Nachttanzdemo: Freie Räume für Kultur und zum Wohnen

Kultur, Wohnraum und soziale Orte sollen für alle da sein. Die Menschen in Marburg wollen das mit Musik und Tanz zeigen.
„Nachdem wir uns im letzten Jahr die Straßen Marburgs genommen haben, rufen wir auch dieses Jahr erneut zur Nachttanzdemo auf.“ Das erklärte der Kulturladen KFZ Marburg gemeinsam mit weiteren Veranstalterinnen und Veranstaltern aus der Marburger Kulturszene. „Kultur ist für alle da.“
Ein Brandbrief der Kulturbetriebe aus dem letzten Jahr sei ungehört verhallt. Das Motto staatlicher Stellen laute im Gegenteil: „Sparen! Diese Einsparungen im sozialen und kulturellen Bereich bedrohen den Zusammenhalt in unserer Stadt, denn Kultur bietet eine kreative Möglichkeit der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen.“
Aber auch Kneipen als wichtiger Ort sozialer Interaktionen sind weiterhin von Verdrängung bedroht. Unabhängig von Konsum sind sie ein Ort der Begegnung und des Austauschs für ALLE Menschen. In Zeiten eines ungebremsten Rechtsrucks Räume für Soziales und Freizeit aufs Spiel zu setzen, bedroht das demokratische und solidarische Zusammenleben insgesamt.
„Wir fordern den Erhalt und Ausbau von (Sub)Kultur“, erklärten die Kulturinitiativen. „Freiräume statt Kürzungen!“
Die Situation auf dem Wohnungsmarkt habe sich auf keinste Art und Weise verändert: Die Mieten steigen weiter respektlos, obwohl sich die Häuser in einem desolaten Zustand befinden und Leerstand weit verbreitet ist. Es herrscht Wohnraummangel, sowohl soziales als auch preisgünstiges Wohnen ist Mangelware in Marburg.
„Wir fordern Mietschutz und den Stopp der Verdrängung in unserer Stadt“, erklärten die Veranstalterinnen und Veranstalter der Nachttanzdemo am Samstag (19. Juli). „Wem gehört die Stadt?“
Sie gehöre nicht den Jugendlichen, nicht den Wohnungslosen und nicht den sozial Schwachen. Die Stadtpolitik Marburgs gehe den Weg der Verdrängung, um den Tourismus nicht zu gefährden. Armut solle nicht sichtbar sein – dafür müssten die Wohnungslosen und die Drogenkonsument*innen aus dem Stadtbild entfernt werden. Polizeipräsenz, Kameraüberwachung und weitere repressive Maßnahmen sollen gestärkt werden.
„Wir fordern stattdessen sozialen Wohnraum, den Ausbau der sozialen Arbeit und die Schaffung selbstverwalteter Räume, insbesondere für Jugendliche“, erklärten die Kulturinitiativen. „Die Stadt gehört uns allen. Wir tanzen uns den Frust von der Seele. Unsere Solidarität gegen ihre Sparpolitik!“ Die Demo startet um 19.30 Uhr am Erwin-Piscator-Haus (EPH).

* pm: Kultur- und Freizeitzentrum Marburg

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