Herausragende Medizinforschung in Gießen und Marburg hat die Von-Behring-Röntgen-Stiftung am Dienstag (25. November) gewürdigt. In Gießen ehrte sie exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Die Von-Behring-Röntgen-Stiftung hat am Dienstag (25. November) in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen im Rahmen eines Festakts drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre besonderen Forschungsleistungen ausgezeichnet. Verliehen wurden die Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreise sowie erstmals der Klaus-und-Christa-Preissner-Innovationspreis. An der feierlichen Preisvergabe nahmen über 100 Gäste nahmen teil. Darunter waren zahlreiche Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Universität und Stadtgesellschaft.
Die Von-Behring-Röntgen-Nachwuchspreise zeichnen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Gießen und Marburg aus, deren wissenschaftliche Arbeiten durch besondere Qualität und Relevanz überzeugen. Die Preise sind seit diesem Jahr mit jeweils 10.000 Euro dotiert.
Julian Better, Clinician Scientist an der Justus-Liebig-Universität Gießen, erhielt den Nachwuchspreis für seine Arbeiten zur Immunabwehr der Lunge ausgezeichnet. In einer aktuellen Studie, die im renommierten Fachjournal Science Immunology veröffentlicht wurde, erforschte er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, wie Alveolarmakrophagen – spezialisierte Immunzellen in den Lungenbläschen – auf akute Lungenschädigungen reagieren, etwa nach Virusinfektionen oder wenn Magensäure in die Lunge gelangt (Aspiration).
Dabei konnte der 36-Jährige zeigen, dass sich diese Zellen funktionell umprogrammieren: Sie konzentrieren sich verstärkt auf die Auflösung von Entzündungen, verlieren dabei aber teilweise ihre Fähigkeit, Bakterien effektiv abzuwehren.
Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, besser zu verstehen, warum Patientinnen und Patienten nach Virusinfekten häufig anfälliger für bakterielle Folgeinfektionen sind, und eröffnen neue Perspektiven für Therapien, die Entzündungen gezielt dämpfen, ohne die Immunabwehr zu schwächen.
Ebenfalls mit einem Nachwuchspreis geehrt wurde Dr. Julianne Susanne Funk von der Philipps-Universität Marburg für ihre bahnbrechende Forschung auf dem Gebiet der molekularen Krebsforschung. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht das Tumorsuppressor-Gen „TP53“, das bei vielen Krebsarten mutiert ist. Mit Hilfe der modernen CRISPR/Cas9-Methode, einer molekularen Genschere, die gezielte Veränderungen im Erbgut ermöglicht, entwickelte sie eine Strategie, um mehr als 9.000 Varianten des wichtigen Krebs-Gens systematisch zu untersuchen. Ihre – in „Nature Genetics“ veröffentlichte – Studie liefert entscheidende Erkenntnisse darüber, wie bestimmte Mutationen das Tumorwachstum und die Resistenz gegenüber Therapien beeinflussen. Damit leistet die 31-jährige Nachwuchswissenschaftlerin einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung der personalisierten Krebsmedizin und hat sich bereits international einen Namen gemacht.
Stiftungspräsident Dr. Lars Witteck betonte: „Unsere Preisträgerinnen und Preisträger machen sichtbar, was Gießen und Marburg als Wissenschaftsstandorte auszeichnet: exzellenter Nachwuchs, mutige Forschungsideen und der Wille, neue Wege zu gehen. Diese Leistungen stärken die Region – und sie setzen Impulse, die weit darüber hinausreichen. Die Stiftung begleitet diesen Weg mit großer Überzeugung.“
Erstmalig hat die Von-Behring-Röntgen-Stiftung in diesem Jahr den Klaus und Christa Preissner-Innovationspreis verliehen, mit dem wissenschaftliche Leistungen ausgezeichnet werden, die neue Impulse für die medizinische Forschung geben. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis ging an Privatdozentin Dr. Susanne Rinné von der Philipps-Universität Marburg. wurde für ihre Arbeiten zu Ionenkanälen als Angriffspunkte für Medikamente gegen Volkskrankheiten wie etwa Herzrhythmusstörungen, Lungenhochdruck oder Krebs ausgezeichnet.
Im Fokus stehen die sogenannten „TASK-Kanäle“, die für die elektrische Stabilität des Herzens eine entscheidende Rolle spielen. Ihre Forschung trägt wesentlich dazu bei, die Entstehung von Herzrhythmusstörungen besser zu verstehen und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Das ist ein Thema von hoher klinischer Relevanz und globaler Bedeutung. Mit zahlreichen Publikationen in bedeutenden Fachzeitschriften und wachsender internationaler Sichtbarkeit zählt die 47-jährige Wissenschaftlerin zu den führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Herz-Ionenkanal-Pharmakologie.
Der Preis wird ermöglicht durch den – von Klaus-und-Christa-Preissner-errichteten – gleichnamigen Stiftungsfonds und soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden. Gewürdigt wurden die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laudationes ihrer akademischen Wegbereiter – Prof. Dr. Niels Decher (für PD Susanne Rinné), Prof. Dr. Susanne Herold (für Julian Better) und Prof. Dr. Thorsten Stiewe (für Julianne Funk).
* pm: Von-Behring-Röntgen-Stiftung, Marburg