Marburger Religionswissenschaftler*innen waren zu Gast an der japanischen Universität Tenri. Die Jubiläumskonferenz „Encountering Religions“ vertiefte die langjährige Kooperation und eröffnete neue Forschungsperspektiven.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Universität Tenri reiste eine Delegation der Philipps-Universität Marburg zur gemeinsamen Konferenz „Encountering Religions: Journeys, Travelogues and Material Aspects“. Die Tagung ist Teil einer – seit rund 25 Jahren bestehenden – Zusammenarbeit beider Universitäten im Bereich Religionswissenschaft und Theologie. „Die Gespräche und Beiträge verdeutlichten, dass Religionskontakte weit früher und globaler wirksam waren, als vielfach angenommen“, berichtete die Marburger Religionshistorikerin und Delegationsleiterin, Prof. Dr. Bärbel Beinhauer-Köhler. Das reiche „von jesuitischen Asienmissionen über koloniale Verflechtungen bis hin zu den frühen transkulturellen Begegnungen, die Wegbereiter der heutigen Kooperation wurden“.
Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Evelyn Korn erklärte: „Die Verbindung zwischen Tenri und Marburg zeigt, wie wissenschaftlicher Austausch Brücken baut –
über Kontinente, Religionen und Generationen hinweg.“. Sie ist zuständig für Universitätskultur und Organisationsentwicklung an der Philipps-Universität Marburg. „Solche Partnerschaften eröffnen nicht nur neue Forschungsräume, sondern stärken auch das gegenseitige Verständnis in einer global vernetzten Wissenschaftslandschaft.“
Vor Ort tauschte sich die Marburger Delegation mit Forscherinnen und Forschern der Universität Tenri über historische und gegenwärtige Formen religiöser Mobilität aus. Dabei rückten auch prägende Persönlichkeiten der gemeinsamen Vergangenheit in den Fokus: Der Marburger Theologe Rudolf Otto, der 1912 auf seiner Japanreise beinahe Tenri erreichte, und Nakayama Shozen, das zweite Oberhaupt der Tenrikyo-Religion, das in der Mitte des 20. Jahrhunderts umfangreiche Objekte und Literaturen anderer Religionen sammelte und 1960 in Marburg die Tagung der International Association for the History of Religions besuchte.
Auch der deutsch-amerikanische Theologe und Religionsphilosoph Paul Tillich, der Mitte der 1920er Jahre am Fachbereich Theologie in Marburg lehrte, besuchte Tenri – und seit den 1970er Jahren gibt es eine offizielle Partnerschaft der Universitäten, die sich auf Austausch von Studierenden und Forschenden erstreckt. Solche historischen Verbindungen wurden während des Aufenthalts greifbar und prägten den Austausch ebenso wie aktuelle Forschungsfragen.
Die Konferenz machte deutlich, dass Tenri und Marburg weiterhin viele Themen – von Transformationsprozessen moderner Religionen bis zu medialen Verschiebungen im digitalen Zeitalter – verbinden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in gemeinsamen Projekten vertieft werden. Bereits verabredet wurde eine Folgekonferenz in Marburg, bei der die Kooperation fortgeführt und neue Impulse für die internationale Religionsforschung gesetzt werden sollen.
* pm: Philipps-Universität Marburg