{"id":9314,"date":"2022-05-01T18:18:33","date_gmt":"2022-05-01T16:18:33","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=9314"},"modified":"2022-05-02T08:16:01","modified_gmt":"2022-05-02T06:16:01","slug":"zum-1-mai-milliarden-fuer-militaer-oder-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=9314","title":{"rendered":"Zum 1. Mai: Milliarden f\u00fcr Milit\u00e4r oder die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wo sind die Milliarden f\u00fcr Bildung uns Soziale Gerechtigkeit?&#8220; Wie ein roter Faden zog sich diese Frage am Sonntag (1. Mai) durch die Reden zum &#8222;Tag der Arbeit&#8220; in Marburg. <!--more--><br \/>\nBeim Deserteursdenkmal an der Frankfurter Stra\u00dfe er\u00f6ffnete der DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz am Vormittag die Auftaktkundgebung. Dabei kritisierte er das geplante &#8222;Sonderverm\u00f6gen&#8220; von 100 Milliarden Euro f\u00fcr die Aufr\u00fcstung der Bundeswehr. &#8222;Auf einmal ist das Geld da, das vorher angeblich fehlte&#8220;, erkl\u00e4rte Metz.<br \/>\nDie Lieferung &#8222;schwerer Waffen&#8220; an die Ukraine betrachtet der DGB-Kreisvorsitzende skeptlisch. Darin sieht er die Gefahr, dass Europa &#8222;schlafwandlerisch in einen Weltkrieg hineinschlittert&#8220;, wie es der Historiker Christopher Clarke zur Charaktersierung des Kriegsbeginns 1914 ausgedr\u00fcckt hatte. Metz warnte zur Besonnenheit und Zur\u00fcckhaltung trotz aller Solidarit\u00e4t mit dem ukrainischen Volk, das unzweifelhaft Opfer einer russischen Aggression geworden ist, sollte die Deeskalation Vorrang vor Kriegsrhetorik haben, warnte er.<br \/>\nMit mehreren Reden junger Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter richtete der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) anschlie\u00dfend zum &#8222;Tag der Arbeit&#8220; den Blick auf die Zukunft. Sie forderten bessere Bildungschancen f\u00fcr Kinder aus sozial benachteiligten Familien, eine gr\u00f6\u00dfere Durchl\u00e4ssigkeit des Bildungssystems und eine bessere Ausbildungsff\u00f6rderung ein. Die Ausrichtung der Universit\u00e4t an wirtschaftlichem Erfolg bem\u00e4ngelten die Reden &#8222;Wie kann es sein, dass der Fachbereich 03 Sozialwissenschaften und Politik eine Million Euro Schulden hat?&#8220; Diese Frage beantwortete die junge Fragestellerin damit, dass f\u00fcr die Themen dieses Fachbereichs nicht das gleiche kommerzielle Verwertungsinteresse bestehe als bei Naturwissenschaften. Gerade aber sozialwissenschaftliche Fragen seien f\u00fcr die Gesellschaft wichtiger denn je, erkl\u00e4rte die Rednerin.<br \/>\nBei der Zwischenkundgebung am Hanno-Drechsler-Platz unterhalb der augustinertreppe sprach sich eine Vertreterin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) f\u00fcr eine bessere Ausstattung von Schulen aus. Das beinhalte die Technik f\u00fcr digitalen Unterricht ebenso wie L\u00fcftungssysteme. Daneben ben\u00f6tige das Personal auch eine st\u00e4rkere Entlastung angesichts der gravierenden Beanspruchung durch die Folgen der Corona-Pandemie f\u00fcr den Nachholbedarf beim Unterricht, durch die Beschulung gefl\u00fcchteter Kinder aus der Ukraine und durch die notwendige Inklusion behinderter Kinder.<br \/>\nWaffenlieferungen werden den Krieg in der Ukraine nicht beenden&#8220;, erkl\u00e4rte  Stefan Sachs. Vielmehr sieht der Bevollm\u00e4chtigte der Industriegewerkschaft Metall Mittelhessen darin die Gefahr einer weiteren Eskalation des Konflikts, dessen Verursacher eindeutig der russische Pr\u00e4sident Vladimir Putin sei. Solidarit\u00e4t mit den Menschen in der Ukraine solle jedoch in erster Linie durch ihre Aufnahme in Deutschland praktiziert werden, forderte er.<br \/>\nBei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz lobte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies die gro\u00dfe Hilfsbereitschaft der Marburger Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Gefl\u00fcchteten. Das gelte sowohl f\u00fcr die \u00fcber 1.000 Menschen aus der Ukraine, die bislang bereits in Marburg aufgenommen wurden, als auch f\u00fcr Gefl\u00fcchtete aus anderen L\u00e4ndern. &#8222;In marburg ist kein Platz f\u00fcr Antisemitismus, Rassismus und Verschw\u00f6rungsideologien&#8220;, erkl\u00e4rte der Oberb\u00fcrgermeister unter dem Applaus der Anwesenden auf dem vollbesetzten Marktplatz.<br \/>\n&#8222;Ich freue mich, nach zwei Jahren Pause wegen Corona hier nun zum 1. Mai wieder so viele aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zu sehen&#8220;, betonte Spies. In die gleiche Kerbe schlug auch der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. &#8222;Das ist ein gutes Zeichen&#8220;, bekr\u00e4ftigte er.<br \/>\nZachow erinnerte an die &#8211; <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=8598\">im Januar verstorbene &#8211; Landr\u00e4tin Kirsten Fr\u00fcndt<\/a>. &#8222;Ihr war es ein Herzensanliegen, am 1. Mai immer mit dabeizusein&#8220;, berichtete er. &#8222;Sie hat sich auch daf\u00fcr eingesetzt, dass es beim Kreis keine sachgrundlosen befristeten Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse mehr gibt.&#8220;<br \/>\nZwei Betriebsr\u00e4tinnen des Universit\u00e4tsklinikums berichteten von der bevorstehenden Betriebsratswahl beim Universit\u00e4tsklinikum Gie\u00dfen und Marburg (UKGM). In den letzten Jahren h\u00e4tten die Arbeitsbedingungen dort sich dramatisch verschlechtert. Inzwischen habe das so drastische Formen angenommen, dass ganze Abteilungen deswegen gek\u00fcndigt h\u00e4tten.<br \/>\n&#8222;Was w\u00e4re, wenn eines Tages niemand mehr da ist, um Kranke in einem Notfall zu behandeln&#8220; fragten sie. Die Gesundheitsversorgung d\u00fcrfe deswegen nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet werden, sondern m\u00fcsse sich an den Bed\u00fcrfnissen der Patientinnen und Patienten orientieren. Dabei d\u00fcrfe sie zwar durchaus kostendeckend arbeiten, aber nicht auf Kosten des Personals.<br \/>\nAuf ihre bevorstehenden Streiks wiesen Besch\u00e4ftigte aus Kindertageseinrichtungen und der Sozialbetreuug hin. Mit einem Lied verdeutlichten sie, dass &#8222;niemand dumm geboren&#8220; sei, sondern man &#8222;dumm gemacht&#8220; werde. Bei ihrem Auftritt erhielten sie auch die Unterst\u00fctzung von vier M\u00e4dchen, die den Refrain im Wechsel mit den Erwachsenen vorsangen.<br \/>\nZum Abschluss hielt der DGB-Landesvorsitzende Michael Rudolph die Mairede. Auch er warnte vor einer drohenden Eskalation der Gewalt im Krieg in der Ukraine. Aufr\u00fcstung und Waffenlieferungen betrachtete auch er skeptisch, da sie den Aggressor Putin wohl nicht wirklich aufhalten k\u00f6nnten.<br \/>\nDie Auswirkungen des Kriegs seien schon jetzt in Deutschland angekommen. Nicht nur die gefl\u00fcchteten Menschen verlangten ein solidarisches Handeln, sondern auch die steigenden Preise. Ein Inflationsausgleich bei der n\u00e4chsten Lohnrunde sei deswegen unerl\u00e4sslich, forderte er.<br \/>\nBei sonnigem Wetter lauschten die gut 500 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mit gro\u00dfer Ausdauer dem \u00fcberlangen Redeschwall. Dennoch war die Stimmung am Nachmittag besser als am Morgen, wo Metz zum Auftakt meinte, dass er letztes Jahr geglaubt habe, es k\u00f6nne nicht schlimmer kommen, sich dieses Jahr aber eines \u00dcbleren habe belehren lassen m\u00fcssen. Dennoch pr\u00e4gten Aufbruch und positive Utopien die Mehrzahl der Reden zum 1. Mai 2022 in Marburg.<\/p>\n<p> * Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wo sind die Milliarden f\u00fcr Bildung uns Soziale Gerechtigkeit?&#8220; Wie ein roter Faden zog sich diese Frage am Sonntag (1. Mai) durch die Reden zum &#8222;Tag der Arbeit&#8220; in Marburg.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2,4],"tags":[321,2488,3990],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-2qe","jetpack-related-posts":[{"id":15435,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=15435","url_meta":{"origin":9314,"position":0},"title":"Umstimmen: Chor Polit\u00f6ne bei DGB-Vormaifeier","date":"18. 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