{"id":9757,"date":"2022-06-02T15:41:18","date_gmt":"2022-06-02T13:41:18","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=9757"},"modified":"2022-06-02T15:41:18","modified_gmt":"2022-06-02T13:41:18","slug":"geschichte-in-genen-krause-erforscht-pest-und-tuberkulose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=9757","title":{"rendered":"Geschichte in Genen: Krause erforscht Pest und Tuberkulose"},"content":{"rendered":"<p>Die genetische Geschichte der Pest war Thema der dritten Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4che. Dar\u00fcber referierte Prof. Dr. Johannes Krause. <!--more--><br \/>\nDie Erforschung der Geschichte von Krankheitserregern mit Methoden der Genetik war das Thema der dritten Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4che. Der Arch\u00e4ogenetiker Prof. Dr. Johannes Krause hat sich darauf spezialisiert, die Entwicklung von Krankheitserregern wie beispielsweise der Pest oder Tuberkulose aus sehr altem menschlichem Erbgut zu rekonstruieren. Krause forscht am Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig.<br \/>\nKrause war am Dienstag (31. Mai) und Mittwoch (1. Juni) Gast an der Philipps-Universit\u00e4t bei der dritten Ausgabe der Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4che. In einem \u00f6ffentlichen Abendvortrag sprach Krause \u00fcber &#8222;Die genetische Geschichte der Pest: Was wir aus historischen Pandemien lernen k\u00f6nnen&#8220;.<br \/>\nInfektionskrankheiten sind in der medizinischen Forschung ein wichtiges Thema. Allerdings ist wenig \u00fcber die Evolution von Krankheitserregern bekannt. Sie hinterlassen keine Fossilien, die es erlauben, die einzelnen evolution\u00e4ren Schritte nachzuvollziehen wie zum Beispiel die Anpassung an den Menschen als Wirt.<br \/>\nDie Pest &#8211; oder der &#8222;Schwarze Tod&#8220; &#8211; war die bislang gr\u00f6\u00dfte Pandemie in der Menschheitsgeschichte, die im Mittelalter jeden zweiten Menschen in Europa das Leben kostete. Bis heute bedroht der Erreger Bev\u00f6lkerungsgruppen in manchen Teilen der Welt wie zum Beispiel in Madagaskar. Insofern ist es vor allem f\u00fcr die Wissenschaft von gro\u00dfem Interesse, zu verstehen, woher der Erreger kommt, welches Alter er hat, wie er sich \u00fcber Jahrtausende ver\u00e4ndert hat und welche Gene auf welche Weise Resistenzen gegen\u00fcber der Pest oder anderen Erregern bewirken.<br \/>\nKrause berichtete \u00fcber die Forschung zur Herkunft, Abstammung und \u00dcbertragung einiger der gef\u00e4hrlichsten Krankheiten der Menschheitsgeschichte und besonders der Pest. &#8222;Mit Hilfe modernster DNA-Sequenzierung ist es gelungen, molekulare Fossilien der Krankheitserreger in Form von bakteriellen Genomen aus historischen menschlichen Skeletten zu erstellen&#8220;, sagte Krause. &#8222;Unter anderem haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das gesamte Erbgut des mittelalterlichen Pest-Erregers rekonstruiert.<br \/>\nSeine molekularen Spuren konnten bis zum Ursprung des Schwarzen Todes in Zentralasien zur\u00fcckverfolgt werden. Erbgutanalysen des steinzeitlichen Pest-Erregers erlauben es zus\u00e4tzlich, einzelne evolution\u00e4re Schritte bei der Anpassung der Bakterien an den S\u00e4ugetierwirt und den Floh als Zwischenwirt nachzuvollziehen und Hinweise auf pr\u00e4historische Epidemien zu gewinnen.&#8220;<br \/>\nWissenschaftliche Leiter der dritten Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4che waren der Genetiker Prof. Dr. Michael B\u00f6lker und der Mediziner Prof. Dr. Andreas Neubauer. &#8222;Wir freuen uns, dass wir Prof. Johannes Krause als Gast f\u00fcr die diesj\u00e4hrigen Wissenschaftsgespr\u00e4che gewinnen konnten&#8220;, erkl\u00e4rte B\u00f6lker in seinem Gru\u00dfwort. &#8222;Mit seiner Forschung hat er ganz entscheidend zur Weiterentwicklung der Arch\u00e4ogenetik beigetragen. Vor \u00fcber 10 Jahren machte er eine bahnbrechende Entdeckung. Aus einem winzig kleinen Knochen, der in einer H\u00f6hle des Altai-Gebirges in Sibirien gefunden wurde, konnte Krause durch die Sequenzierung des Genoms eine bis dahin unbekannte Menschenform, den Den\u00edsova-Menschen, nachweisen. In der Folge hat sich die Forschung auf die Fr\u00fchgeschichte des Menschen verlagert und wie gro\u00dfe Wanderungsbewegungen die weitere Entwicklung bestimmt haben. Dieser Teil der Menschheitsgeschichte war auch von Epidemien und Pandemien begleitet und vermutlich auch entscheidend beeinflusst.&#8220;<br \/>\nNeubauer w\u00fcrdigte die Leistungen Krauses aus der Perspektive der Medizin: &#8222;Die Natur ist voller Koexistenzen. Die Forschung von Johannes Krause zeigt \u00fcberzeugend, dass Menschen nicht nur mit Menschen koexistieren, sondern in hohem Ma\u00dfe auch mit den Mikroben in und auf uns. So hat zum Beispiel die Koexistenz des Magenkeims Helicobacter pylori mit den Menschen dazu beigetragen, dass sich unser Immunsystem besser mit Tuberkulose oder Leishmanien auseinandersetzen konnte. Man kann spekulieren, ob die Spezies Mensch ohne die Koexistenz mit Mikroben \u00fcberlebt h\u00e4tte.&#8220;<br \/>\nInteressierte konnten Krauses Vortrag in Pr\u00e4senz in der Universit\u00e4tsbibliothek oder per Livestream verfolgen. Auf dem Programm der zweit\u00e4gigen Veranstaltung standen auch ein interdisziplin\u00e4res Symposium mit eingeladenen G\u00e4sten aus verschiedenen Fachdisziplinen der Natur- und Lebenswissenschaften sowie der Geistes- und Sozialwissenschaften. Postdoktorandinnen und -doktoranden sowie Promovierende der Philipps-Universit\u00e4t hatten zudem die Gelegenheit, sich mit Krause in einem Kolloquium auszutauschen.<br \/>\nMit den Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4chen m\u00f6chte das Pr\u00e4sidium der Philipps-Universit\u00e4t den wissenschaftlichen Diskurs zu aktuellen Themen in Marburg und \u00fcber Marburg hinaus beleben. Es ist eine fachlich anspruchsvolle und zugleich \u00f6ffentlichkeitswirksame Reihe, deren G\u00e4ste auf f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Interesse sto\u00dfen.<br \/>\nKrause promovierte 2008 im Fach Genetik an der Universit\u00e4t Leipzig. Anschlie\u00dfend arbeitete er am Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig, bevor er eine Professur f\u00fcr Arch\u00e4o- und Pal\u00e4ogenetik an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen am Institut f\u00fcr Naturwissenschaftliche Arch\u00e4ologie \u00fcbernahm.<br \/>\nAb Juni 2014 war Krause Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Menschheitsgeschichte in Jena. Im Juni 2020 wechselte er wieder an das Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig. Krause war 2019 einer der Initiatoren und Mitunterzeichner der &#8222;Jenaer Erkl\u00e4rung&#8220; zum Rassismus, in der darauf hingewiesen wird, dass es aus biologischer Sicht keine Menschenrassen gibt; vielmehr sind sich alle Menschen genetisch sehr \u00e4hnlich. Die Unterschiede sind nur graduell. In der breiten \u00d6ffentlichkeit wurde Krause durch seine &#8211; mit dem Journalisten Thomas Trappe gemeinsam verfassten &#8211; B\u00fccher &#8222;Die Reise unserer Gene: Eine Geschichte \u00fcber uns und unsere Vorfahren&#8220; und &#8222;Hybris: Die Reise der Menschheit: Zwischen Aufbruch und Scheitern&#8220; bekannt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die genetische Geschichte der Pest war Thema der dritten Marburger Wissenschaftsgespr\u00e4che. 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