{"id":917,"date":"2017-08-03T08:44:24","date_gmt":"2017-08-03T06:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=917"},"modified":"2017-08-03T08:44:24","modified_gmt":"2017-08-03T06:44:24","slug":"rotlichtaus-bi-plant-plakataktion-gegen-prostitution","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=917","title":{"rendered":"RotlichtAus: Bi plant Plakataktion gegen Prostitution"},"content":{"rendered":"<p>Die Plakataktion &#8222;RotlichtAus&#8220; startet am Freitag (4. August) beim Oberstadtaufzug am Pilgrimstein. Die Marburger B\u00fcrgerinitiative &#8222;bi-gegen-bordell&#8220; ist Unterst\u00fctzerin dieser bundesweiten Kampagne. <!--more--><br \/>\nSeit mittlerweile zw\u00f6lf Jahren k\u00e4mpft sie mit zahlreichen Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen in Marburg gegen die menschenverachtenden Zust\u00e4nde in der deutschen Prostitutionsszene. BI-Sprecherin Inge Hauschildt-Sch\u00f6n k\u00fcndigte am Mittwoch (2. August) die neue Plakataktion gegen Sexkauf und Gleichg\u00fcltigkeit an.<br \/>\nDas Bundesgesetz zur Prostitution von 2002 habe entscheidend mit dazu beigetragen, dass Deutschland das Bordell Europas geworden sei. Prostitution ist demnach nicht mehr sittenwidrig, sondern legal.<br \/>\nBordellbetreiber k\u00f6nnen \u00fcberall und fast ohne Auflagen Bordelle und Laufh\u00e4user er\u00f6ffnen. Sie fungieren als harmlose Gesch\u00e4ftsleute. Offiziell vermieten sie nur Zimmer an Frauen, die angeblich freiwillig der Prostitution nachgehen.<br \/>\n90 bis 95 Prozent der Frauen sind laut Hauschildt-Sch\u00f6n aber osteurop\u00e4ische Armutsprostituierte. Sie kommen zur Zeit weitgehend aus Ungarn, Bulgarien und Rum\u00e4nien. Die Mehrzahl werde von m\u00e4nnlichen Familienangeh\u00f6rigen oder von sogenannten &#8222;Loverboys&#8220;, die ihnen Liebe vort\u00e4uschen, nach Deutschland verbracht.<br \/>\nDie Nachfrage der Sexk\u00e4ufer nehme weiterhin zu. Sie verlangten immer st\u00e4rker nach sehr jungen Frauen, im Milieu &#8222;Frischfleisch&#8220; genannt.<br \/>\nDie Frauen wissen laut Hauschildt-Sch\u00f6n oftmals gar nicht, in welcher Stadt sie sich befinden. Sie sind bildungsfern und unter patriarchalen Verh\u00e4ltnissen aufgewachsen. Viele sprechen kein Deutsch und sind somit hilflos den Sexk\u00e4ufern und Zuh\u00e4ltern ausgeliefert.<br \/>\nDie Miete in den Bordellen und Laufh\u00e4usern betrage 120 bis 160 Euro pro Tag. Die Frauen w\u00fcrden in der Regel am Ende jeder Nacht von ihren &#8222;Besitzern&#8220; abkassiert.<br \/>\nSie m\u00fcssten f\u00fcnf bis sieben Freier bedienen, um \u00fcberhaupt nach Abzug der t\u00e4glich f\u00e4lligen Miete einen kleinen Betrag f\u00fcr sich zu behalten, falls ihnen das \u00fcberhaupt gelingt. Gelingt es nicht, sind sie in der Schuldenfalle.<br \/>\nDas alles sei bekannt, erkl\u00e4rte Hauschildt-Sch\u00f6n. Das neue &#8211; am 1. Juli 2017 in Kraft getretene &#8211; Prostituiertenschutzgesetz sollte zumindest einen Teil dieser Mi\u00dfst\u00e4nde beseitigen. Die vorgesehenen Neuregelungen sind allerdings nach Ansicht zahlreicher Gegnerinnen und Gegner des Gesetzes v\u00f6llig unzureichend.<br \/>\nAndere hingegen kritisieren die massiven Eingriffe des Gesetzes in die Grundrechte von Frauen, die als Prostituierte gelten. Au\u00dferdem greift das Gesetz auch massiv in die Grundrechte von M\u00e4nnern ein, die Umgang mit diesen Frauen haben. Insbesondere Datenschutz und Freiheitsrechte seien in Gefahr aufgrund aktionistischer Ma\u00dfnahmen zum vorgeblichen Schutz vermeintlicher Prostituierter.<br \/>\nDagegen bedauern Fachleute aus Sozialarbeit, Polizei, Justiz, Politik, Verwaltungen sowie Gyn\u00e4kologInnen und TraumapsychologInnen, dass sich die Berliner Politikerinnen und Politiker noch nicht einmal zur Erh\u00f6hung des Schutzalters f\u00fcr Prostituierte von 18 auf 21 Jahre entschlie\u00dfen konnten. Gerade die sehr jungen Frauen seien von einem Tag auf den anderen den immer h\u00e4rter und perverser werdenden Forderungen der Freier ausgeliefert.<br \/>\nDoch Prostitution ist gesellschaftlich anerkannt; ein Bordellbesuch geh\u00f6rt auch zum organisierten Abendprogramm vieler Tagungen oder Fortbildungsveranstaltungen von Firmen und Versicherungen. Junggesellenabschiede und Abi-Abschlussfeiern finden in Bordellen statt.<br \/>\nNach Einsch\u00e4tzung von Hauschildt-Sch\u00f6n werden die Freier immer j\u00fcnger. Alle lernten: &#8222;Frauen sind Ware, die man zu niedrigen Preisen kaufen und benutzen kann, wie man will.&#8220;<br \/>\nDie Politik reagiere halbherzig, w\u00e4hrend der Widerstand aus der Zivilgesellschaft wachse, erkl\u00e4rte die BI-Sprecherin. Vor diesem Hintergrund sei auch die Kampagne &#8222;RotlichtAus&#8220; des Landesfrauenrats Baden-W\u00fcrttemberg und des Vereins &#8222;Sisters&#8220; zu sehen.<br \/>\nSISTERS startete die Kampagne &#8222;RotlichtAus: Gegen Sexkauf und Gleichg\u00fcltigkeit!&#8220; Die Marburger B\u00fcrgerinitiative bi-gegen-bordell ist mit Sisters vernetzt und unterst\u00fctzt die gemeinsame Kampagne mit ihrer Plakataktion.<br \/>\nDie Marburger B\u00fcrgerinitiative bi-gegen-bordell bedankt sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Aktion &#8222;RotlichtAus&#8220; durch die Universit\u00e4tsstadt Marburg und vor allem auch durch das Gleichstellungsreferat der Stadt. Ab Freitag (4. August) informiert ein Aushang am Oberstadtaufzug \u00fcber die Kampagne.<br \/>\nSie wird von Freitag (22. September) bis Dienstag (3.Oktober) mit einer weiteren Plakataktion fortgesetzt. Am Samstag (30. September) ist dazu eine Veranstaltung mit den Sisters-Vorstandsmitgliedern Sabine Constabel und Leni Breymaier geplant.<br \/>\nConstabel ist Sozialarbeiterin. Sie arbeitet seit 25 Jahren mit Prostituierten und Aussteigerinnen, macht \u00d6ffentlichkeitsarbeit und ber\u00e4t die Politik.<br \/>\nBreymaier ist Gewerkschafterin und SPD-Vorsitzende in Baden-W\u00fcrttemberg. Sie ist seit vielen Jahren frauen- und sozialpolitisch aktiv.<\/p>\n<p>* pm: BI-gegen-Bordell Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Plakataktion &#8222;RotlichtAus&#8220; startet am Freitag (4. August) beim Oberstadtaufzug am Pilgrimstein. Die Marburger B\u00fcrgerinitiative &#8222;bi-gegen-bordell&#8220; ist Unterst\u00fctzerin dieser bundesweiten Kampagne.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[4],"tags":[607,608,606],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-eN","jetpack-related-posts":[{"id":6052,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=6052","url_meta":{"origin":917,"position":0},"title":"Zum Aktionstag: Stadt hisst Fahne &#8222;RotlichtAus&#8220;","date":"23. November 2020","format":false,"excerpt":"Anl\u00e4sslich des Tages \"Keine Gewalt gegen Frauen\" am Mittwoch (25. 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