{"id":9855,"date":"2022-06-12T12:38:33","date_gmt":"2022-06-12T10:38:33","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=9855"},"modified":"2022-06-12T13:06:38","modified_gmt":"2022-06-12T11:06:38","slug":"bunt-und-begeisternd-fest-im-stadion-mit-rosenwunder-und-wollnashorn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=9855","title":{"rendered":"Bunt und begeisternd: Fest im Stadion mit Rosenwunder und Wollnashorn"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Es ist nicht leicht, 800 Jahre in ein Theaterst\u00fcck zu packen.&#8220; Diese Erkenntnis der Autorin Anah Filou l\u00f6ste das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) mit einer bunten Revue. <!--more--><br \/>\n&#8222;800 (Das Theaterst\u00fcck) oder Rosenwunder Premium Reloaded&#8220; von Anah Filou feierte am Samstag (11. Juni) Premiere im gut besetzten Georg-Ga\u00dfmann-Stadion (GGS). Ihrem Titel wurde die Inszenierung der Intendantin Carola Unser aber fr\u00fchestens nach 20 Minuten gerecht. Bis dahin folgte ein unaufh\u00f6rliches Beginnen und wieder neu Beginnen, der Einlauf unterschiedlichster Akteurinnen und Akteure oder Gruppen sowie deren Verschwinden am Rande des gro\u00dfen Sportfelds.<br \/>\nImmer wieder begann Jorien Gradenwitz als &#8222;Frau Grin&#8220; mit dem Satz &#8222;Es war einmal&#8220;, ohne ihn jedoch zu vollenden. Derweil betraten &#8222;Die Kontinentalen&#8220; oder ein Cha-Cha-Cha-Tanzchor sowie das Ehepaar Wegener oder die Heilige Elisabeth die B\u00fchne, um gleich danach wieder zur Seite zu treten. Eine gro\u00dfe blaue Erdkugel war zu sehen oder ein Rh\u00f6nrad, das \u00fcber den Platz rollte.<br \/>\n&#8222;Hannah Ahrendt bitte zur B\u00fchne&#8220;, lautete eine Ansage. Unmittelbar darauf folgte unter Applaus des Publikums die n\u00e4chste Ansage: &#8222;Die Nazis bitte von der B\u00fchne!&#8220;<br \/>\nDanach begannen Fanny Holzer und Marie Wolff als Ehepaar Wegener, die Theorie der &#8222;Kontinentalverschiebung&#8220; zu erkl\u00e4ren: &#8222;In geophysikalischen Kategorien sind 800 Jahre ein sehr kurzer Zeitraum&#8220;, betonten sie. Die Einzw\u00e4ngung der Lahn zwischen den Gebirgsz\u00fcgen des Ortenbergs und der Lahnberge auf der einen sowie des Weinbergs und des Schlossbergs auf der anderen Seite sei deshalb nicht so bald zu l\u00f6sen, weswegen auch die erstrebte Verkehrswende nicht gerade einfach umzusetzen sei.<br \/>\nDie lustigste Figur in dem bunten Geschehen war das &#8222;Wollnashorn&#8220;. Mit einem behaarten Fell angetan und mit zwei spitzen Sto\u00dfz\u00e4hnen im Gesicht fragte die Schauspielerin Mechthild Grabner immer wieder, ob &#8222;es schon angefangen&#8220; habe.<br \/>\nZudem klagte sie dar\u00fcber, dass die Ampeln nicht auf langsame Wollnash\u00f6rner eingerichtet seien. So gelinge es ihr nie, die Schwanallee w\u00e4hrend einer Gr\u00fcnphase zu \u00fcberqueren, da die Ampel allein auf den Autoverkehr ausgerichtet sei. Lauter Applaus verriet daraufhin breite Zustimmung aus dem Publikum.<br \/>\nEin weiterer &#8222;Running Gag&#8220; war die Sitzung des Gremiums zur Vorbereitung des Jubil\u00e4ums. Immer wieder wurde ein Tagesordnungspunkt angek\u00fcndigt, um die Debatte dann doch wieder auf Nebenschaupl\u00e4tze abzulenken. Immer wieder versuchte &#8222;Der Schauspieler&#8220; Metin Turan, die Ergebnisse einer B\u00fcrgerbefragung vorzutragen, wobei ihm immer wieder andere ins Wort fielen.<br \/>\nEr war eine der st\u00e4rksten Figuren in diesem St\u00fcck. \u00dcberall stellte er sich dazu und beteiligte sich. Minutenlang sch\u00fcttelte er dem Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies auf der Publikumstrib\u00fcne begeistert die Hand, was der mit einem ebenso begeisterten H\u00e4ndesch\u00fctteln erwiderte.<br \/>\nAls Elisabeth von Th\u00fcringen diskutierte J\u00fcrgen Helmut Keuchel lange mit sich selbst \u00fcber das &#8222;Rosenwunder&#8220; und beleuchtete es auf seine Bedeutung im Kontext kapitalistischer Verwertungsinteressen. Er fragte sich, ob es gut sei, das Nahrungsmittel Brot durch Rosen zu ersetzen, die die Armen nicht satt machen k\u00f6nnten und ob man da dann \u00fcberhaupt von einem &#8222;Wunder&#8220; sprechen k\u00f6nne. Nicht deutlich wurde indes, dass das sogenannte &#8222;Rosenwunder&#8220; nur indirekt mit Marburg zu tun hat, weil Elisabeth von Th\u00fcringen das Brot vor 800 Jahren von der Wartburg in die Stadt Eisenach bringen wollte.<br \/>\nBoris Pasternak wurde in gleich drei Gestalten seines Romans &#8222;Doktor Zhivago&#8220; auf die B\u00fchne des Georg-Ga\u00dfmann-Stadions gebracht. Die Tonja spielte Saskia Boden-Dilling, die Lara verk\u00f6rperte Lisa Grosche und den Juri Zhivago der Schauspieler Georg Santner. Mit dem Verweis auf den Nobelpreis f\u00fcr Pasternak f\u00fcgte Filou dem Marburger &#8222;Stadtheiligen&#8220; Emil von Behring damit noch einen zweiten Nobelpreistr\u00e4ger hinzu.<br \/>\nDer dritte im Bunde wurde im St\u00fcck nicht erw\u00e4hnt, aber auch der Atomphysiker Otto Hahn &#8222;ist einer der vielen, die in Marburg studiert haben&#8220;, wie sich Filou ausdr\u00fcckt. Doch auch Behring oder Ahrendt kamen bei der Festtagsinszenierung nur am Rande kurz vor.<br \/>\nDaf\u00fcr gab es aber viel Musik. Die Geschichte, &#8222;als die Beatles nicht nach Marburg&#8220; kamen, sorgte f\u00fcr gleich drei Nachinterpretationen der &#8222;Fab Four&#8220;. Besonders gegeisterte dabei Olena Marchenko mit einer &#8211; teils auf ukrainisch gesungenen &#8211; Fassung von John Lennons &#8222;Imagine&#8220;.<br \/>\nLetztlich ist Regisseurin Carola Unser und Autorin Anah Filou mit ihrer Inszenierung dann die &#8222;Quadratur des Kreises&#8220; doch noch gelungen. Die vielschichtige bunte Revue rund um Marburg und seine Geschichte war nicht nur voll von Anspielungen auf Gestalten und Geschichten aus der mittelhessischen Universit\u00e4tsstadt, sondern auch voller bunter Ideen. Vor allem war allen 100 Beteiligten wie auch dem langanhaltenden Applaus des begeisterten Publikums eine unb\u00e4ndige Freude \u00fcber das Stadtjubil\u00e4um und das gro\u00dfe Fest im Stadion anzumerken.<br \/>\nManchen hat die Darbietung so gut gefallen, dass sie mit Freunden noch ein weiteres Mal hingehen m\u00f6chten. Angesichts der vielen Anspielungen werden sie wahrscheinlich noch viel Neues entdecken.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Es ist nicht leicht, 800 Jahre in ein Theaterst\u00fcck zu packen.&#8220; Diese Erkenntnis der Autorin Anah Filou l\u00f6ste das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) mit einer bunten Revue.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9857,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[3],"tags":[4106,2984,4107],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/marburg.news\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/20220611_211852-01-scaled.jpeg?fit=2461%2C2560","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2yX","jetpack-related-posts":[{"id":8555,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=8555","url_meta":{"origin":9855,"position":0},"title":"Bei Marburg800: Theatererlebnis zum Stadtjubil\u00e4um im Stadion","date":"14. 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