Mit neuen Meßstationen: Neues Jahr für Gewässerexperten beim RP

Für die Gewässer-Experten beim Regierungspräsidium Gießen beginnt bereits am 1. November das neue Jahr. Die Niederschlagsstationen werden dann modernisiert.
Während der Jahreswechsel noch einige Wochen bis nach Weihnachten auf sich warten lässt, feiern Hydrologen bereits am 1. November ihren beruflichen Jahreswechsel. Das sind Fachleute für die Wissenschaft vom Wasser auf, über und unter der Erdoberfläche. Verantwortlich für das vorzeitige Neujahrereignis ist eine nüchterne DIN-Norm (4049-1). Diese Norm legt den Zeitraum vom 1. November bis zum 31. Oktober als „hydrologisches Jahr“ fest.
Im Regierungspräsidium (RP) Gießen befindet sich die Obere Wasserbehörde, zu der auch das Hochwasserlagezentrum Lahn zählt. Es ist kein Wunder, dass die Gewässer-Experten im RP das Thema Wasser intensiv beschäftigt, wie ein aktueller Überblick für Mittelhessen zeigt. Die Pegel stehen in der Mittelbehörde auf: Modernisierung.
Warum beginnt das neue hydrologische Jahr ausgerechnet am 1. November? „Ende Oktober sind die Wasserreserven in Deutschland üblicherweise am geringsten“, antwortete Gabriele Schramm. Beim RP ist sie Leiterin des Dezernats für Oberirdische Gewässer und Hochwasserschutz. Durch den Start im späten Herbst erfasst das hydrologische Jahr einen kompletten Zyklus aus Niederschlag, Speicherung durch Schnee oder Grundwasser sowie Abfluss in Bäche und Flüsse.
Grundlegend wichtig sind deshalb Informationen für eine dauerhafte Vorhersage der aktuellen Situation sowohl bei Hoch- als auch bei Niedrigwasser. Dafür betreibt das RP Gießen ein umfangreiches Messnetz. Neben 27 Pegelanlagen an den mittelhessischen Flüssen und Bächen liefern auch 116 Grundwassermessstellen wichtige Informationen zur hydrologischen Situation und damit dem aktuellen Wasserhaushalt.
Komplettiert wird dieses Messnetz durch 27 Niederschlagsstationen. „Dieses Messnetz der Niederschlagsstationen wird nun modernisiert“, kündigte die Dezernatsleiterin an. Bei den neuen Messgeräten handelt es sich um eine Weiterentwicklung der langjährig bewährten Omprometer.
Dabei wird der Niederschlag, unmittelbar nachdem er gefallen ist, über eine hochsensible Waage erfasst und abgespeichert. „Ein Datensammler liefert in einstündigem Turnus die aktuellen Werte zu unserer Datenbank, sodass immer aktuelle Niederschlagswerte verfügbar sind“, erläuterte Schramm. An einem Standort in Driedorf ist das neue Messgerät bereits im Einsatz.
Aber nicht nur bei der Wettervorhersage spielen die erhobenen Daten eine Rolle. Insbesondere im Zuge der wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren sind statistische Langzeitdaten unumgänglich. Egal, ob bei der Genehmigung von Einleitungen (zum Beispiel Kläranlagen), bei der Wasserentnahme zum Beispiel zur industriellen Nutzung oder bei der Planung von Straßenentwässerungen und vielem mehr: „Die hydrologischen Daten bilden die Grundlage für viele wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren und sorgen letztlich für eine umweltverträgliche Nutzung unserer Umgebung.“

* pm: Regierungspräsidium Gießen

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