Zufällig gefastet: Wenn das Handy nicht mehr klingelt

Die Fastenzeit hat begonnen. Ich faste auch. Ich verzichte auf mein Handy.

Mein Smartphone war mein treuer Begleiter. Jede Sekunde prüfte ich, ob es in meiner Hosentasche steckt. Doch dann ging es kaputt. Seitdem verzichte ich auf mein liebstes Stück.
In den ersten Tagen ohne Handy fühlte ich mich komisch, fast nackt. Im Bus hatte ich nicht mehr die Möglichkeit, auf mein Handy zu schauen, um Blicken aus dem Weg zu gehen.
Das ist jedoch gut, denn damit stelle ich mich meinen Ängsten vor der Konfrontation mit anderen Leuten. Der Handyverzicht hat dazu geführt, dass ich jetzt aus dem Fenster oder in die Menge schaue. Dort entdecke ich spannende Dinge, die ich mit Handy vorm Gesicht nicht gesehen hätte.
Ausserdem bin ich mehr im Hier und Jetzt, da ich nicht mehr so schnell abgelenkt werde. Blöd ist aber, dass ich keine Whatsappnachrichten mehr bekomme. So habe ich nicht mitbekommen, dass ein Familienmitglied gestorben ist.
Außerdem haben meine meisten Freunde nur meine Handynummer und können mich nicht erreichen. Also war ich im Mediamarkt, um nach neuen Handys zu schauen. Dort gabe es das neue Samsung für 899 Euro und das Huawei für 920 Euro.
So viel Geld wollte ich aber nicht ausgeben. Also habe ich bei den Tablets geschaut. Währenddessen ist mir aufgefallen, dass ich ohne Smartphone oder Tablet viel besser zurechtkomme.
Ich vergesse nicht mehr so schnell die reale Welt und flüchte nicht mehr in die Social-Media-Welt. Also habe ich mir vorgenommen, ein Tastenhandy zu kaufen. Damit kann man nicht im Internet surfen, sondern nur telefonieren.
Aber noch taste ich mich langsam an die Ent-Scheidung vom ständigen Stand-By heran.

* Luca Mittelstaedt

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