Eine Delegation aus Moshi war zu Gast in Marburg. Beide Städte pflegen neuerdings eine Freundschaft über Kontinente hinweg.
Fünf Tage lang war eine Delegation aus Marburgs Partnerstadt Moshi zu Gast in der Universitätsstadt. Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies hat Moshis Bürgermeister Zuberi Abdallah Kidumo auch das Historische Stadtsiegel überreicht. Zum Programm gehörten außerdem der Eintrag ins Goldene Buch, zahlreiche Besuche und viel Austausch.
„Die Beziehung zu unseren Partnerstädten ist ein hohes Gut, denn sie fördert den Austausch ganz unterschiedlicher Menschen über die eigenen Stadt- und Ländergrenzen hinweg“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies während des Empfangs für die dreiköpfige Delegation aus Moshi. „Diese Erfahrungen sind besonders wertvoll gerade in der heutigen Zeit, in der Zwietracht und Hetze oft mehr Gehör zu finden scheinen als Freundlichkeit, Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Umso mehr freuen wir uns, unsere Freunde aus Moshi jetzt bei ihrem Rückbesuch hier in Marburg begrüßen zu dürfen.“
Spies hieß Bürgermeister Zuberi Abdallah Kidumo willkommen. Mit ihm waren außerdem zwei Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Moshis zu Gast in Marburg: Mwajuma Abasy Nasombe ist Municipal Director of Moshi Municipal Council, sowie Monica Charles Sana, Planning and Coordination Officer of Moshi Municipal Council.
Oberbürgermeister Spies gab einen Rückblick auf die bereits bestehenden Städtepartnerschaften, angefangen mit der französischen Stadt Poitiers im Jahr 1961 – bis zur Stadt Moshi. Er bezeichnete jede Partnerschaft als wichtiges Zeichen der Freundschaft und einen Gewinn für den Austausch untereinander sowie für den Aufbau von Kooperationen. Es war der erste Besuch aus der Partnerstadt seit dem Unterzeichnen des Partnerschaftsvertrags in Moshi im Oktober 2023.
Um die neue Partnerstadt kennenzulernen, kam Moshis Bürgermeister Kidumo nach Marburg. Gemeinsam mit den beiden Delegationsbegleiterinnen trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Marburg ein. Spies überreichte Bürgermeister Kidumo zudem das Historische Stadtsiegel der Universitätsstadt als Zeichen der Verbundenheit. Kidumo brachte als Präsente frisch gemahlenen Kaffee der Region Moshi, frische Cashew-Nüsse und jeweils ein traditionelles Gewand für Spies‘ Ehefrau sowie für Stadtverordnetenvorsteherin Dr. Elke Neuwohner mit. Zudem überreichten die Gäste aus Moshi ihre Regionalflagge.
Die Delegation absolvierte während ihres fünftägigen Aufenthalts in Marburg ein umfangreiches Programm. Sie traf eine Vielzahl von Menschen, die sich intensiv für die Städtepartnerschaft zwischen Moshi und Marburg engagieren wie etwa Mitglieder des Vereins „Freundeskreis Marburg – Moshi“. Vorsitzender ist Prof. Dr. Harald Renz, der die Städtepartnerschaft mit Dr. Christian Kreisel initiiert hat.
Aufgrund der seit Jahren bestehenden Klinikums-Partnerschaft mit dem „Kilimanjaro Christian Medical Centre“ in Moshi stand auch der Austausch mit dem Universitätsklinikum auf dem Programm. Für den Beginn der Beziehungen durch das Uniklinikum dankte Spies besonders Prof. Dr. Harald Renz. Die Freundschaft zu Moshi habe sich zudem über die Kirchen, die Schulen, den Sport und die Feuerwehren weiterentwickelt.
Die Städtepartnerschaft wird beispielsweise über den Sport im Rahmen des „Seven Nations Camp“ gelebt. An dem sportlichen Wettkampf zwischen Kindern der Partnerstädte nahmen im Jahr 2024 auch erstmals Gäste aus Tansania teil. Die Delegation besichtigte den Austragungsort – das Georg-Gaßmann-Stadion mit seinen Anlagen, dem Skatepark und dem sanierten Kunstrasenplatz.
Die drei Gäste besuchten auch die Marburger Feuerwehr und den DRK-Rettungsdienst Mittelhessen, denn die Unterstützung der Feuerwehr und der Aufbau eines effektiven Rettungssystems in Moshi und Umgebung ist eine der großen Aufgaben, die sich die Beteiligten im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft gestellt haben. Rettungskräfte und Feuerwehrleute aus Moshi und Marburg haben sich 2024 gegenseitig besucht und Einblicke in die Arbeit der jeweils anderen gewonnen. Mittlerweile ist ein enger Kontakt entstanden.
Neben der Hauptfeuerwache besuchte die Delegation auch die Freiwillige Feuerwehr Moischt, deren früheres Einsatzfahrzeug nach Moshi gespendet wurde. Die Einnahmen aus der damaligen Veranstaltung rund um das Feuerwehrfahrzeug hatte die Freiwillige Feuerwehr Moischt gesammelt und noch aufgestockt. Die Summe von 1.200 Euro übergab der stellvertretende Wehrführer Thomas Bergmann zusammen mit Mitgliedern der Einsatzabteilung als symbolischen Scheck an Bürgermeister Kidumo. „Das ist nicht nur eine finanzielle Hilfe, sondern ein Symbol von Solidarität und Kameradschaft über Kontinente hinweg“, sagte Bergmann. Die Spende solle zur Einsatzfähigkeit der Feuerwehr in Moshi beitragen.
Beim städtischen Fachdienst Umwelt, Klima- und Naturschutz, Fairer Handel bekam die Delegation einen Einblick in den Marburger Klima-Aktionsplan und informierte sich über Maßnahmen zur Klimaanpassung. Dabei war zum Beispiel die Hochwasser-Gefahr ein Thema, von dem die Kilimanjaro-Region bei starken Regenfällen betroffen ist. „Wir haben durch die Zusammenarbeit und die Unterstützung der Stadt Marburg mit dem Fachdienst sinnvolle Ansätze für umweltfreundliche Nutzung des Verkehrs oder für Energiegewinnung kennengelernt“, sagte Moshis Bürgermeister Kidumo.
Diskussionsthema war auch die Abfallwirtschaft und insbesondere die Mülltrennung. Moshi ist bereits mehrfach als „sauberste Stadt Tansanias“ ausgezeichnet worden. Auch Fairer Handel – etwa von Kaffee und Tee – war ein Thema.
Das Thema Klimaanpassung spielte auch bei dem Besuch im Neuen Botanischen Garten eine Rolle. Dort ist ein Modellprojekt zur Lehmbauweise zusammen mit einem Architekten aus Moshi entstanden. Lehm ist ein nachhaltiges Baumaterial, der als Ersatz für Beton dienen kann. Beton macht in Moshi einen erheblichen Anteil an den Baukosten aus.
Daneben stand noch ein Besuch des Gymnasiums Steinmühle auf dem Programm. Die Schule hat einen Austausch mit der „One World Secondary School“ in der Nähe von Moshi. Außerdem fand ein Treffen bei Technologie Transfer Marburg (TTM) zusammen mit dem Verein Terra Tech Förderprojekte statt. Mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten in Ländern des globalen Südens sind sie entscheidende Kooperationspartner für die technische und logistische Unterstützung beim Aufbau des Rettungswesens.
„Wir fühlen uns sehr geehrt, hier zu sein“, erklärte Moshis Bürgermeister Zuberi Abdallah Kidumo. „Wir fühlen uns hier sehr willkommen – besser gesagt: Wir fühlen uns Zuhause! Wir haben bisher tolle Erfahrungen sammeln können bei all unseren Begegnungen.“
* pm: Stadt Marburg