierender Einschnitt für eine Schule, die bewusst auf individuelle Förderung und konsequente Binnendifferenzierung setzt. Über viele Jahre hinweg wurde an der Richtsberg-Gesamtschule eine inklusive Struktur aufgebaut. Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Leistungsniveaus lernen gemeinsam, unterstützt durch differenzierte Lernangebote, individuelle Förderpläne und Team-Unterricht.
Genau diese Strukturen geraten nun massiv unter Druck. Durch den Wegfall zusätzlicher Lehrerwochenstunden müssten Förderangebote reduziert und binnendifferenzierende Modelle deutlich eingeschränkt werden. Damit steht die pädagogische Grundausrichtung der Schule auf dem Spiel. Wenn personelle Ressourcen fehlen, wächst der Druck, wieder stärker nach Leistung zu trennen.
„Das ist ein klarer Rückschritt für Inklusion und Chancengerechtigkeit in unserem Landkreis“, betonte der Kreisvorsitzende. Die Grünen im Kreis und im Land fordern die Landesregierung auf, die geplanten Kürzungen zurückzunehmen und den Schulen Planungssicherheit zu geben. „Bildungsgerechtigkeit darf nicht dem Rotstift geopfert werden!“
* pm: Bündnis 90/Die Grünen Marburg-Biedenkopf