{"id":9162,"date":"2022-04-04T09:40:29","date_gmt":"2022-04-04T07:40:29","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=9162"},"modified":"2022-04-04T09:40:29","modified_gmt":"2022-04-04T07:40:29","slug":"spur-der-scheibe-archaeologe-weist-von-nebra-nach-anatolien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=9162","title":{"rendered":"Spur der Scheibe: Arch\u00e4ologe weist von Nebra nach Anatolien"},"content":{"rendered":"<p>Die Spur der Himmelscheibe von Nebra weist nach Anatolien. Hethitische Keilschrifttexte enthalten zahlreiche Beschreibungen vergleichbarer Werkst\u00fccke, die Gestirne zeigen. <!--more--><br \/>\nDie ber\u00fchmte Himmelsscheibe von Nebra k\u00f6nnte urspr\u00fcnglich aus Anatolien stammen. Das schlie\u00dft der Marburger Arch\u00e4ologe Prof. Dr. Andreas M\u00fcller-Karpe unter anderem aus Keilschrifttexten der Hethiter, die \u00e4hnlich geformte Objekte wie die Himmelsscheibe beschreiben. Der Hochschullehrer berichtet \u00fcber seine Recherchen in der j\u00fcngsten Ausgabe der &#8222;Schriften aus dem Vorgeschichtlichen Seminar Marburg&#8220;.<br \/>\nKurz nach der Jahrtausendwende rief der Fund der Himmelsscheibe von Nebra erheblichen Wirbel hervor; seit dem Jahr 2013 z\u00e4hlt sie zum UNESCO-Welterbe. Die runde Bronzeplatte mit ihren goldenen Mond- und Sternsymbolen gilt als die \u00e4lteste bekannte Darstellung des Nachthimmels mit seinen Gestirnen.<br \/>\n&#8222;Angesichts der l\u00fcckenhaften \u00dcberlieferung mag das St\u00fcck singul\u00e4r erscheinen&#8220;, sagte M\u00fcller-Karpe. &#8222;Es gibt jedoch durchaus Hinweise darauf, dass es urspr\u00fcnglich kein Einzelst\u00fcck war.&#8220;<br \/>\nDiese Indizien finden sich in Anatolien. Dort gibt es zwar bei weitem nicht so viele Ausgrabungsst\u00e4tten wie in Mitteleuropa; daher kennt man auch kein vergleichbares Metallfundst\u00fcck, daf\u00fcr aber bronzezeitliche Texte. In der kleinasiatischen Region hat man n\u00e4mlich gro\u00dfe Keilschriftarchive ausgegraben und damit ganze Bibliotheken in Scherben.<br \/>\nIm Anatolien der Bronzezeit scheinen Himmelsdarstellungen recht h\u00e4ufig gewesen zu sein, insbesondere als Ausstattung von Tempeln, wie zahlreiche Erw\u00e4hnungen in Keilschrifttexten belegen. Es gab Abbildungen von Sonne, Mond und Sternen aber nicht nur in Form von Metallreliefs, sondern auch als Brotfladen, die bei Ritualen rund um Schwangerschaft und Geburt gereicht wurden: &#8222;Sterne aus Teig und eine Mondsichel aus Teig dr\u00fcckt man auf ein Brot aus 3 Handvoll Mehl und nennt es Brot der Nacht&#8220;, hei\u00dft es zum Beispiel in einem Ritualtext.<br \/>\nM\u00fcller-Karpe zitiert ausf\u00fchrlich aus den \u00fcberlieferten Schriftst\u00fccken, in denen er zahlreiche Hinweise auf Metallobjekte gefunden hat, die man sich wie die Himmelsscheibe von Nebra vorstellen kann. Das sind flache, runde Werkst\u00fccke mit applizierten Mondscheiben und Sternen.<br \/>\nDer Marburger Hochschullehrer argumentiert deshalb, dass auch die Himmelsscheibe von Nebra einen anatolischen Hintergrund haben k\u00f6nnte, denn die Machart des Funds unterscheidet sich erheblich von weiteren Artefakten, die zugleich mit ihm geborgen wurden. Sie unterscheide sich etwa von Schwertern, die handwerklich viel aufwendiger gefertigt sind. Das spreche daf\u00fcr, dass die Himmelsscheibe aus einem anderen kulturellen Kontext stammen k\u00f6nnte.<br \/>\n&#8222;Auch die Metallanalysen legten nichts anderes nahe&#8220;, erkl\u00e4rte M\u00fcller-Karpe. &#8222;H\u00e4tte man die Himmelsscheibe in einem hethitischen Tempel gefunden, w\u00e4re ihr kaum eine derartige Aufmerksamkeit zugekommen&#8220;, vermutet der Arch\u00e4ologe: &#8222;Rasch w\u00e4ren die Parallelen in zeitgen\u00f6ssischen Texten benannt worden.&#8220;<br \/>\nM\u00fcller-Karpe lehrt Vor- und Fr\u00fchgeschichtliche Arch\u00e4ologie in Marburg. Er leitet das Vorgeschichtliche Seminar der Philipps-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Spur der Himmelscheibe von Nebra weist nach Anatolien. 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