Mit einer kostenlosen App können auch Sehende die Brailleschrift erlernen. Das hat die Deutsche Blindenstudienanstalt (BliStA) zum „Welt-Braille-Tag“ angekündigt.
Mit nur sechs tastbaren Punkten hat der 16-jährige Franzose Louis Braille blinden Menschen vor über 200 Jahren die Welt des Lesens und Schreibens eröffnet. An diese bahnbrechende Erfindung, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat, wird zu seinem Geburtstag am 4. Januar mit dem „“elt-Braille-Tag“ erinnert. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk macht in diesem Jahr die Deutsche Blindenstudienanstalt (BliStA) in Marburg. Die App „Braille-Trainer“ zum Erlernen der Blindenschrift wurde von dem Hamburger Programmierer Martin Gertz entwickelt sowie in Zusammenarbeit mit dem bundesweiten Zentrum für Bildung und Barrierefreiheit an der BliStA kontinuierlich verbessert.
„Wir möchten mit dieser App blinden und sehenden Menschen einen modernen und möglichst einfachen Zugang zur Brailleschrift ermöglichen“, erklärte der BliStA-Vorstand Patrick Temmesfeld. „Die App soll vor allem auch sehende Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer dabei unterstützen, blinden Kindern beim Erlernen der Brailleschrift zu helfen.“
Die neue App ist ein weiterer Baustein einer Aufklärungskampagne für eine inklusive Gesellschaft, die unter dem Motto „Knack den Code“ besonders jüngere Menschen ansprechen soll. Botschafter ist dabei der blinde Waschbär Louis, der in kurzen Geschichten erzählt, wie er im Alltag klarkommt und –
obwohl er praktisch nichts sieht – viel erlebt und Spaß hat. Die Geschichten sind in Brailleschrift gesetzt und können mit Hilfe eines Braille-Alphabets entschlüsselt werden.
Die ersten 1.000 Downloads der App sind kostenlos. Mit der Entwicklung des „Braille-Trainers“, der App zum Erlernen der Brailleschrift, begann der Hamburger Programmierer Martin Gertz bereits vor Jahren in seiner Freizeit. Auslöser war die Freundschaft eines sehenden und eines blinden Menschen.
Gertz wollte dem Paar eine Hilfe schaffen, damit sie sich gegenseitig Nachrichten schreiben konnten. Nachdem er sich anfangs zunächst um die Umsetzung gedruckter Buchstaben in Braille und umgekehrt gekümmert hatte, stieg er nach und nach immer tiefer in das komplexe System der sogenannten Braille-Kurzschrift, einer Art Steno-Punktschrift, ein. Heute bietet der „Braille-Trainer – die BliStA-Version der App zum Erlernen der Brailleschrift“ sowohl die Möglichkeit, gedruckte Schrift in Braille als auch Braille in gedruckte Buchstaben zu übersetzen und ist in viele Lektionen unterteilt.
Damit ist sie sowohl für blinde als auch für sehende Menschen gleichermaßen zum Erlernen der Brailleschrift geeignet. „Durch die Zusammenarbeit mit den Expertinnen und Experten der BliStA konnten wir die Barrierefreiheit der App erheblich weiterentwickeln, und natürlich können jetzt viel mehr Menschen von der App profitieren“, freute sich Gertz. Anlässlich des „Welt-Braille-Tags“ stellt die BliStA die ersten 1.000 Downloads kostenlos zur Verfügung und hofft, dass es durch Spenden möglich wird, die App dauerhaft kostenlos anzubieten.
Die BliStA will mit dem Hamburger Programmierer langfristig zusammenarbeiten und die App weiter optimieren. Deshalb ist man gespannt auf die Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender und freut sich auf Anregungen und Verbesserungsvorschläge. In Kürze wird auch eine neue Android-Version zur Verfügung stehen.
* pm: Deutsche Blindenstudienanstalt, Marburg