Die Stadt geht „auf Nummer sicher“. Darum wird das AquaMar bei extremem Schneefall geschlossen.
Das – noch unsanierte – Dach des Sport- und Freizeitbads „AquaMar“ muss zu viel Gewicht tragen. Wegen undichter Stellen in der Dachhaut dringt Wasser in die Dämmung ein. Das Gebäude ist zwar selbst bei Starkregen standsicher. Aber: Bei starkem Schneefall wird die Last auf dem Dach zu hoch, sodass das AquaMar bei starkem Schneefall aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen werden muss.
Schneewaagen auf dem Dach sind seit einigen Wochen installiert. Diese digitalen Waagen messen das Gewicht des Schnees. Sollte das Gewicht zu groß werden, wird das Schwimmbadpersonal informiert. In diesem Fall wird das AquaMar aus Sicherheitsgründen geschlossen. Dabei gilt: Das gesamte Dach und das Gebäude sind nicht einsturzgefährdet.
Werden die Lasten aufgrund des Schneefalls zu hoch, wird eine Firma damit beauftragt, dass Dachdecker das Dach von den Schneemassen räumen. Bei zu großem Gewicht durch die Schneelast kann es an einzelnen Stellen passieren, dass Deckenteile durchbrechen. Das Risiko ist gering – kann aber nicht ganz ausgeschlossen werden.
„Die Sicherheit der Menschen geht immer vor“, betonte Stadträtin Kirsten Dinnebier. „Es besteht zwar nur ein minimales Risiko, dass das Dach des AquaMar das zusätzliche Gewicht durch viel Schnee nicht halten kann. Dennoch ist das geringste Risiko für uns Grund genug, kein Wagnis einzugehen.“
Bauamt, Bäderteam und beauftragtes Ingenieurbüro haben daher entschieden, dass das AquaMar geschlossen wird, sobald zu viel Schnee fällt und auf dem Dach liegen bleibt. Das hängt dabei nicht von der konkreten Menge ab –
sondern vom Gewicht des Schnees. Die Fachleute haben das Wetter in den Wintermonaten und gerade die aktuellen Prognosen genau im Blick. Die Stadt wird daher bei starken Schneefall entsprechend kurzfristig reagieren und darüber informieren, wenn das Schwimmbad geschlossen werden muss, bis der Schnee wieder geschmolzen ist.
„Es ist eine unbefriedigende Situation für alle, keine Frage“, sagte Stadtrat Dr. Michael Kopatz. „Zusammen mit externen Planer*innen arbeiten wir mit Hochdruck daran, das Dach so schnell wie möglich zu sanieren.“ Saniert werden sollen das Dach der Lehrschwimmhalle, das Dach der Wettkampfhalle und das der Aktionshalle.
Durch die Vorbereitungen und Vorgaben, die die öffentliche Hand dabei zur Sicherheit aller und zur korrekten Verwendung von Steuergeld beachten muss, nehmen dabei natürlich auch Zeit in Anspruch: Denn Baumaßnahmen in der Größenordnung einer Dachsanierung müssen zwingend einem Wettbewerb unterzogen und ausgeschrieben werden. Gleiches gilt im Vorfeld für den Auftrag, die Arbeiten fachgerecht zu planen und zu begleiten.
Die Stadtverwaltung hat bereits von einem externen Ingenieurbüro zusammenstellen lassen, welche Arbeiten umgesetzt werden müssen. Die Detailplanungen für die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Geplant ist, mit der Sanierung noch in diesem Jahr zu beginnen und innerhalb von zwei Jahren in zwei Bauabschnitten umzusetzen. Abhängig ist das davon, ob die entsprechenden Fachfirmen verfügbar sind.
Bei routinemäßigen Überprüfungen wurde im Frühjahr 2024 festgestellt, dass an einigen Stellen im Dach des Schwimmbads Wasser in der Dämmung ist. Kurz vor einem angekündigten Starkregen im Mai hatte die Stadt das AquaMar daher sicherheitshalber geschlossen und von Fachfirmen untersuchen lassen. Berechnet und untersucht wurde, ob das Schwimmbad in Kombination mit der durchfeuchteten Dämmung einem 100-jährigen Regenereignis standhalten könne.
Das Ergebnis war beruhigend: Auch diese Wassermassen sind laut untersuchendem Ingenieurbüro kein Problem für die Trapezbleche und die Tragkonstruktion. Mit dieser Berechnung vom Ingenieurbüro hat die Stadt das Schwimmbad also wieder geöffnet – mit der Maßgabe, es im Winter möglicherweise wieder schließen zu müssen. Denn ein Restrisiko bei durchnässter Dämmung und zusätzlicher Schneelast konnten die Ingenieure nicht komplett ausschließen.
Ursächlich für die Schäden ist die Dachhaut. Diese Schicht liegt oberhalb der Dämmung und schützt als oberste Schicht das Gebäude vor eindringendem Wasser. Sie ist an einigen Stellen undicht. Das Material ist immer wieder hohen Belastungen ausgesetzt, etwa durch Sonneneinstrahlung, Regen, Nässe, Eis – und wurde daher spröde Daher treten nun immer häufiger Undichtigkeiten auf, die sich durch eine punktuelle Reparatur nicht mehr dauerhaft beheben lassen.
* pm: Stadt Marburg