In Berufsschulen: Projekt für starke Lehrer und starke Schüler

Ein Modellprojekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ hat die Philipps-Universität gestartet. Bis Frühjahr 2025 wird es mit insgesamt 300.000 Euro gefördert.
Gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung, dem Hessischen Kultusministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung hat die Philipps-Universität das Projekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ an Beruflichen Schulen in Hessen gestartet. Ziel ist die Stärkung von Lehrkräften im Umgang mit antidemokratischen Haltungen in der Schule.
Rechtsextreme Positionen und antidemokratische Haltungen sind in Teilen der Gesellschaft weit verbreitet. Auch in Schule und Unterricht sehen sich Lehrkräfte mit antidemokratischen Äußerungen und Verhaltensweisen konfrontiert. In diesen herausfordernden Situationen fehlen den Lehrkräften aber häufig das Wissen und die Handlungssicherheit, um darauf angemessen zu reagieren.
Im Schuljahr 2022/23 hat die Philipps-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Susann Gessner das Modellprojekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ gestartet. Es soll Lehrkräfte an Beruflichen Schulen im Umgang mit antidemokratischen Haltungen im Klassenzimmer fortbilden.
„Lehrerinnen und Lehrern kommt eine Schlüsselrolle dabei zu, wenn politische Bildung nicht nur als Präventions-, sondern auch als Bildungsaufgabe verstanden wird“, erklärte Gessner. „Gerade Berufliche Schulen und ihr Potenzial, Menschen im Übergang zum Arbeits- und Berufsleben zu begleiten, werden zunehmend in der politischen Bildung und ihrer Didaktik beachtet und erforscht. Wir wollen bewährte Konzepte aus den Projektstandorten Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg übernehmen, weiterentwickeln und auf die hessischen Bedürfnisse anpassen.“ Gessner ist Leiterin des Arbeitsbereichs „Didaktik der politischen Bildung“ am Institut für Politikwissenschaft.
Das Projekt wird von der Robert Bosch Stiftung, dem Hessischen Kultusministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Die Hessische Lehrkräfteakademie unterstützt in der Projektdurchführung und wirkt bei dem angestrebten Transfer in die Regelstrukturen der hessischen Aus- und Fortbildung von Lehrkräften mit.
Im Projekt nehmen 18 Lehrkräfte von sechs Beruflichen Schulen regelmäßig über den dreijährigen Projektverlauf an Fortbildungen zu verschiedenen Formen antidemokratischer Einstellungen und Verhaltensweisen teil, um sie im Schulalltag erkennen und darauf angemessen und professionell reagieren zu können. Gemeinsam mit Beratenden entwickeln sie Ziele und Strategien für den Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kontext von Schule und Unterricht. Darüber hinaus erarbeiten sie gemeinsam Konzepte zur Stärkung der Schulen als Orte für Demokratiebildung.
Die Beraterinnen und Berater sind im „Beratungsnetzwerk Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ organisiert. Mit ihren vielseitigen Qualifikationen und Schwerpunkten bringen sie ihre Expertisen in der Beratung von Betroffenen, in der demokratischen Schulentwicklung und in der Prozessbegleitung in das Projekt ein.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist die Vernetzung der Lehrkräfte und Schulleitungen untereinander sowie mit weiteren Akteuren etablierter Initiativen für Demokratiebildung. In einer zweiten Phase des Projekts erwerben die Lehrkräfte selbst Fähigkeiten in der kollegialen Fallberatung, um die Kollegien an ihrer Schule und darüber hinaus zu unterstützen, mit außerschulischen Bildungsträgern zu vernetzen und an weiterführende Beratungsangebote zu vermitteln.
Die ersten Qualifizierungsangebote haben im Herbst 2022 mit Vorträgen und Workshops zu den Themen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und zur Haltung von Lehrkräften sowie zur Identifizierung der lokalen Problemlagen und der Entwicklung schulspezifischer Handlungsstrategien stattgefunden.
Das Modellprojekt wird von einem Beirat in seiner Durchführung und in dem Transfer in die Regelstrukturen der hessischen Lehrkräfteaus- und Fortbildung beraten. Der Beirat setzt sich aus Vertreter*innen der projektbeteiligten Partner und sechs Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zusammen. Zu ihnen zählen der Politikwissenschaftler Dr. Reiner Becker vom Demokratiezentrum Hessen an der Philipps-Universität und die Lehrerin Mirjam Wege vom Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf.
Das Projekt wird durch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt unter der Leitung von Prof. Dr. Rico Behrens wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Ergänzend zur externen Evaluation wird das Projekt auch intern wissenschaftlich begleitet, um zur Qualitätssicherung der Fortbildungsangebote beizutragen. Darüber hinaus werden in diesem Teilprojekt des Marburger Projektteams die subjektiven Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler zu Demokratie und Demokratiegefährdungen sowie die Strategien von Lehrkräften untersucht.
Weitere Informationen und Neuigkeiten sind auf der Projektwebsite www.starkelehrer-starkeschueler.de zu finden.

* pm: Philipps-Universität Marburg

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