„Hochschulgefühle“ ist der Titel einer Tagung des Instituts für Hessische Landesgeschichte untersucht die Emotionsgeschichte der Philipps-Universität. Sie ist Bestandteil des Jubiläumsprogramms „500 Jahre Philipps-Universität Marburg“.
Auch an einer Universität spielen Emotionen eine wichtige Rolle. Wie sich Gefühle wie Stolz, Angst, Frustration, Begeisterung oder das Gefühl von Zugehörigkeit an der Philipps-Universität im Lauf des 20. Jahrhunderts verändert haben und welche Emotionen das Verhältnis von Studierenden, Forschenden und anderen Hochschulangehörigen zu ihrer Hochschule gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche prägten, ist Thema der Tagung „Hochschulgefühle. Die Philipps-Universität Marburg und ihre Emotionen im langen 20. Jahrhundert“ am Donnerstag (5. November) und Freitag (6. November). Laien und Fachleute, Uni-Angehörige und Interessierte sind herzlich zu den öffentlichen Vorträgen im Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas am Pilgrimstein eingeladen.
Veranstaltet wird die Tagung vom Institut für Hessische Landesgeschichte der Philipps-Universität Marburg als Teil des Jubiläumsprogramms zum 500-jährigen Bestehen. „Wenn wir auf Universitäten schauen, denken wir häufig zuerst an Wissen, Forschung, Objektivität und Rationalität“, sagte Prof. Dr. Sabine Mecking, die mit ihrem Team – Dr. Martin Göllnitz, Tobias Karl und Lea Lachnitt – die Tagung organisiert. „Dabei sind Universitäten auch soziale Gefühlsräume, in denen Menschen miteinander leben, arbeiten, streiten, hoffen und sich verbunden fühlen.“
Im Rahmen der Veranstaltung wird außerdem der Band „Hochschulgefühle. Die Universität Marburg und ihre Emotionen im langen 20. Jahrhundert“ vorgestellt. Die Tagung nimmt die emotionale Seite der Universitätsgeschichte in den Blick. Die Beiträge reichen vom Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik über die Zeit des Nationalsozialismus bis in die Bundesrepublik. Dabei geht es etwa um den Wandel von Unsicherheit, Entfremdung und Frustration während des Ersten Weltkriegs, um Erfahrungen von Studentinnen zwischen Anerkennung und Ausgrenzung oder um Gemeinschafts- und Naturerlebnisse beim Wandern in der Weimarer Republik.
Auch die Geschichte der Philipps-Universität während des Nationalsozialismus und des Kalten Krieges wird unter dem Blickwinkel der Emotionen untersucht. Im Mittelpunkt stehen unter anderem das Selbstbild der Universität in Rektorats- und Universitätsreden zwischen 1933 und 1945 sowie Angst und politische Verunsicherung im universitären Diskurs der 50er Jahre. Für die Geschichte der Bundesrepublik fragen die Forschenden unter anderem danach, welche Rolle Emotionen bei den Hochschulprotesten der 60er und 70er Jahre spielten und wie sich Verdacht und Verunsicherung im Zusammenhang mit dem Radikalenerlass auswirkten. Ein weiterer Beitrag widmet sich den Ängsten vor dem sogenannten „Marburg-Virus“ bzw. der „Affenseuche“, die die Universität und die Stadt in den 60er Jahren beschäftigten.
Den Auftakt bildet eine Keynote der Historikerin Silke Fehlemann zu den Potenzialen einer Emotionsgeschichte der Universität. Ein eigener Schwerpunkt widmet sich dem „emotionalen Archiv“: Dabei geht es um die Frage, was Universitätsarchive über Gefühle und emotionale Erfahrungen ihrer Vergangenheit erzählen können.
* pm: Philipps-Universität Marburg