{"id":9307,"date":"2022-04-29T13:40:11","date_gmt":"2022-04-29T11:40:11","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=9307"},"modified":"2022-04-29T13:40:11","modified_gmt":"2022-04-29T11:40:11","slug":"abendelang-wirtschaftsfoerderung-4-0-geht-neue-wege","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=9307","title":{"rendered":"Abendelang: Wirtschaftsf\u00f6rderung 4.0 geht neue Wege"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal reicht ein kleiner Impuls von au\u00dfen. Dr. Michael Kopatz referierte deshalb im Cineplex \u00fcber nachhaltige Wirtschaft. <!--more--><br \/>\nWas ist nachhaltige Wirtschaft und wie kann sie funktionieren? Und was kann eine Kommune dazu beitragen, die lokale Wirtschaft nachhaltig und krisenfest aufzubauen? Der Sozial- und Umweltwissenschaftler Dr. Michael Kopatz hat dazu einige Ideen und konkrete Beispiele beim &#8222;Marburger Stadtgespr\u00e4ch&#8220; vorgestellt.<br \/>\nKopatz ist Autor der Studie &#8222;Wirtschaftsf\u00f6rderung 4.0&#8220;, die sich damit befasst, wie eine resiliente, kollaborative und lokale Wirtschaftsf\u00f6rderung auf lokaler Ebene gelingen kann. Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies hatte einige Fragen dazu und den Sozial- und Umweltwissenschaftler kurzerhand direkt angerufen &#8211; und nach Marburg eingeladen, wo der sich nicht nur den Fragen des Oberb\u00fcrgermeisters und der Fraktionen stellte, sondern im Kinosaal bei einem Stadtgespr\u00e4ch zu seiner &#8222;Wirtschaftsf\u00f6rderung 4.0&#8220; referierte und Fragen aus Wirtschaft und Klimabewegung stellte.<br \/>\n&#8222;Die Transformation der Wirtschaft hin zu Regionalit\u00e4t und Nachhaltigkeit ist eine unzweifelhafte Notwendigkeit&#8220;, erkl\u00e4rte Spies. &#8222;Wir fragen uns in Marburg schon lange, was die Kommune zur lokalen Wirtschaft beitragen kann.&#8220;<br \/>\nDie Anwesenden begr\u00fc\u00dfte Spies im Kinosaal zum Stadtgespr\u00e4ch mit der Frage: &#8222;Wie kann die Wirtschaft der Zukunft aussehen? Damit besch\u00e4ftigen wir uns gemeinsam mit Dr. Michael Kopatz.&#8220;<br \/>\nKopatz besch\u00e4ftigt sich damit, wie regionale Wirtschaft krisenfester gemacht werden kann. In seinen Ausf\u00fchrungen kommt er immer wieder auf den Punkt zur\u00fcck, dass eine regionale Wertsch\u00f6pfung eine nachhaltige Entwicklung bef\u00f6rdert.<br \/>\nEr nennt f\u00fcnf wichtige Bereiche, die eine gute Basis f\u00fcr eine resiliente Wirtschaft bilden. Dazu z\u00e4hlt er eine reine regionale Finanzwirtschaft, Sozialunternehmen, eine Sharing Economy, eine regionale Produktion und lokale Unternehmen.<br \/>\nWas aber kann eine Kommune tun, um die &#8222;Wirtschaftsf\u00f6rderung 4.0&#8220; umzusetzen? Daf\u00fcr brachte Kopatz viele Beispiele aus europ\u00e4ischen St\u00e4dten mit. Osnabr\u00fcck beispielsweise habe sich erst einmal eine \u00dcbersicht verschafft, welche Produzent*innen es vor Ort schon gibt und das Gespr\u00e4ch gesucht sowie sich als Ratgeber angeboten<br \/>\n&#8222;Auch wenn eine Stadt nicht direkt finanziell helfen kann; die Ansprache ist eine wichtige Form der Wertsch\u00e4tzung&#8220;, erkl\u00e4rte Kopatz. Hinzu komme das Sichtbarmachen von Angeboten. &#8222;Wissen die St\u00e4dter*innen denn, welche Produkte es alle aus der Region gibt?&#8220;, fragte er.<br \/>\nPop-up-Regionall\u00e4den in Leerst\u00e4nden k\u00f6nnten helfen, mehr Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen. Kopatz Pl\u00e4doyer ist, die herk\u00f6mmliche kommunale Wirtschaftsf\u00f6rderung um neue Handlungsfelder und Strategien zu erweitern, um die Strukturen vor Ort besser vernetzen und unterst\u00fctzen zu k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6re es auch, Sharing-Projekte und soziale Angebote zu unterst\u00fctzen.<br \/>\nDazu z\u00e4hlt er etwa Projekte, bei denen Menschen sich Autos oder Werkzeuge teilen: &#8222;50 Prozent aller Wirtschaftsleistungen in Deutschland werden nicht bezahlt. Wenn ich meinem Nachbarn den Rasen m\u00e4he und daf\u00fcr einen Korb \u00c4pfel bekomme, dann ist das auch Wirtschaft. Und diese unbezahlte Wirtschaft muss die Kommune auch mit in den Blick der F\u00f6rderung nehmen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Beispielsweise kann die Kommune helfen, Repair-Caf\u00e9s zu vernetzen und so auszubauen, dass sie Angebote in Schulen machen &#8211; das wiederum hilft dem Handwerk, Auszubildende zu rekrutieren.&#8220; Eine Kommune habe beispielsweise schon einen Headhunter beauftragt, um eine Nachfolge f\u00fcr die lokale Metzgerei zu finden.<br \/>\nAu\u00dferdem k\u00f6nne die Wirtschaftsf\u00f6rderung Hilfe anbieten bei der Erstellung von Kommunikationskonzepten, beim Ausf\u00fcllen von F\u00f6rderantr\u00e4gen oder der Gr\u00fcndung von Genossenschaften. &#8222;Manchmal reicht ein kleiner Impuls von au\u00dfen aus&#8220;, res\u00fcmierte Kopatz.<br \/>\nAls positives Beispiel der kommunalen Wirtschaftsf\u00f6rderung f\u00fchrte Kopatz den &#8222;Marburg Gutschein&#8220; auf &#8211; er sorge daf\u00fcr, dass Geld in der Stadt bleibe.<br \/>\nAuch f\u00fcr lokale Finanzierungsmodelle hat Kopatz Beispiele im Gep\u00e4ck: B\u00fcrgeraktien k\u00f6nnen lokal gezeichnet und das Geld f\u00fcr lokale Investitionen genutzt werden. Auch die &#8222;Solidarische Landwirtschaft&#8220; (Solawi) sei ein Finanzierungsmodell &#8211; da im Prinzip die Ernte vorab verkauft werde.<br \/>\nEinen direkten Einfluss k\u00f6nne die Stadt auch auf die Gewerbeentwicklung nehmen, wenn sie eine strategische Boden- und Immobilienpolitik verfolge. Die Stadt Ulm schaffe beispielsweise nur auf st\u00e4dtischem Boden Baurecht. Gewerbeliegenschaften k\u00f6nnten zudem verpachtet statt verkauft werden.<br \/>\nEndet eine Nutzung, habe die Stadt dann wieder den ersten Zugriff auf die freiwerdende Fl\u00e4che. &#8222;Und f\u00fcr die Vergabe neuer Gewerbefl\u00e4chen sollte es Kriterien f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung geben &#8211; etwa, indem man Fl\u00e4chen nur an Unternehmen gibt, die nachhaltig arbeiten und gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze bieten&#8220;, forderte Kopatz.<br \/>\nAuch zum Verkehr hat Kopatz eine These: &#8222;Verkehrswende vitalisiert Innenst\u00e4dte&#8220;, betonte er. Denn: &#8222;Mit einem ge\u00e4nderten Gef\u00e4\u00df kann man die Erreichbarkeit verdoppeln!&#8220; Parkpl\u00e4tze f\u00fcr Autos st\u00fcnden nur eingeschr\u00e4nkt zur Verf\u00fcgung.<br \/>\n&#8222;Mit dem Bus kann man mehr Menschen ohne Parkplatz und Stau in die St\u00e4dte bringen.&#8220; Es gebe Studien, die belegten, dass Fu\u00dfgehende und Radfahrende Gesch\u00e4fte \u00f6fter frequentieren und mehr Geld dort ausgeben als Autofahrerinnen und Autofahrer.<br \/>\nDie wichtigste Botschaft, die Kopatz hat, richtet er an alle Unternehmen, Initiativen und B\u00fcrger*innen: &#8222;Liebe deine Stadt!&#8220; Es brauche einen positiven Spirit, eine gute Stimmung und Menschen, die sich mit ihrer Stadt identifizieren.<br \/>\nSo k\u00f6nne etwas Gutes entstehen, dass die lokale Wirtschaft, die Stadt und die Gemeinschaft in eine gute Zukunft trage. Der Vortrag im Rahmen des Marburger Stadtgespr\u00e4chs ist auf dem Youtube-Kanal der Universit\u00e4tsstadt Marburg zu sehen.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal reicht ein kleiner Impuls von au\u00dfen. 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