Seit vier Jahren lebt Julian Exner in Marburg. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2026 kandidiert er für das Stadtparlament auf der „Klimaliste“.
Nach Marburg gekommen ist er zum Studieren. Ursprünglich stammt Julian Exner aus Kiel. Seine Studienfächer Informatik und Geografie prägen auch sein Engagement in der Klimaliste, das er schwerpunktmäßig der Verkehrspolitik widmet.
„Marburg ist unbeschreiblich schön“, schwärmt Exner. „Nicht nur die historischen Bauten, sondern auch die Umgebung mit ihren Hügeln und Wäldern laden zum Fahrradfahren und zu Wanderungen ein. Außerdem habe ich hier eine Gemeinschaft gefunden, in der ich mich wohlfühle.“
Politisiert worden ist Exner schon während seiner Schulzeit. Damals wurde eine Werft in dem Kieler Stadtteil dichtgemacht, in dem er aufgewachsen ist. „Sie hat moderne Tanker hergestellt“, berichtet er. „Aber die Regierung wollte der Werft in der Finanzkrise 2008 nicht helfen.“
Die Auswirkungen hätten den gesamten Stadtteil getroffen, kritisiert Exner. Eine andere Kieler Werft, wo Kriegsschiffe gebaut werden, habe die Bundesregierung subventioniert. Die Rolle Kiels als Marinestützpunkt behagt dem jungen Klimaschützer nicht gerade, weswegen er sich gegen die Fertigung militärischer Produkte einsetzt.
In Marburg möchte er vor allem den regionalen Verkehr verbessern. Ein Beispiel dafür sei die Reaktivierung der Ohmtalbahn von Marburg über Homberg nach Fulda. „Betreiben sollte man sie gemeinsam mit der Strecke Gießen-Fulda als Mittelhessen-Y“, erläutert Exner. „Durch Kupplung der Züge können Menschen aus Marburg und Gießen schnell und regelmäßig in die Region Fulda fahren.“
Zudem plädiert er für eine mittelhessische Regional-S-Bahn zwischen Stadtallendorf und Wetzlar mit neuen Haltepunkten in den Marburger Stadtteilen Wehrda und Gisselberg sowie einem zentralen Haltepunkt „Marburg-Mitte“ am Erlenring. Die Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Kassel sollte man perspektivisch viergleisig ausbauen, um Güterverkehr und Personenverkehr voneinander zu trennen. In jedem Fall müsse die Strecke auf eine Fahrgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde „ertüchtigt“ werden.
Schließlich sei auch eine Wiederinbetriebnahme der Salzbödebahn anzustreben, findet Exner. Hier gibt es allerdings Hürden: Ein durchgehender Betrieb von Marburg nach Herborn würde wegen zugebauter Trassenabschnitte hinter Bad Endbach schwierig.
„In der Stadt müssen wir elektrisch fahren“, fordert Exner. Das gelte zunächst für die Stadtbusse, perspektivisch aber auch für den Individualverkehr. „Nach 2035 sollten keine privaten Autos mehr in die Stadt einfahren dürfen, die nicht elektrisch betrieben werden“, schlägt er vor. Ausnahmen möchte er nur für Rettungsdienste und andere wichtige Verkehrsleistungen machen.
In den Außenstadtteilen wünscht sich Exner elektrisch betriebene Carsharing-Autos. Daneben sollte es ein halbstündliches Rufbus-Angebot geben. Insgesamt müsse der ÖPNV deutlich attraktiver werden.
Für Verbesserungen beim Winterdienst habe sich die Klimaliste bereits eingesetzt, berichtet er. Fußwege werden nicht mehr nachrangig gegenüber den Fahrbahnen behandelt: „Wenn Rollstuhlfahrer und Kinderwägen bei Schnee und Glätte nicht vor die Tür können, dann ist das nicht hinnehmbar.“
Der Stadtpass muss mehr Angebote umfassen, wünscht sich Exner. Er müsse neben kostenlosem Busfahren auch Konzert- und Theaterangebote beinhalten. „Die große Bandbreite an Kultur vom Hessischen Landestheater Marburg (HLTM) über den Kulturladen KFZ und die Waggonhalle bis hin zum Theater neben dem Turm (TNT) und dem Café Trauma ist ein ungeheurer Reichtum“, findet Exner. „Das werden wir von der Klimaliste unbedingt schützen.“ Selbst engagiert er sich auch im Café Trauma.
Insgesamt betrachtet der 28-jährige Student Marburg als eine offene Stadt, in der sich viele auf Augenhöhe begegnen und miteinander sprechen. „In anderen Städten gibt es getrennte Stadtteile, deren Bewohner mit denen anderer Viertel in derselben Stadt nur wenig in Kontakt kommen“, weiß er. „In Marburg ist das glücklicherweise anders.“